21.11.2025 Hertha BSC- Eintracht Braunschweig 1:0

2. Bundesliga

Zuschauer: 42.895

Olympiastadion: Berlin

Der Terminierungsgott war mir in dieser Saison bisher weitgehend gnädig gestimmt. An diesem Wochenende war eine Terminierung auf den Freitagabend für mich das bestmögliche Szenario. Generell sind Heimspiele am Freitagabend echt ein kleines Geschenk. Das gilt vor allem in der zweiten Liga mit der schlaffreundlichen Anstoßzeit um 18:30. Auch in diesem Artikel folgt der obligatorische Verweis auf den desolaten körperlichen Zustand. Ich zolle dem dunklen und kalten Winter erheblichen Tribut. Nachdem ich mich unter der Woche eigentlich ganz gut rehabilitiert hatte, knallte die Erkältung am Freitag mit voller Wucht erneut ein. Gegen Nachmittag war kurz Verzweiflung angesagt und eine gewisse Ungewissheit wie ich den Spieltag überstehen sollte. Asperin Komplex regelte dann tatsächlich auf beeindruckende Art und Weise und so ging es dick eingepackt in mehreren Schichten zum Olympiastadion.

Mit preußischem Pflichtbewusstsein schleppte ich meinen Körper dennoch zum Aufkleberverkauf und verkaufte bibbernd Stapel um Stapel. Circa 30 Minuten vor dem Anpfiff und bei abklingendem Andrang erklärte ich meine Schicht für beendet und lief die Stufen der Kurve herunter. Gegner war heute die Braunschweiger Eintracht. Mittlerweile ist es schon fast ein Running Gag geworden, wie negativ ich Braunschweig gegenüber eingestellt bin. Bei manchen Zahlen fällt Braunschweig für einen Traditionsverein einfach auch so bemerkenswert ab. In der Auswärtsfahrertabelle der zweiten Liga ist man beispielsweise auf Platz 13. Auch die Mitgliederzahl ist mit 8.056 nicht gerade beeindruckend.

Umso erstaunlicher, dass ich heute aus der Reihe tanzte und den Braunschweiger Auftritt eigentlich ganz ansprechend fand. Circa 4.000 Braunschweiger unterstützten die Mannschaft im Unterring und im Oberring. Schon vor dem Spiel sangen sich die Gäste ein. Nach dem zwölfminütigen Protest legten sie einen geschlossenen Auftritt mit ordentlichem Zaunfahnenbild und Fahneneinsatz hin. Dazu gab es eine kleine, aber feine Pyroshow. Auch bei uns in der Ostkurve waren sie ab und zu vernehmbar. Interessant, dass viele andere Herthaner den Auftritt nicht so gut empfanden.

Wir untermalten den zwölfminütigen Stimmungsboykott mit einer optischen Aktion. An der Ballustrade des Oberrings hing ein großes Spruchband „Populisten legen die Axt an die Fankultur“. Dazu gab es in der Ostkurve ein Blockfahne, die einige der wortführenden Populisten (Innenminister Alexander Dobrindt, Hamburgs Innensenator Andy Grote und Hendrik Große Lefert, den Sicherheitsbeauftragten des DFB) mit ebenjener Axt zeigte. Dazu wurde die Kurve in „Schwarz“ gehüllt und gefragt: „Soll das die Zukunft des Fußballs sein?“ Nach 12 Minuten wechselte das Bild und die Kurve startete mit einem Meer aus Fahnen und blau-weißen Luftballons. Dazu hieß das Motto „Doch unser Kampf ist nie verloren“. Sehr schön und wieder lobenswert, dass man den Stimmungsboykott mit einer kleinen optischen Aktion wirkungsvoll visualisierte.

In der Folge war das ein ordentlicher Auftritt der Ostkurve. Die Kälte schien einigen auf das Gemüt zu schlagen und so blieb der Support ohne größere Ausschläge. So ein Heimspiel kann man mal abliefern- der Anspruch unserer Kurve sollte das aber nicht sein. Lediglich das „Unser Kampf ist nie verloren“ sorgte beim Kern unten für einen Ausbruch aus der Lethargie.

Insbesondere in der zweiten Halbzeit kickte bei mir die Nervosität extrem. Mit der sportlich guten Phase sind die Aufstiegsträume mittlerweile real und umso wichtiger war das Spiel gegen den vermeintlich schwachen Gegner Braunschweig. Trotz einer bescheidenen Leistung konnte man die Partie durch einen sehenswerten Kopfballtreffer von Winkler gewinnen. Sicher ein bisschen glücklich- trotzdem super, dass man diese Spiele mittlerweile gewinnt. Nach dem Spiel gab es daher wieder freundliche Worte für die Mannschaft und eine gemeinsame Feier.

Während des gesamten Spieltags zeichnete sich ab, dass die Berliner Polizei provokativ auftritt. So postierte man sich heute auch im Umlauf und im Mittelgang der Kurve. Spontan entschied man sich daher für ein etwas dezentraleres Herauslaufen als üblich. Auch in der Folge war die Polizei uns sehr eng auf der Pelle. Man hatte fast den Eindruck, dass sie sich heute eine Eskalation herbeiwünschten, um eventuell noch einmal Bilder für die IMK zu sammeln. Mega nervig! Ich lief noch auf den Parkplatz und entschied mich dann aufgrund der Kälte für eine Abreise mit der S-Bahn. Nach Pleiten, Pech und Pannen war ich erst nach circa 80 Minuten in den wärmenden vier Wänden und machte drei Kreuze diesen Abend überstanden zu haben.

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