14.12.2025 FSV Zwickau- Eilenburg 2:2

Regionalliga Nordost

Zuschauer: 4.095

Stadion Zwickau

Als der gemütliche Hoppingtrip nach Großaspach deutlich nach Mitternacht in meiner Wohnung endete, war die Sehnsucht nach einem entspannten Sonntag groß. Einfach mal auf dem Sofa bleiben, lange schlafen und vielleicht eine kleine Runde um die Wohnung spazieren. Gleichzeitig wusste ich, dass es dazu nicht kommen würde. Ich hatte sturmfreies Wochenende und wollte die Zeit wenigstens nutzen, um eine lang aufgeschobene Herausforderung anzugehen, anstatt auf der faulen Haut zu liegen. Es sollte endlich einmal nach Zwickau gehen. Vor allem wollte ich diese Mammutaufgabe nicht weiter aufschieben, sondern einfach mal erledigen. Die unzähligen Horrorgeschichten aus Zwickau rund um die Hopperkasse trugen nicht unbedingt dazu bei, dass ich den Spielbesuch auf die leichte Schulter nahm.

Dementsprechend war die Nacht wirklich sehr unruhig, da ich verschiedene Szenarien hin- und herwälzte. Der vernünftige Teil meines Gehirns sagte mir: Bei so einem unattraktiven Spiel gegen Eilenburg werden die sowieso nicht so sehr auf Jagd gehen. Gepaart mit einer dezenten Kleidung sollte das eigentlich funktionieren. Der emotionale Teil meines Gehirns ging mit dieser Einschätzung nicht mit und setzte sich zumindest während der Nacht durch. Umso entschlossener war ich aber am Sonntag den Quatsch endlich abzuhaken.

So ging es um kurz nach 9 aus dem Haus und dann in Richtung Sachsen. Zwickau ist mit dem Auto ordentlich erreichbar- jedoch mit Öffis eine echte Herausforderung. Zudem bringt der Fernverkehr de facto keine Verbesserung, sodass ich einfach auf das Deutschlandticket setzte. So ging es erst mit der Tram zu einem Regionalbahnhof, dann nach Dessau, dann zur Leipziger Messe und zu guter Letzt mit der S-Bahn nach Zwickau. Die Fahrt funktionierte aber absolut reibungslos und quasi pünktlich erreichte ich Zwickau. Dort war ich dann erst einmal überrascht, denn die Stadt machte einen eher einladenden Eindruck. In meinem Kopf war die Anreise auch hier klar. Es sollte nicht nur mit dem Deutschlandticket wehtun, sondern ich musste auch zu Fuß laufen. Google sagte bei Start eine Ankunftszeit von 14:17 voraus. Ich musste also entspannte 20 Minuten herauslaufen und machte mich sofort an die Aufgabe.

Für eine Station sprang ich noch auf Gut Glück in eine Bahn und bekam dadurch vier Minuten Unterstützung. Ansonsten setzte ich erfolgreich auf meine kleinen Beinchen. Die Topografie spielte mir durchaus in die Karten. Das letzte Stück ging es nämlich steil bergauf und auf diesem Abschnitt konnte ich Google Minute um Minute abluchsen. Ich war dann so fokussiert und machte beim Erreichen des Stadions dennoch einen kleinen Navigationsfehler. Ich hätte einfach zu meinem Eingang abbiegen können, irrte aber noch eine Minute durch die Gegend. Unbestraft schaffte ich es dann zum Eingang und wenige Minuten später auch in meinen Block.

Ich hatte mir den am weitesten von der Heimkurve liegenden Block auf der Westtribüne ausgesucht. Ich stellte mich erst in die obere Reihe und setzte mich dann mit dem Anpfiff auf einen Platz, der mir strategisch günstig erschien. Recht schnell verflog die Angst dann doch- was auch daran lag, dass ich als Back-Up sogar noch einen Joker in der Tasche hatte. Danke an dieser Stelle für den moralischen und logistischen Support!

Die Heimkurve wurde heute durch zahlreiche Dynamos aufgefüllt, die per Freundschaftszaunfahne und durch Schals gut erkennbar waren. In der Folge zeigte der Block einen guten Auftritt in einem Sinnlos-Heimspiel. Alleine die brachiale Red Kaos Zaunfahne ist einfach beeindruckend. Die Lieder reichten von solide bis gut und es machte Spaß einmal mit Ruhe den Gesängen lauschen zu dürfen. In der Kurve kamen außerdem zahlreiche Schwenkfahnen zum Einsatz- was in Ostdeutschland ja mittlerweile fast schon erwähnenswert ist.

Im Gästeblock waren circa 25 Sympathisanten aus Eilenburg mit einigen Zaunfahnen und einer Trommel zugegen. Davon abgesehen fielen sie aber nicht wirklich auf. Das Spiel war recht zäh und umkämpft. Zwickau konnte in Führung gehen- bekam dann jedoch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den unglücklichen Ausgleich. Eilenburg hatte dann in der zweiten Halbzeit mehr vom Spiel. Zwickau konnte jedoch das 2:1 erzielen. Mit der letzten Aktion hämmerte Eilenburg dann einen Freistoß zum 2:2 in die Maschen. Mit Blick auf den Zeitpunkt maximal unglücklich- mit Blick auf den Spielverlauf nicht unverdient.

Ab der 30. Minute hatte ich so viel Mut getankt, dass ich mich sogar traute das Stadioncatering zu nutzen. Mit Glühwein und Wurst verging die Zeit dann auch um einiges angenehmer. Gefahr enttarnt zu werden, witterte ich zu keinem Zeitpunkt. Sicher sieht das bei einem Highlightsspiel noch einmal anders aus. Ein paar Prozent trugen mein Aussehen und Auftreten aber vielleicht auch zum Erfolg der Mission bei. Ich war wirklich maximal erleichtert. Mit dem Abpfiff checkte ich dann noch ein und sammelte den verdienten Badge ein. Die Regionalliga Nordost ist endlich komplettiert. Mein Grinsen verschwand den gesamten Rückweg nicht mehr aus meinem Gesicht. Der Weg durch den Wald war auch wirklich idyllisch. Das sagenumwobene Plattenbauviertel sah ich nur aus der Ferne- bei Tageslicht sah aber auch das grundsätzlich überlebbar aus.

Auch auf dem Weg zum Bahnhof musste ich wieder etliche Minuten rausholen. Für die letzte Station nahm ich dann noch einmal den Bus und traf dort zahlreiche Dynamos. Ich stieg in die gerade einfahrende S-Bahn und machte den Weg rückwärts. Lediglich von Leipzig bis Dessau musste ich stehen. Ansonsten verlief der Weg wieder solide. Die 20 Minuten Verspätung fuhr ich durch ein Nextbike in Potsdam fast vollständig raus und verausgabte mich durch den Platten des Nextbikes noch einmal richtig. Was für Tage und so kann ich langsam aber sicher wirklich in den verdienten- aber kurzen Winterschlaf fallen. Aus Respekt für die Haltung von Red Kaos nehme ich nur ein Bild aus dem Stadtbild in diesen Artikel auf.

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