08.03.2026 Preussen Münster- Hertha BSC 1:2

2. Bundesliga

Zuschauer: 10.642

Preußenstadion Münster

Ich war wieder einmal ziemlich wild unterwegs bei der Zugbuchung. Ich wurde den Eindruck nicht los, dass meine Unlust im Unterbewusstsein zu einer Risikoneigung bei der Verbindungsauswahl führte. Der erste positive Effekt meiner Risikofreude war die sehr humane Aufstehzeit für ein Auswärtsspiel. So konnte ich sogar noch etwas Zeit am Vormittag mit dem Mini-Ha Ho He verbringen, ehe es dann nach Berlin ging. Ich tauschte noch schnell einige meiner geradelten Kilometer gegen einen Kaffee ein und dann ging es in den leicht verspäteten Zug. Früh kam die Hiobsbotschaft, dass aufgrund eines technischen Defekts nur maximal 180 KM/H machbar waren. Das heißt es würde knapp werden. Ich versuchte mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und die Fahrt zu genießen.

Mit Blick auf die ungünstigen Rahmenbedingungen war die Ankunftszeit um 12:44 am Münsteraner Hauptbahnhof noch grundsolide. Keine der möglichen Anreiserouten überzeugte mich und ich hatte nach dem Spiel in Elversberg eine noch größere Lust auf die Punktlandung verspürt. Also schmiss ich das Navi an und die Ankunftszeit zu Fuß zeigte 13:57 an. Challenge accepted! Ich steckte alles in meine Beine und hätte wohl selbst beim olympischen Gehen nicht schlecht ausgesehen. Da ich durch eine fremde Stadt lief, war auch das Ausziehen der Jacke keine Option, sodass doch die eine oder andere Schweißperle auf meine Stirn wanderte.

Es gibt jedoch kaum ein schöneres Gefühl als Minute um Minute von der Google Maps Uhr abzuknabbern. Ich rechnete fest mit einer fehlenden Schlange am Einlass und wurde belohnt. Um 13:26 erreichte ich den Einlass, gab noch schnell meinen Beutel ab und kam dadurch letztendlich sogar ohne jegliche Kontrolle in das Stadion. Wild! Mit letzter Kraft schlängelte ich mich durch den Sitzplatzbereich und quetschte mich mit einer Mischung aus Verzweiflung, Dreistigkeit und Süße auf ein Miniplätzchen. Tschernie abgeklatscht, der es mal wieder nicht fassen konnte, wie so ein beschissener Plan aufgehen konnte. Pünktlich zum Anpfiff und zum Einhaken drin! Was für ein Gefühl!

Die Blockaufteilung war heute ein bisschen anders als beim Pokalspiel. Hauptstadtmafia und die Sportler hatten sich im Sitzplatzbereich positioniert, sodass optisch und akustisch der Stimmungskern verbreitert wurde. Mit Blick auf die Stimmung war das eines unserer besseren Auswärtsspiele. Über weite Teile war das sehr ordentlich und mit dem Siegtreffer in der letzten Sekunde brachen dann alle Dämme und die Gesänge knallten aus dem Gästeblock.

Die Münsteraner mussten sich ein weiteres Mal im provisorischen Heimbereich einfinden. Die Münsteraner Szene hat massiv mit Stadionverboten zu kämpfen und zeigte daher zu Beginn des Spiels ein Spruchband mit der Aufschrift: „Chuj w dupę policji“. In der Folge fand das Akronym auch für einige Minuten den Weg an den Zaun. Wie polnisch ist Münster? Schon sehr! Zusätzlich wurden noch einige Rauchtöpfe angerissen, die jedoch eher verloren, wirkten und etwas untergingen. Da war das Intro in der vergangenen Saison gegen uns weitaus beeindruckender. In der Folge war das ein solider Auftritt. Hängen bleiben wird jedoch die Aktion gegen den Videoschiedsrichter. Als sich der Unparteiische die Szene am Bildschirm angucken wollte, sprangen zwei vermummte Münster Fans in den Innenraum und zogen den Stecker des Bildschirms. Perfekt getimet folgte der Sprung zurück in den Gästeblock. Der Schiri guckte minutenlang auf den schwarzen Bildschirm- während im Heimbereich das Spruchband „Dem VAR den Stecker ziehen“ gezeigt wurde. Eine absolut überragende Aktion, die tadellos umgesetzt wurde. Völlig zu Recht wurde diese Protestaktionen gefühlt weltweit wahrgenommen. Ein kleines Selbstlob darf nicht fehlen, da ich gefühlt als einziger im Gästeblock in Echtzeit mitbekam, was geschah.

Der Videobeweis führte zu einem Elfmeter für uns und Resse brachte uns 0:1 in Führung. Direkt nach dem Wiederanpfiff, pennte Hertha einmal mehr nach einer Ecke und kassierte das 1:1. In der Folge gab es Chancen auf beiden Seiten. Gegen Ende der Partie war eher Münster am Drücker. Nach einem katastrophalen Fehlpass konnte der eingewechselte Lum den Ball nach vorne passen. Schuler wurde umgerannt und machte unfreiwillig den Weg für Marten Winkler frei. Dieser blieb cool und schoss den Ball überlegt in die lange Ecke. Trotz des potenziell bedeutungslosen Sieges war der Torjubel wirklich cool und ein schöner Moment.

Dementsprechend gab es auch nach dem Abpfiff eine kleine Siegesfeier und beseelt ging es nach draußen. Dann folgte der größte Fehler des Tages, denn spontan stieg ich mit einem Bekannten in den Shuttlebus zum Hauptbahnhof. Wir standen ungelogen 20 Minuten in dem völlig überfüllten Bus und ich merkte einmal mehr, dass ich nicht für Hertha Kutten gemacht bin (Ich habe in der Umfrage das Feedback an meiner fiesen Haltung gelesen- I am sorry!). Vielleicht muss hier mal das Klischee bedient werden: It is totally not them- it is me! Als wir uns endlich in Bewegung setzten, fuhren wir den größtmöglichen Umweg auf die Rückseite zum Hauptbahnhof. Diese 45 Minuten waren pure Folter und ich bin selber schuld, dass ich nach all den Jahren beim Fußball immer noch so blöd bin.

Immerhin wurde der Fehler nicht so richtig bestraft, denn ich verpasste keine Verbindung. Dank einer Goldmedaille bei den Paralympics am Vortag, konnte ich einen früheren Zug nehmen. In Hamm am Hauptbahnhof wurde meine Döner-Vorbestellung vergessen, sodass ich letztlich ohne Proviant den ICE bestieg. Also sattelte ich spontan um und gönnte mir eine Currywurst und einen Freigetränk Gin-Tonic (Danke für den Tipp!) im Bordrestaurant. Danach hatte ich Glück noch einen Sitzplatz zu finden und zu einer humanen Zeit war die Auswärtsfahrt auch schon wieder vorbei. Mein 350. Spiel mit Hertha BSC!

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