WM-Qualifikation
Zuschauer: 20.113
Štadión Tehelné pole: Bratislava
Der Weg zum 500. Stadion war ziemlich steinig und aufgrund zahlreicher Variablen schwer planbar. Auch durch die privaten Entwicklungen, kristallisierte sich für mich heraus, dass ich einen kleinen Ausreißer nach Osteuropa machen wollte, um etwas Ablenkung zu finden. Erst durchstöberte ich die Spielpläne im Balkan- war jedoch nicht wirklich glücklich mit den Optionen. Die Konstellation in Bratislava, Wien und Budapest überzeugten mich dann so sehr, dass ich nicht mehr lange überlegen musste. Ebenfalls sehr positiv war, dass ich die Hinfahrt mit dem Zug bestreiten konnte. So ging es recht früh am Morgen los und zunächst mit dem Zug nach Prag.
Das erste Klasse-Upgrade kostete im Buchungsprozess nur 20 Euro und da ich an dem Tag noch mobil arbeiten musste und ja schließlich ein Jubiläum anstand, entschied ich mich reinen Gewissens für den kleinen Luxus. Das zahlte sich definitiv aus, denn die Fahrt war wirklich extrem angenehm. Wir sammelten leider einige Minuten an Verspätung ein und ich befürchtete bereits meinen Umstieg in Prag zu vergeigen. Der Zugbegleiter versicherte mir dann jedoch, dass er auch in den Zug müsse und der Umstieg somit gesichert sei.
Als ich in Prag ankam, sah ich den Zug noch auf der Tafel und lief zügig zum Gleis. Am Horizont sah ich ihn dann noch entschwinden. Schönen Dank auch! Die Wartezeit nutzte ich für einen kleinen Spaziergang durch das Bahnhofsviertel und dann ging es mit einem Eurocity weiter in die tschechisch-slowakische Grenzregion. Um dem deutschen Klischee zu entsprechen, ging ich natürlich in das Bordrestaurant und vertilgte zum Mittagessen ein Schnitzel. Auch in der tschechischen Bahn wird leider nur noch auf ausgewählten Strecken gekocht. Lecker war es trotzdem und auch die Fahrt verlief weiter entspannt.
Bei furchtbarem Wetter erreichte ich Breclav und musste dort auch noch einmal ein wenig Zeit herumkriegen. Dann kam endlich der letzte Zug und brachte mich nach Bratislava. Auch dort erwartete mich eine Mischung aus Regen und teils starken Windböen. Zu Fuß erreichte ich mein Hotel, bezog das Zimmer und nach einer kurzen Pause wagte ich mich wieder nach draußen. Ich warf noch einen kurzen Blick auf die Kosovo-Fans, die gerade die Shuttlebusse zum Stadion bestiegen und stimmte mich dann schon einmal stilvoll auf mein Jubiläum ein. In einer wirklich coolen Skybar trank ich einen herausragenden Cocktail und wankte ziemlich angezählt aus der Bar. Ein herzhaftes Abendessen reduzierte die Umdrehungen wieder ein bisschen und kurze Zeit später betrat ich die Straßenbahn, die mich zum Stadion brachte.
Dort herrschte dann gewaltiger Trubel und die Einlasssituation war ziemlich chaotisch. Es war nur ein Eingang geöffnet und so herrschte ein irres Geschiebe. Auch ich schob mich fälschlicherweise zunächst in eine Sackgasse, um dann vor einem geschlossenen Eingang zu stehen. Das war nicht gut gemacht und kurz vor einer Massenpanik. Am Einlass war ich etwas nervös. Ich hatte zunächst einen „Voucher“ über die slowakische Buslinie gekauft. Um diesen in ein Ticket umzuwandeln, brauchte man eine slowakische Handynummer. Die Hürde übersprang ich recht problemlos- danke an dieser Stelle! Am Eingang redete der Ordner dann aber auf mich ein und wiederholte immer wieder das Wort „Chip“. Schlussendlich wies er mich zu den Cops, die einen Blick auf meinen Pass werfen wollten. Sie guckten aber nicht einmal richtig drauf und winkten mich dann sofort durch. Naja…
So richtig sinnvoll war die Kontrolle nicht, denn beim Betreten des Stadions wurde deutlich, dass zahlreiche Kosovaren die neutralen Bereiche bevölkerten. Schlussendlich waren es bestimmt 5.000 Leute, die es mit dem Kosovo hielten. Im Gästeblock hingen einige Fahnen und für ein Länderspiel war der Support wirklich anständig. Überall im Rund konnte man weitere Kosovo- und Albanienflaggen erspähen. Es machte wirklich Spaß die Begeisterung für dieses vergleichsweise junge Land mitzuerleben.
Die Slowakei Fans hatten akustisch das Nachsehen. Bis auf einzelne Sprechchöre kam kaum Stimmung in das Stadion. Zu Beginn der Halbzeiten gab es jeweils kleine optische Aktionen in Form von Blockfahnen.
Das Spiel war der absolute Oberhammer und es ging hin und her. Kosovo hatte eine absolute Alpha-Ausstrahlung und machte zu jeder Sekunde klar, dass sie das Spiel hier heute gewinnen würden. Trotz der bescheidenen Leistung konnte die Slowakei zwei Mal in Führung gehen. Mit einem wirklich schmeichelhaften 2:1 ging die Slowakei in die Halbzeit. In der zweiten Halbzeit riss der Kosovo das Spiel dann an sich und konnte die Partie drehen. Schnell war die Messe mit dem 2:4 gelesen. Die Slowakei konnte in der Nachspielzeit noch einmal verkürzen- aber schlussendlich blieb es bei dem 3:4 Auswärtssieg.
Die Jubelszenen zwischen Fans und Mannschaft waren krass und wirkten wahrhaftig. Der gesamte Spielbesuch machte einfach Spaß- so viel Spaß hatte ich bei einem Länderspiel glaube ich noch nie. So war es auch ein wirklich würdiger Rahmen für mein 500. Stadion. Das Stadion an sich war ein funktionaler Neubau, der vor allem durch das imposante Hochhaus im Hintergrund aufgewertet wird. In einem der oberen Stockwerke guckten auch zwei Leute auf einem Premium-Platz das Spiel.
Recht entspannt ging es mit der Straßenbahn direkt bis zu meinem Hotel, wo ich noch das Weiterkommen der Bosnier im Elfmeterschießen gucken konnte. Dann ging es in den wohlverdienten Schlaf und ich träumte von den nächsten 500 Stadien. Vielen Dank an alle Gratulanten und einen lieben Gruß an Vudi Röller. Schade, dass es nicht mit dem gemeinsamen Jubiläum geklappt hat. Die Feier holen wir nach!











