3. Liga
Zuschauer: 11.814
Ludwigparkstadion: Saarbrücken
Nahezu heroisch klingelte der Wecker um 05:55, obwohl unser Spiel in Kaiserslautern mal wieder den Topspielslot um 20:30 bekommen hatte. Wir hatten heute aber ein größeres Rahmenprogramm geplant. Aufgrund der leichten Verspätung der beiden Mitstreiter, baute ich mein Heldentum noch aus und fuhr den beiden mit dem Fahrrad entgegen. Im Bahnhof holten wir uns noch ein bisschen Proviant und dann ging es ab auf die Bahn. Unser erster Stopp war ein kleiner Ort im wunderschönen Rheinhessen, wo wir uns um die Mittagszeit nach langer Zeit wieder einmal angekündigt hatten. Wenn man schon in diese Ecke fährt, dann muss man eigentlich auch Wein trinken.
Wir wurden um die Mittagszeit nett auf dem Weingut empfangen und verbrachten zwei extrem angenehme Stunden. Bei Rieslingsuppe und Brezeln tranken wir uns fröhlich durch das Weißweinsortiment und verquatschten dabei die Zeit. Vielen Dank für die Gastfreundschaft. So wertet man eine Auswärtsfahrt aber mal gewaltig auf. Gegen 14:30 mussten wir leider schon wieder los, denn wir hatten uns für heute einen Doppler vorgenommen. Endlich einmal sollte das Ludwigparkstadion in Saarbrücken gekreuzt werden. Es wurde wirklich allerhöchste Eisenbahn!
Die Ansetzung gegen den TSV Havelse sorgte bei einigen Leuten im Vorfeld für Kopfschütteln. Ich sah das entschieden anders. Für mich hat es fast eine größere Relevanz eine Kurve zunächst in einem unattraktiven Spiel zu sehen. Dort entscheidet sich der Charakter. Bei einem Highlightspiel abliefern kann fast jeder. Mich interessierte, wie ein tristes Heimspiel gegen Havelse angegangen wird. Völlig verrückt, dass ich heute dann endlich zum ersten Mal die Fanszene Saarbrücken live und in Farbe erlebte.
Wir fanden im Wohngebiet hinter dem Stadion einen guten Parkplatz und liefen von dort 10 Minuten zum Eingang. Das kurze Streifen des Vorplatzes der Heimkurve war nahezu alternativlos. Prompt guckte uns ein Saarbrücker aber mal so dermaßen böse an. Das war absolut top! Wir erreichten den Eingang der Gegentribüne unbeschadet und nahmen circa 15 Minuten vor dem Anpfiff unsere Plätze ein.
Die Virage Est startete mit einer kleinen Choreo in die Partie. In der Kurve wurden schwarz-blaue Fahnen geschwenkt. Dazu gab es ein Mottospruchband „Wir sind vom FCS“. Auf diesem war ein kleines Männchen zu sehen. Seht es mir nach, dass ich nicht einordnen kann, ob der kleine Mann öfter im Tifo von Saarbrücken auftaucht. Das Bild war solide- haute mich jetzt aber nicht vom Hocker. Dennoch ein Geschenk bei einem Spiel gegen Havelse überhaupt etwas zu sehen. Nach der Choreo wurde die Virage Est Zaunfahne per Seilkonstruktion hochgezogen. Per Spruchband griff man auch das Thema der Innenministerkonferenz auf: „IMK 25: Eure eigenen Statistiken zeigen die Stadien sind sicher. Populismus stoppen“.
In der Folge enttäuschte die Heimkurve leider ziemlich. Gerade in der ersten Halbzeit waren die Gesänge wirklich merkwürdig leise. Zwar konnte man sich in der zweiten Halbzeit etwas steigern- aber wirklich laut wurde es auch dann nicht. 1-2 wirklich überragende Lieder wurden aber immerhin zum Besten gegeben. Ins Auge sprang das Normalo Publikum, das wirklich richtig sauer war und immer wieder die Mannschaft beleidigte und höhnisch applaudierte. Das war schon ziemlich intensiv alles.
Zwei Handvoll Fans aus Havelse waren nach Saarbrücken mitgereist und traten abseits der mitgebrachten Fahnen nicht in Erscheinung. Ein Lob geht noch raus an die Rindswurst. Das schmeckte super.
Das Spiel war wirklich grottenschlecht. Saarbrücken ging früh in Führung- konnte dadurch aber keine Sicherheit gewinnen. Havelse kämpfte sich immer besser in die Partie und konnte verdientermaßen den Ausgleich erzielen. Dabei blieb es schlussendlich auch. Wir verfolgten die letzten Minuten bereits oben am Zaun und ich erntete etwas Unmut der Mitreisenden erst mit dem Abpfiff aufzubrechen. Zügigen Schrittes gingen wir los und waren keine zehn Minuten später am Auto.



