3. Liga
Zuschauer: 3.160
Sportpark Fautenhau: Großaspach
Auch für den heutigen inoffiziellen Feiertag hatte sich mein Vergangenheits-Ich ein kleines Schmankerl ausgedacht. Warum nicht den halben Weg wieder zurückfahren, um noch das Spiel von Hansa Rostock in Großaspach mitzunehmen? Schließlich ist das Exil der zweiten Stuttgarter Mannschaft einer von zwei mir fehlenden Grounds in der Liga. Das Deutschlandticket kulte ich ja sowieso stets ab- warum also den Weg nicht so bestreiten? Immerhin ging der Tag wieder zu einer humanen Uhrzeit und sogar mit einem guten Hotelfrühstück los.
Dann ging es mit dem Region nach Nürnberg und unmittelbar zum Gleis für den Zug nach Backnang. Dort traute ich meinen Augen kaum, denn der Zug war bereits gerappelt voll. Zum Glück schaffte ich es noch in den Zug. Zahlreiche andere Leute hatten dieses Glück nicht und mussten echt auf dem Bahngleis zurückbleiben. Der Zug fuhr nur alle zwei Stunden, sodass dieses Schicksal umso schmerzhafter war. Man, o man!
Der Zug war auch deshalb so voll, weil einige Grüppchen an Hansakriegern sich ebenfalls in diesem Zug befanden. Mein Eindruck war, dass einige sogar den kompletten Weg per Regio zurückgelegt hatten. Wahnsinn! Ich war sehr vorsichtig als Zivilist gekleidet- dennoch fragte ich mich ein bisschen wie dämlich man eigentlich sein kann sich so nah in die Höhle des Löwen zu begeben. Ein bisschen lustig war es dennoch zu wissen wie die Hansas keinen blassen Schimmer hatten, dass ein Ha-Ho-He 20 Zentimeter von ihnen entfernt steht.
Chillig waren die zwei Stunden nicht gerade. Ich konnte zumindest recht weit in den Gang hineingehen und hatte somit etwas mehr Platz als die Leute im Türbereich. Dennoch war das ein ziemlicher Ölsardinenstyle. Einatmen, ausatmen, Podcast hören. Irgendwann war auch diese Fahrt überstanden und mit dem Linienbus ging es dann in Richtung Großaspach. An der Landstraße spuckte uns der Bus aus und dann ging es einmal mehr mit einigen Hansas in Richtung Stadion. Die Tatsache, dass sie klebten und einfach die Papierreste des Klebers in die wirklich schöne Natur warfen, triggerte mich wahnsinnig und sorgte fast dafür, dass ich meine Tarnung vernachlässigte, um sie zur Sau zu machen. Natürlich nur fast, denn ich bin nur in der Fantasie und an der Tastatur ein krasser Typ.
Es gab noch eine weitere Hürde, denn mein prall gefüllter Rucksack, den ich bereits eine gute Woche mit mir herumtrug, weilte noch auf meinen Schultern. Ich beschloss es zu riskieren und wurde am Eingang mit einer Abgabemöglichkeit belohnt. Glück gehabt! Das Stadionumfeld gefiel mir dann wirklich erstaunlich gut. Eine idyllische Lage, ein solides Stadion und eine komplett urige Alm-Gaststätte direkt an der Haupttribüne. Klar, dass ich genau diese als Erstes ansteuerte. So etwas cooles habe ich im Profifußball selten gesehen. Die Zeit reichte noch für ein Radler und vor allem für ausreichend Wärme. Das war richtig cool!
Zehn Minuten vor dem Anpfiff wagte ich mich nach draußen und war sehr erleichtert, dass der Schiedsrichter einen Anpfiff plante. Der Nebel war nämlich ziemlich heftig und kurz hatte ich das Schlimmste befürchtet. Ich nahm in der ersten Halbzeit meinen gebuchten Platz ein und war beeindruckt von der Anzahl der mitgereisten Rostocker. Irre Distanz, nerviger Gegner und doch waren es bestimmt 2.000 Hanseaten, die sich im Gästesektor und teilweise auf der Gegentribüne eingefunden hatten. Mit einem imposanten Zaunfahnenbild konnte man ebenfalls glänzen. Um den Anpfiff herum gab es eine Interaktion mit der Security, in deren Folge die ACAB und die Suptras Fahne die Position wechselten. Keine Ahnung- was da los war.
Ich habe Rostock noch nicht oft gesehen und so war ich gespannt auf den Auftritt. Mit DDR-Zaunfahne und gänzlich ohne Schwenker reihte man sich in den Zeitgeist ostdeutscher Kurven ein. Mit Blick auf die Lautstärke war das in der Folge echt stark. Es ging zwar ein bisschen Auf- und Ab aber insbesondere die Spitzen waren echt beeindruckend. Das Liedgut haute mich jetzt nicht um und war an manchen Stellen fast schon etwas verwunderlich. Aber zugegebenermaßen habe ich mich mit Hansa bisher noch nicht viel in meinem Leben beschäftigt. In der zweiten Halbzeit gab es dann sogar ein „Blockdiving“. Wild.
Ich wärmte mich in der Halbzeit noch einmal in meiner Lieblingsalm auf und blieb beim sehr positiven Fazit des Stadionsbesuchs. Das war niedlich heute hier. Einige Stuttgarter konnte man dann vor allem in der Alm auch noch erahnen. Aber auch hier zeigte mein Tarnumhang Wirkung. Auf dem Rasen war das nicht gerade ein Feuerwerk und Rostock gewann durch einen Lucky-Punch mit 0:1. Der Torjubel lohnte sich zumindest. Mit dem Abpfiff verließ ich das Stadion, sammelte meinen Rucksack ein und übergab mein Schicksal in die Hände des Shuttlebusfahrers. Glücklicherweise fuhr dieser recht zeitig los. Durch eine Fahrplanänderung hätte es sonst unter Umständen nicht für die anvisierte Verbindung gereicht. Durch eine aufgehobene Zugbindung und einen beherzten Sprint am Stuttgarter Hauptbahnhof, reichte es für einen ICE nach Hamburg. Hoffen wir, dass die Verbindung mir hold bleibt und vielleicht sogar noch an diesem Feiertag in die heimische Wohnung führt.









