2. Bundesliga
Zuschauer: 14.732
Holstein Stadion: Kiel
Eigentlich hatten wir geplant, um das Auswärtsspiel in Kiel ein Familienwochenende am Meer zu stricken. Leider machte der Gesundheitszustand des kleinen Kriegers diesen Plan obsolet. Glücklicherweise konnten wir die Unterkunft noch kurzfristig stornieren, sodass lediglich die Zugtickets unnötig geworden waren. Am Freitag hoffte ich auf eine 20-minütige Verspätung des eigentlich gebuchten Zuges. Das hätte eine Aufhebung der Zugbindung bedeutet und mir meine präferierte Konstellation ermöglicht: Mit dem Zug am Samstag hin und mit dem Auto zurück. Es kam nicht so und die Fallhöhe von Plan-B war jetzt auch nicht gewaltig, denn einmal mehr durfte ich mich dem Auto der Südberliner Legende und Nemo anschließen.
Um kurz nach 6 klingelte der Wecker und kurze Zeit später ging es aus dem Haus. Wir hatten uns in Charlottenburg verabredet, um die Auswärtsfahrt mit einem türkischen Frühstück einzuläuten. Gut- aber nicht überragend lautet mein Fazit. Dann ging es gegen 08:00 los in den hohen Norden. Kiel ist eine angenehme Auswärtsfahrt, denn geographisch geht es einfach mal in eine andere Richtung als sonst. Zudem ist man in knapp 3,5 Stunden auch schon da. Nach einer kurzen Pause erreichten wir gegen 11:30 dann auch schon die norddeutsche Stadt.
Nachdem es fast zu einem Unfall kam, da alle Autos spät auf die Abbiegespur zum Stadion einlenkten- stellten wir uns klüger an und näherten uns von hinten dem Stadion. In einem Wohngebiet fanden wir noch einen Parkplatz und erreichten in knapp 12 Minuten den Gästeblock. Alles richtig gemacht. Am Einlass gab es noch einen gewissen Rückstau und so dauerte es circa 15 Minuten, bis wir das Stadion betreten konnten. Die Kontrollen waren aber recht freundlich und nicht übergriffig. Dann ging es geschlossen in den Block.
Ich hatte Kiel mit Hertha bisher noch nicht besucht und so freute ich mich über die Abwechslung. Das Stadion hat mit der Obsession für Stahlrohr gewisse Wiesbadenvibes. Der Schnitt des Blocks und die Positionierung des Mundloches sind jedoch in Ordnung, sodass man ausreichend Platz hatte. Die herumfliegenden Möwen unterstrichen den maritimen Charakter des Spielorts. Wilder Storch, Wilde Cheerleader- muss man aber auch sagen.
Beide Fanszenen beteiligten sich auch heute am 12-minütigen Stimmungsboykott. Während dieser Phase richteten sich beide Fanszenen das Wort an ihre relevanten Innenministerinnen. Kiel zeigte ein Spruchband: „Innenministerin Finke: Das Ruder in der Hand? IMK-Pläne über Bord werfen“. Die Harlekins zeigten: „I. Spranger: Den Berliner Weg auch in der Politik fortführen- Populismus und Lügen eine Abfuhr erteilen“. Ich fand es sehr geschickt das Wort auch so konkret an die handelnden Personen zu richten.
Kiel startete dann mit einem kleinen Intro. Hinter einer „Wofür wir Kämpfen“ Zaunfahne wurden zahlreiche Doppelhalter und Fahnen gezeigt. Dazu gab es etwas untermalende Pyro. Auffällig war, dass der Supportkern fast ausschließlich im zentralen Block der Kurve zu finden war. An den Rändern dünnte die Supportbeteiligung arg aus und es gab keine wirklichen optischen Akzente. Erstaunlich war, dass ich die Kieler trotzdem immer mal wieder hören konnte. Das war grundsolide. Laut Zaunfahne wurde man von Freunden aus Kassel unterstützt.
Wir starteten ansprechend in die Partie, aber noch kurzer Zeit plätscherte der Support wieder ein wenig dahin. Ein echtes Highlight war der Versuch ein neues Lied in der Halbzeit zu etablieren. Auch wenn es an diesem Tag noch nicht klappte- hier hege ich große Hoffnungen. Davon abgesehen war das ein ordentlicher, aber sicher kein mitreißender Auftritt des Gästehaufens.
Auf dem Platz zeigte die Mannschaft einmal mehr ein grundehrliches Auswärtsspiel. Die Primärtugenden werden mittlerweile auf beeindruckende Art und Weise abgerufen. Ohne zu glänzen, konnte man dem Spiel durch das kämpferische Element seinen Stempel aufdrücken. Hinten hielt man einmal mehr die Null und vorne reichte wieder ein guter Moment. Der nach seiner Verletzung wieder eingewechselte Kownacki ließ sich fallen, spielte einen tollen Ball in die Tiefe auf Reese. Reese schlug eine präzise Flanke und der eingelaufene Kownacki konnte sehenswert per Kopf abschließen. Dieses Tor reichte und somit hat man jetzt sechs Pflichtspiele hintereinander gewonnen. Was ist hier eigentlich los? Wahnsinn! Es ist wirklich unglaublich.
Die Feier mit der Mannschaft fiel dennoch recht zurückhaltend aus. Zu präsent war bereits das Pokalspiel gegen Kaiserslautern am Dienstagabend. Hier hat man die Chance die starke Form und ein Stück weit auch die gute Hinrunde zu vergolden. Ein Überwintern im Pokal würde allen Herthanern wirklich Anlass zum Träumen geben. Dranbleiben Männer!
Wir entschieden uns dann die Auswärtsfahrt noch nicht zu beenden, sondern noch die Nähe zum Meer zu nutzen, um einen kleinen Abstecher zu machen. Eckernförde hieß die Destination der Wahl. Wir kamen gut weg und hatten somit noch ein bisschen Tageslicht bei unserem Strandbesuch. Der Strand war bis auf die irre Quallenplage sehr schön. Dann liefen wir die sehenswerte Promenade entlang zu unserem anvisierten Fischrestaurant. Dieses war leider geschlossen, aber mit einem nahegelegenen Café, hatten wir eine tolle zweite Option. Bei leckerem Glühwein und leckeren Fisch, stellte sich ein gewisses Hochgefühl ein. Wir flanierten zurück zum Auto und knallten danach zurück in die Hauptstadt. Das war eine wirklich schöne Auswärtsfahrt.





