24.01.2026 Karlsruher SC- Hertha BSC 2:2

2. Bundesliga

Zuschauer: 32.190

Wildparkstadion: Karlsruhe

Ziemlich ungeplant reiste ich aus Bonn nach Karlsruhe. Der Donnerstag war ein kompletter Film und de facto fungierte ich als Standesbeamter. Was für Geschichten das Leben doch manchmal schreibt. Meine Zugbindung war einmal mehr aufgehoben und ich wollte keine Minute zu viel in Bonn verbringen. Also raste ich spontan mit dem Nextbike dem ICE hinterher. Der Plan ging auf und so war ich bereits zur Mittagszeit in der Fächerstadt. Ich nahm in einem Wirtshaus noch schnell einen Mittagstisch zu fanfreundlichen Preisen mit und bezog dann meine grundsolide Unterkunft. Der Freitag verbrachte ich dann ganz entspannt und mein Körper meldete großes Interesse an das Schlafdefizit ein wenig aufzuholen. Das ging erstaunlich gut auf und so startete ich auch am Spieltag selbst eher gediegen mit einem späten Frühstück in einem netten Café in den Tag.

Dann ging es zu Fuß durch den Schlossgarten zum Stadion. In solchen Momenten bekomme ich immer ein Stück weit Kleinstadtsehnsucht. Es ist einfach so schön zu sehen, wie die gesamte Stadt hinter dem KSC steht. Die Lage des Stadions führt dazu, dass ein Großteil der Zuschauenden zu Fuß zum Stadion pilgert. Dieses Gefühl in der Menschenmenge zum Stadion zu laufen ist unbeschreiblich. Auch die besondere Beziehung zwischen den beiden Vereinen führt zu einem extrem angenehmen Erlebnis. Durch die Abwesenheit in China war es für mich das erste „Freundschaftsspiel“ in Karlsruhe und ich genoss die Atmosphäre sehr.

Ich traf den Südberliner, der auf rotzfreche Art und Weise geparkt hatte. Wir genossen noch eine Spezi in der Sonne und nutzten dann die genialen Begebenheiten, um direkt an der Heimkurve das Stadion zu betreten. Wir gingen dann sogar noch kurz in die Kurve und umrundeten dann das Stadion, um zum Gästeblock zu gelangen. Das war schon ziemlich einzigartig. Vor dem Block trafen wir dann noch Tschernie und ein paar weitere Gesichter und verquatschten bei einem Getränkchen ein wenig die Zeit. Im Gästeblock strahlte uns dann die Sonne aus voller Kraft an, sodass es sich ein bisschen wie Frühsommer anfühlte. Absolut herrlich.

Schon früh war klar: Diesen Tag kann eigentlich nur Hertha versauen. Merkwürdigerweise spielten beide Mannschaften in der ersten Halbzeit auf ihre jeweiligen Kurven. Die Gegengerade Karlsruhe verbreitete mit ihrer Choreo lateinamerikanische Stimmung. Mit Plastikbahnen, Regenschirmen und Luftballons wurde ein ansprechendes Intro gezeigt. In der Folge war die Solidarität der Karlsruher absolut beeindruckend. Mit einer wahren Flut an Spruchbändern wurde den Verletzten schnelle Genesung gewünscht, der Ostkurve Kraft ausgesprochen und Unmut über die Staatsgewalt geäußert. Danke Gegengerade! Es fühlt sich wirklich gut an diese Solidarität zu spüren. Ein riesiges Dankeschön an dieser Stelle auch an die weiteren Kurven, die sich mit uns solidarisierten. Ich tippe diese Zeilen noch am Samstagabend im Zug und bin dadurch vermutlich nicht vollständig. Dennoch ein riesiges Dankeschön an die Fanszenen aus München, Nürnberg, Mainz und Darmstadt. So etwas bedeutet einfach so unfassbar viel und ist wirklich das Besondere an Deutschland.

Die Ostkurve zeigte einen ansprechenden Auswärtsauftritt. Ein Stück weit merkt man diese Freundschaftsspiele schon. Gerade gegen Ende der Partie, rissen wir uns aber noch mal ordentlich zusammen und konnten eine beachtliche Lautstärke erreichen. Auch auf unserer Seite gab es wenig überraschend Spruchbänder zum Polizeieinsatz am Freitag. „Diese Kurve lässt sich nicht brechen- solidarisch und entschlossen gegen Polizeigewalt“ Richtig schön zu sehen, dass einige Betroffene vom Samstag heute wieder im Block waren. Ihr kriegt uns nicht klein! Nach dem Abpfiff wurde noch das bekannte „Bullenhass“ Spruchband gezeigt, das wenige Minuten später in der Gegengerade auftauchte. Auch bei diesem Mal gab es wieder Material der Gruppen in den gegenüberliegenden Kurven. Was für eine Freundschaft! Auch nach dem Abpfiff zelebrierten beide Seiten dieses Bündnis noch ausdauernd. Auf den Rängen war das wirklich ein absolut schöner Tag.

Auf dem Rasen war der Eindruck leider weniger positiv. Hertha fand nicht so richtig in die Partie und kassierte bereits nach sieben Minuten das 1:0. Nach einem Fehler des KSC im Spielaufbau konnte Hertha schnell schalten und Reese erzielte den Ausgleich. Kurze Zeit später konnte der KSC jedoch durch ein Traumtor erneut in Führung gehen. Hertha blieb merkwürdig passiv und spielte nicht wirklich furios. Man merkt, dass der Mannschaft mit Ball viel zu wenig einfällt. Ein altbekanntes Problem unter Leitl und so richtige Fortschritte scheint man da einfach nicht zu machen. Erst mit der Einwechslung von Kownacki und Dudziak setzte sich Hertha vorne fest und kam verdient durch Dudziak zum Ausgleich. Dank erneutem Chancenwucher (Schuler- Alter!) blieb es am Ende beim 2:2. Das ist einfach zu wenig und so ist es das vierte Remis in Folge. Ich stehe also seit vier Spielen bei einer genau ausgeglichenen Bilanz in der ewigen Hertha Tabelle. Ich hätte nichts gegen einen Sieg, Jungs!

Ich hatte aus irgendwelchen Gründen einen recht späten Zug gebucht und haderte ziemlich mit der Entscheidung. Als ich dann auch noch erfuhr, dass ich alleine würde fahren müssen (Danke Tschernie) hielt sich meine Lust sehr in Grenzen. In der Halbzeit gelang mir dann ein sneaky Move. Ich hatte noch reichlich Bahn Bonus Punkte- allerdings waren alle attraktiven Verbindungen nicht mehr buchbar. Es gab jedoch eine massiv verspätete Verbindung, die buchbar war. Meine Hoffnung bestätigte sich, denn als das Ticket einflatterte, war sofort die Zugbindung aufgehoben. Beste Leben! So hatte ich de facto meinen Flexpreis und erwischte einen recht frühen ICE und kann dadurch darauf hoffen zwei Stunden früher zu Hause zu sein. Ein absoluter Big Point! Grüße aus dem ICE und bald kann ich hoffentlich mal wieder von einem Sieg berichten.  

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