3. Liga
Zuschauer: 2.966
Dietmar Hopp Stadion: Hoffenheim
Der Start in den Tag war heute angenehm entspannt. Ein guter und langer Schlaf, ein ausgiebiges Frühstück mit Blick auf den Heidelberger Marktplatz und dann sogar noch ein bisschen Bewegung. Dann gönnte ich mir noch einen Café und machte mich auf den Weg zum S-Bahnhof Altstadt. Das passte ganz wunderbar und kurze Zeit später stieg ich in die S-Bahn, die mich nach Hoffenheim bringen sollte. Unangenehme Überraschungen blieben aus- was unter anderem daran lag, dass die Fanszene von Hansa Rostock mit dem Sonderzug nach Hoffenheim reisen sollte. Merkt Euch dieses Detail, denn das wird noch relevant werden.
Am Bahnhof quatschte die Staatsmacht dann wirklich jede einzelne Person und sortierte Heim- von Auswärtsfans. Ich ging glaubwürdig genug als bäuerlicher Depp durch und durfte mich auf den Weg zum Heimeingang machen. Auf dem Weg gabelten mich noch zwei orientierungslose Dudes auf, denen ich den Weg wies und mit denen ich den Berg hochkraxelte- ehe sich am Eingang die Wege trennten. Die beiden kauften entspannt ihre Eintrittskarte, während ich mit meinem Wochenendrucksack an der Einlasskontrolle scheiterte. Bereits bei Stuttgart II hatte ich diese Ängste- mittlerweile gibt es aber eigentlich recht zuverlässig Abgabemöglichkeiten. Man sollte meinen vor allem, wenn man in einem Kaff spielt- in dem es eben auch am Bahnhof keine Schließfächer gibt, dann sollte das schon fast eine Lizenzauflage sein. Der erste Tipp war den Rucksack im Auto zu lassen (Danke!), der zweite Tipp war der aggressive Verweis auf die Stadionordnung.
In solchen Momenten braucht es wirklich viel Selbstbeherrschung, um nicht in die Luft zu gehen. Ich guckte mich ein bisschen um und schlug dann den Weg auf den Parkplatz ein. Genau in diesem Moment lief mir der Security die ganze Zeit hinterher. Ich tippe zum Wasser lassen- aber einen schlechteren Zeitpunkt hätte es wirklich nicht geben können. Also immer weiter, bis ich endlich ungesehen war und mich in das Unterholz des glücklicherweise vorhandenen Waldes schlagen konnte. Ich korrigierte den Standort noch etliche Male und experimentierte sogar mit einer Laubdecke. Ich habe genug Asterix und Obelix für diese Momente geguckt.
Irgendwann war ich dann ausreichend sicher, dass den Rucksack niemand würde finden können. Der Haken an der Sache war nun, dass ich mir wirklich komplett die Beine an den Dornen aufriss und auch meine Hose nach Waldkuscheln aussah. Man ey! Aber gut! Der Preis eines Verlustes wäre nicht nur mit Blick auf den Firmenlaptop ziemlich bitter gewesen. Drecksverein!
Mit bösen Blicken für den Ordner ging es dann hinein und es war erstaunlich wie viele Hansa Fans auch auf der normalen Tribüne zu finden waren. Dass war beispielsweise beim Spiel gegen Stuttgart II noch anders gewesen. Ich hatte keine Lust diesem Konstrukt noch durch Konsum Geld in den Rachen zu werfen und die Schlangen waren auch einigermaßen desolat. Also ging es direkt auf meinen Platz.
An diesem Wochenende war das erste Spiel nach dem 20-jährigen Jubiläum der Stendal-Randale. Nach einer Spielabsage in Braunschweig kam es im Jahr 2006 am Umsteigebahnhof in Stendal zu Randale und heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dementsprechend war die Sonderzuganreise heute sicher kein Zufall (wenn auch eine WET-Tour krasser gewesen wäre) und kundige Stimmen (ich hatte natürlich keinen blassen Schimmer) eine optische Aktion erwartet. So kam es dann auch und am Zaun wurde ein riesiges „Zwanzig Jahre Stendal Randale“ gezeigt. Dazu gab es in der Mitte des Blockes eine Visualisierung eines brennenden Polizeiautos und eines Polizisten mit Schutzschild. Dazu wurden in orangenen Bombern Fackeln und schwarze Rauchtöpfe angeschmissen, die aufgrund des Windes eine krasse Rauchentwicklung hatten. Sicher werden die meisten heutigen Aktiven damals noch nicht dabei gewesen sein. Irgendwie crazy, dass dieses Ereignis gefühlt einen riesigen Stellenwert in der Geschichte der Rostocker Fanszene einnimmt und so erinnert wird.
In der Folge muss man einfach anerkennen, dass das ein bärenstarker Auswärtsauftritt war. Die gesamte Hintertortribüne und Teile der Haupttribüne machten geschlossen mit. Das Zaunfahnenbild war herausragend und auch Teile des Liedguts gefielen mir heute gut. Wieder gab es keine einzige Schwenkfahne. Bis auf das geschichtsträchtige Datum war das ja auch eine absolute Sinnlos-Auswärtsfahrt. Dort so aufzutischen und aufzutreten war wirklich beeindruckend.
Hansa war ziemlich eiskalt und konnte mit 0:2 in Führung gehen. Das Spiel war eigentlich gelaufen- aber sie ließen Hoffenheim wieder ins Spiel und auch der Schiri tat mit einem harten Elfmeterpfiff das Seinige dazu. So hieß es am Ende 2:2. Bitter für die Hansas.
Obwohl es 15 Grad wärmer war als in der letzten Woche, fror ich mich irgendwie den Arsch ab und spätestens ab der zweiten Halbzeit fieberte ich trotz des attraktiven Auswärtsauftritt dem Abpfiff entgegen. Immer wieder checkte ich auch die DB-Navigator App um irgendein Wunder beobachten zu können. Dieses blieb aus und so machte ich mich mit dem Abpfiff auf den Weg zum Rucksack (Grüße!) und dann zum Bahnhof. Die S-Bahn sollte einfahren- nur leider kam auf dem geplanten Einfahrtsgleis plötzlich der Rostocker Sonderzug angefahren, der an Hoffenheim vorbeifuhr, um dann zu wenden. Digger!
Das führte dazu, dass unsere S-Bahn 15 Minuten später kam. Ich wurde immer nervöser, denn immer mehr Rostocker fanden sich auf der anderen Seite der Gleise ein. Als dann auch noch ein Gleiswechsel kam, war der Supergau da. Der Weg war durch eine geschlossene Schranke abgesperrt. Uns S-Bahnfahrern war jetzt alles egal und unter den Augen der Polizei krochen wir unter der Schranke hindurch, um dem Zug hinterherzurennen. Auch der Spießrutenlauf durch die Hansafans blieb ohne Folgen. So viel Stress für mein armes Herz! Der anvisierte Umstieg war dadurch hinfällig und ich fuhr bis Heidelberg weiter. Plötzlich (ich schwöre ich habe davor mindestens 12 Mal geguckt) tauchte plötzlich ein EC ab Mannheim auf, der mich früher nach Hause hätte bringen können. So fieberte ich in der verspäteten S-Bahn mit und sah dann in Mannheim den Zug wegfahren. Man, war das bitter! Mit dem geplanten Umstieg hätte das geklappt. Danke Hansa!
So sitze ich jetzt im ICE und werde hoffentlich gegen Mitternacht das Zuhause erreichen. Endlich die dritte Liga komplettiert und nun bitte nie wieder in dieses Stadion müssen.








