11.01.2026 FC Vilarinho- Boavista SAD 2:

Distrital Porto

Zuschauer: 320

Estádio Municipal de Vilarinho

Neuer Tag, neue Fernbusfahrt. Dieses Mal kam ich am Busbahnhof in Porto an und konnte meine Unterkunft zu Fuß erreichen. Ins Hotel eingecheckt, Sachen abgestellt und dann ging es wieder einmal per Uber zum Stadion. Ich war eigentlich recht komfortabel in der Zeit- aber der Fahrer entschied sich die Maut zu sparen und über die wildesten Dorfstraßen zu fahren. Mich überraschte es selbst ein wenig, wie ruhig ich blieb. Schlussendlich war sowieso alles egal, denn die Mannschaften liefen ohne erkennbaren Grund mit zwölf Minuten Verspätung ein. Das gab mir zumindest noch die Gelegenheit in der Stadionkneipe vorbeizuschauen und mich mit einem Schnitzelbrötchen, sowie einem Portwein zu stärken.

Genau 14 Minuten zu spät erfolgte dann der Anpfiff. Ich hatte mich für das recht weit entfernte Spiel in Vilarinho entschieden, da man den Ground vermutlich nicht viel besser als mit Boavista wird machen können. Boavista! Was für ein Drama. Zu Saisonbeginn hieß es, dass drei verschiedene Mannschaften angemeldet werden sollten. Boavista als Überbleibsel der ausgelagerten SAD- Boavista als Mannschaft des eingetragenen Vereins und eine Neugründung der Panteras Negras (PN- führende Ultragruppe bei Boavista). Schlussendlich gelang es der Mannschaft des Stammvereins nicht das nötige Geld zusammenzubekommen, um die Spieler „einschreiben“ zu dürfen. Völlig Banane, dass die Sanktionen für den Club gelten und die Mannschaft der SAD an den Start gehen durfte. Noch etwas unverständlicher, dass die Fahnen der PN bei diesem Spiel hingen und man somit anscheinend die Mannschaft der SAD unterstützt. Die eigene Mannschaft spielt in der niedrigsten Spielklasse und macht sportlich eine ordentliche Figur. Eine lustige Randnotiz, dass sie in der Liga gegen das wiederauferstandene Canelas spielen. Somit spielen eventuell die Ultras von Boavista und die Super Dragões gegeneinander- schon stark.  

Die Saison läuft sportlich überhaupt nicht gut. Die Mannschaft dümpelt sang- und klanglos am Ende der Tabelle herum. Mit nur neun Punkten aus 17 Spielen hat man die rote Laterne inne. Heute ging es gegen den direkten Tabellennachbarn aus Vilarinho. Trotz einer Führung, verlor Boavista am Ende die Partie noch mit 1:2. Die sehr junge Mannschaft von Boavista hatte sichtbare Probleme mit der Körperlichkeit des Männerfußballs.

Nach dem Anbringen der Fahnen, sangen die Boavista Fans vielleicht für eine Viertelstunde. Danach verfolgte man weitestgehend schweigend das Spiel. Ein wirklich trauriges Bild eines Traditionsvereins und seiner Fanszene. Am Montag kam dann die ernüchternde Nachricht, dass der Stammverein endgültig Insolvenz anmelden muss. Mal gucken, wie das alles weitergeht.

Während der Gästeblock etwas enttäuschte, war das Geschehen auf den Rängen ansonsten absolute Weltklasse. Zwar gab es keinerlei Support- aber es gab zahlreiche parallele Handlungsstränge, die für Unterhaltung sorgten. Es gab einen konsequenten Kleinkrieg zwischen der Pöbelfraktion und den örtlichen Dorfsherrifs. Der offensichtlich in Deutschland lebende Präsident von Vilarinho wurde ebenfalls lautstark und ausdauernd beleidigt. Als dann in der zweiten Halbzeit einer der Pöbler per Bier bestochen wurde und in die „Loge“ wechselte, brannte der Konflikt mit ungeahnter Intensität wieder aus. Hier war etwas los! Auch in der Vereinskneipe spielten sich tumultartige Szenen ab. Auch ich war mit meiner Bestellung kurzzeitig mittendrin.

Das Stadion war gewohnt solide- auch wenn auf Kunstrasen gespielt wurde. Die verspätete Anstoßzeit traf mich dann auf brutale Art und Weise, denn so war ein pünktliches Ankommen zum Doppler nicht mehr möglich. Zumindest timte ich meine Uber-Bestellung perfekt und rannte mit dem Abpfiff heraus und sprang ins Auto…

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