19.12.2025 Hertha BSC- DSC Arminia Bielefeld 1:1

2. Bundesliga

Zuschauer: 44.968

Olympiastadion: Berlin

Ich wünschte ich könnte dem Leser einmal eine andere Geschichte bieten. Eine Geschichte, die nicht von Selbstmitleid und Krankheit geprägt ist. Ich fürchte das wird auch dieses Mal nichts, denn der bisherige Seuchenwinter 2025 setzte sich fort. Mein Mammutwochenende davor hatte ich erstaunlich gut verknuspert und sogar Kraft aus der Geschichte gezogen. Sonntag, Montag und Dienstag fühlte ich mich so fit wie lange nicht mehr. Dann kam der Mittwoch und der Stecker war wie gezogen. Durch einen Zufallsfund eines Testkits in unserem Badezimmerschrank, hatte ich kurze Zeit später die Gewissheit, dass ich mir die Grippe in Form der Influenza A eingefangen hatte. Super, super geil!

Verrückt auch wie man die Symptome sehr deutlich von einer normalen Erkältung unterscheiden konnte. Ich schleppte mich durch den Arbeitstag und nutze dann sowieso bereits geplante freie Tage, um mich zu erholen. Den Fußballasi Status habe ich spätestens mit dieser Aktion endgültig verspielt fürchte ich. Klar war: Verpassen möchte ich das Spiel nicht- kurz vor Weihnachten Leute zu gefährden ist aber auch nicht die feine englische Art.

Also wurde es ein einsamer Spieltag für mich. Erst kurz nach der Stadionöffnung setzte ich mich in den Regionalexpress nach Charlottenburg und fuhr dann per S-Bahn zum Stadion. Durch die Maske hoffte ich die Verkehrsmittel nicht zum Superspreader-Vehikel zu machen. Der Einlass war recht problemlos und ich nutzte dann ein Ticket aus der Spielzeit 2021/2022 mit fettem Bundesligalogo, um die Haupttribüne zu betreten. Ha Ho He! Dort suchte ich mir ein isoliertes Plätzchen. Ich wechselte noch zwei Mal hin und her und hatte schließlich mindestens zehn Meter in alle Richtungen Platz. Ein Hoch auf die Weite des Olympiastadions.

Es ist immer ein sehr merkwürdiges Gefühl die Kurve aus der Ferne und von außen zu betrachten. So alleine auf seinem Platz dreht das Gedankenkarussell gewaltig.

  • Was für ein Privileg sonst so weit unten im Herzen der Kurve stehen zu dürfen
  • Wie weit ist man davon entfernt die Kurve irgendwann zu verlassen?
  • Wie fühlt es sich an außerhalb der Kurve zu sitzen? (Scheiße!)

Das Karussell drehte sich munter weiter und ratterte von Themen der Kurve zur eigenen mickrigen Person. Grundsätzlich genoss ich an diesem Abend aber die Außenperspektive. Zu stolz war ich darauf es auch an diesem Abend ins Stadion geschafft zu haben.

Bielefeld wurde heute von circa 4.500 Anhängern begleitet. Der Unterring war gut gefüllt- während sich im Oberring ein paar Lücken auftaten. Schon vor dem Spiel konnte Bielefeld mit lauten Schlachtrufen auf sich aufmerksam machen. Auch in der Folge hatten sie wirklich sehr laute Momente. Ein bekanntes Lied wurde auch etwas lauter- ansonsten waren es vor allem die bekannten „Bielefeld“ und „Ostwestfalen“. Das war wirklich stark. Umso erstaunlicher, dass man diese Energie nicht über die 90 Minuten halten konnte, sondern bei den Liedern immer sehr schnell in ein Sing-Sang verfiel. Auch der Fahneneinsatz nahm sich immer mal wieder größere Pausen. Ein ordentlicher- aber auch etwas ungewöhnlicher Auftritt.

Die Ostkurve hatte heute nicht den besten Tag erwischt- wobei es immer schwer fällt die Kurve von außen zu kritisieren. Gerade durch die teilweise lauten Bielefelder hätte ich aber eine stärkere Gegenreaktion erwartet. Per Spruchband solidarisierte man sich im Bereich der Sportler und von HM mit den Stadionverbotlern, die jüngst leider dazu gekommen sind. Kämpfen Jungs! Zudem gab es Geburtstagsgrüße an die Ultra Boys aus Straßbourg! Ein weiteres Spruchband richtete sich gegen die Berliner Innensenatorin Spranger, die den angesetzten Dialog mit den Fanszenen abgesagte. So sieht die Dialogbereitschaft also aus. Lest Euch gerne die entsprechende Stellungnahme durch.

Auf dem Spielfeld setzte sich die rabenschwarze Phase weiter fort. Gegen nicht besonders starke Bielefelder zeigte man wieder keine besonders gute Leistung. Zumindest stand man hinten sicher. Durch einen tollen Angriff konnte man mit 1:0 in Führung gehen. In der Folge stellte man das Fußballspielen aber weitestgehend ein. Eine unberechtigte rote Karte gegen Leistner sorgte für zusätzliches Zittern. In der 96. Minute bekam man die Quittung und Bielefeld machte das 1:1. Fuck my life! Am Ende aber einfach nur gerechtfertigt, denn dieser Leitl-Fußball lädt diese Szenarien ein. Man darf gegen so eine Mannschaft wie Bielefeld auch einfach mal komfortabel führen.

Mit dieser Qualität im Kader so einen Fußball zu spielen ist nah am Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Genauso genervt war ich von der Körpersprache von Fabi Reese. Spielerisch hatte er ein etwas besseres Spiel heute- das konsequente Anmeckern der Mitspieler geht aber einfach für einen Kapitän überhaupt nicht klar. Auch das defensive Anlaufen wird dann in der entscheidenden Situation eben einfach mal nicht gemacht. Das nervt- umso mehr wenn die sportliche Leistung nicht mehr stimmt.

So geht es mit einer tiefen Ernüchterung in die Winterpause. Selbst mit diesem Sieg wäre man wirklich auf Tuchfühlung gegangen. So ist das Spiel gegen Schake gefühlt schon ein Endspiel. Ich wartete noch kurz den Gang der Mannschaft in die Kurve ab und verließ dann das Stadion. Das Nextbike erschien mir trotz der Umstände als die beste Option und so radelte ich in Zeitlupe zum S-Bahnhof Grunewald. Winterpause! Endlich Winterpause!

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