2. Bundesliga
Zuschauer: 48.855
Fritz-Walter-Stadion: Kaiserslautern
Auch der Weg aus Saarbrücken verlief problemlos und wenige Minuten später waren wir auf der Autobahn. Wir steuerten den Gästeparkplatz an, den wir circa 40 Minuten später dann auch erreichten. Leider war das Schild durchgestrichen und die Zufahrt blockiert. Keine Ahnung, ob der wegen Überfüllung dicht gemacht wurde oder einfach nie geöffnet gewesen war. Nach zweimaligen Kreiseln entschieden wir uns für einen eleganten Parkplatz auf der Abbiegespur an der Straße. Dort standen bereits einige Fahrzeuge und die Straße führte nur zu einem bereits geschlossenen Werksverkauf. Das Risiko war es wert. Wir liefen dann circa 20 Minuten zum Gästeeingang und der Anstieg war bei weitem nicht so stark, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Ist Heidenheim in Wahrheit der höchste zu erklimmende Gipfel? Betzenberg entmythisieren- Mythos Heidenheim erschaffen!
Der Einlass war dann erstaunlich gefüllt und schlecht organisiert. Es waren nur eine Handvoll Drehkreuze geöffnet und es ging nur im Schneckentempo voran. Hier hätte ich deutlich weniger Andrang erwartet, da immerhin ein Sonderzug aus Berlin angereist war. Es war auch ziemlich erstaunlich, was so für Leute am Einlass standen. Gefühlt war da kaum noch Berliner Asis, sondern wirklich teilweise auch (zugezogene) Gut-Situierte. Ich will mich gar nicht darüber beklagen. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Hertha auch für die „neuen“ Berliner attraktiv wird. Dennoch spannend zu sehen, wie das Publikum sich teilweise verändert hat. Auch total verrückt, da ich das in der Fanszene nicht im gleichen Maße gespiegelt sehe.
Nach circa 10-15 Minuten hatten wir es dann geschafft und die Kontrollen hinter uns gelassen. Somit betraten wir um 20:00 dann zur perfekten Zeit den Auswärtsblock. Richtig gut, dass es wieder so reibungslos funktioniert hat. Der untere Bereich des Blocks war auch nicht völlig überfüllt. Ich war das letzte Mal im Jahr 2011 in Kaiserslautern. Damals hatten wir mit Mühe und Not den Stehplatzblock gefüllt. Heute war das Kontigent komplett ausgefüllt und die Gruppen verteilten sich über die gesamte Breite des Gästebereichs. Manchmal muss man sich wirklich kneifen ob der Entwicklung, die wir durchlaufen haben.
Kneifen muss man sich auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen. Diese Anstoßzeit am Samstagabend um 20:30 mit der Übertragung im Free-TV ist meines Erachtens der attraktivste Slot in ganz Europa. Man sieht in der Regel immer zwei starke Fanszenen, die sich zumeist auch stets in Schale schmeißen. Heute wurde das Regelerlebnis aber noch einmal getoppt. Der 1. FC Kaiserslautern feierte sein 125. Vereinsjubiläum und hatte am Nachmittag bereits zum Traditionsmarsch aufgerufen. Im Stadion wurde dann eine große Aktion gezeigt. Im gesamten Heimbereich waren Jubiläumsfahnen ausgelegt, die geschwenkt wurden und schon einmal ein Wahnsinnsbild abgaben. Dann wurden in der Westkurve und auf der Südtribüne mit Hochziehelementen große Momente der Vereinsgeschichte gezeigt. Zu sehen waren unter anderen der Teufel aus der Pokalchoreo, eine Meistermannschaft und die Anzeigetafel vom Spiel gegen den 1.FC Barcelona. Auf der Nordtribüne wurden noch zwei Wimpel mit den Meisterschaften und Pokalsiegen gezeigt. Ich fand die Choreo wirklich überragend- definitiv die beste Choreo, die ich von einer fremden Fanszene live im Stadion gesehen habe. Chapeau!
Wir starteten wieder mit einem kleinen Intro in die Partie. Hinter dem Spruch „Blau-Weiße Hertha“ gab es im unteren Bereich der Blöcke ein Fahnenmeer mit der klassischen Herthafahne zu sehen. Meine Introbegeisterung habe ich jüngst ja bereits kommuniziert. Die Westkurve Kaiserslautern und die Harlekins Berlin zeigten im Spielverlauf ebenfalls Spruchbänder zur Innenministerkonferenz, die den gleichen Wortlaut hatten, wie das Spruchband in Saarbrücken. Die Hauptstadtmafia zeigte nach dem Abpfiff noch das Spruchband: „Mit Kampf und Moral- auch zum Sieg im Pokal“.
Kaiserslautern wurde laut Zaunfahnen vom Schwabensturm Stuttgart und von der Horda Metz unterstützt. Immer mal wieder gingen größere Mengen an Fackeln an. Die Kurve sah optisch auch wirklich gut aus. Auch akustisch war das nicht verkehrt. An diesem Tag war das ein wirklich guter Tag der Heimkurve.
Auch mit uns war ich aber einmal mehr sehr zufrieden. Akustisch dürften wir die Oberhand behalten haben. Auch bei uns gingen immer mal wieder einzelne Fackeln an, ehe es nach dem Abpfiff zur Feier mit der Mannschaft noch einmal eine etwas größere Pyroshow gab. Das machte heute einfach wieder richtig Spaß. Es fühlt sich nicht normal an, was Hertha gerade in einem auslöst.
Über 60 Minuten machte Hertha ein extrem abgezocktes Spiel. Schuler hatte gegen seinen Ex-Verein früh die Führung erzielt. Danach versäumte es Hertha durch Umschaltsituationen das 0:2 zu erzielen. Ab der 60. Minute wurde Kaiserslautern etwas zwingender und Hertha begann zu schwimmen. Der VAR rettete uns vor dem bereits gefeierten Ausgleich. So blieb es am Ende etwas glücklich beim 0:1. Die Ansätze sind mittlerweile aber klar zu erkennen. Einzig die Körpersprache von Fabi Reese nervte mich tierisch. Grundsätzlich spielt aber so eine Spitzenmannschaft und so sollte man auch um den Aufstieg mitspielen können! Let’s go! Wir feierten noch mit der Mannschaft und verabschiedeten diese in die Länderspielpause.
Nach dem Spiel lösten wir uns dann nach einer gewissen Zeit aus dem Mob und liefen zurück zum Auto. Nemo kannte einen ganz sicheren Geheimweg, der uns am Heimbereich und am Hauptbahnhof vorbeibrachte. Ha Ho He! Sicher erreichten wir jedoch das Auto, traten aufs Gaspedal und waren kurze Zeit später auf der Autobahn. Nach einem kurzen Stopp und anthropologisch wertvoller Studien der heimischen Bauernfans, erreichten wir unser Weingut und fielen kurze Zeit später ins Bett. Hertha macht auf einmal wieder Spaß! Was für ein Samstag!