10.01.2026 Sintrense- GD Lagoa 1:2

Campeonato Portugal

Zuschauer: 220

Estádio do Sport União Sintrense: Sintra

Mit dem Fernbus fuhr ich in Lisboa Oriente ein. Ich hatte unter der Woche spontan noch meine Hotelbuchung geändert. Eigentlich hätte ich in Saldanha schlafen sollen- aber die Niedrigpreise in der Nebensaison bewogen mich dazu der alten Heimat der Alfama noch einmal einen Besuch abzustatten. Die Herausforderung an dem Standort ist die Erreichbarkeit. So ging es mit der Metro zu Martim Moniz und dann zu Fuß den Berg nach oben. Unmöglich in diesen Situationen nicht daran zu denken- wie ich im Jahr 2013 genau diesen Berg das erste Mal hochgelaufen bin und die Romanze mit Lissabon und Portugal seinen feurigen Anfang nahm.

Ich bezog schnell das Zimmer und schmiss die Sachen in die Ecke. Während manche Dinge gleichbleiben, ändern sich andere. Die Zeit ermöglichte nur noch eine Anreiseform und so bestellte ich mir ohne zu Zögern ein Uber in diese Gegend. Wir manövrierten uns aus der Mouraria und dann ging es im netten Gespräch mit dem kapverdischen Fahrer nach Sintra. Leider wurde ich an der falschen Seite des Stadions herausgelassen- aber auch so reichte es noch für eine komfortable Ankunft um 14:58 auf der Tribüne. Irgendwann ist das auch kein Zufall mehr- sondern vielleicht das größte Talent in meinem Leben (wenn auch ein nicht sehr hilfreiches…).

Ich nahm mein Plätzchen ein und die Sonne bestrahlte uns volle Dröhnung frontal. Raus aus der Jacke und so genoss ich einfach die Zeit. Alleine das ist auch ein Geschenk des Fußballs. Selbst auf der schönsten Parkbank der Welt, wäre ich vermutlich nach spätestens einer halben Stunde weitergegangen. So hielt ich einfach inne, ließ die Gedanken kreisen und freute mich meines Lebens. Das Stadion selbst war vergleichbar mit Albufeira. Eine große Tribüne, herrlicher Gammel und eine überragende Sicht auf das Schloss und die Burg in Sintra. Diese Aussicht war auf jeden Fall das Highlight des Spiels.

Es gab eine kleine Bar mit einem unsinnigen Jeton-System. Die Bifana war jedoch recht ordentlich. Die Cops machten keinen Stress mit dem Alkoholausschank- aber ein übermotivierter Security setzte mal mehr, mal weniger durch, dass das Bier noch im Bereich unter dem Mundloch getrunken werden darf. Warum man sich den Stress für 5,23€ pro Stunde antut, bleibt sein Geheimnis. Klar, dass mich diese Challenge reizte und so schaffte ich es mit dem Bier auch auf die Tribüne. Mein Gehirn ist so banal gestrickt.

Die Gäste aus der Algarve konnten einen Auswärtssieg einfahren. Taktisch diszipliniert- war das am Ende aber auch nicht unverdient. Die gut und gerne 25 mitgereisten Fans, feierten das im Anschluss mit den Spielern. Für Sintrense könnte es durchaus eng werden mit dem Klassenerhalt…

Für mich ging es nach dem Abpfiff noch in eine nahegelegene Taverne. Francesinha war zwar nicht die der Region angemessene Wahl- aber ich konnte nicht widerstehen. Dann ging es mit der legendären „Linha de Sintra“ zurück in den Glamour der Hauptstadt. Ich stieg bei Entrecampos aus und lief mit einigen Schlenkern durch Lissabon. Trotz der ganzen Veränderung löst die Stadt einfach immer noch etwas in mir aus. Kaum sonst wo, kann ich einfach durch die Straßen laufen oder bei den Miradouros sitzen und die Gefühle sprudeln nur so durcheinander. Lisboa, menina e moça da minha vida. Um das Klischee zu vervollständigen- fuhr ich dann sogar noch mit der 28 nach Hause.

Dort guckte ich dann noch die letzten Minuten des Ligapokalfinales zwischen Braga und Vitoria. Ein wahnsinnig, attraktives Duell, das auch zeitlich durchaus erreichbar gewesen wäre. Irgendwann kicken meine Hopperwerte dann aber doch rein. Ich hatte den gemeinsamen Boykott der Fanszenen im Vorjahr als wichtigen Schritt der Zusammenarbeit in Portugal gewertet. Umso trauriger machte es mich, dass die White Angels in diesem Jahr den Ligapokal wieder besuchten. Die Red Boys und Bracara Legion auf Seiten von Braga, sowie Insane Guys und Grupo 1922 trafen sich gemeinsam vor dem Stadion in Leiria für ein Foto samt Zaunfahnen und dem symbolischen Schulterschluss zur Fortsetzung des Boykotts. Respekt für diese Mentalität! Schade, dass die Größe der Geste gefühlt bei den normalen Fans in Portugal nicht wirklich ankam. Ultras- immer weiter nach vorne!

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