Freundschaftsspiel
Zuschauer: 40.200
Ernst-Happel Stadion: Wien
Ich war untypisch entspannt und als Kollateralschaden auch etwas unorganisiert bei meiner Abreise aus Bratislava. So stolperte ich von Café zu Café und schaffte es dann doch irgendwann in einen Zug nach Wien. Am Nachmittag erreichte ich meine Unterkunft, die mit Blick auf das Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar war. Das fühlte sich wie 2008 an. Das Wetter war einmal mehr miserabel und penetranter Regen schlug mir frontal ins Gesicht.
Nach einer kleinen Pause in der Unterkunft ging es wieder los und ich verwarf schnell den Plan den ganzen Weg zum Stadion zu laufen. So ging es mit der U-Bahn zum zentralen Stephanplatz. Mein letzter Aufenthalt in Wien ist auch schon wieder zehn Jahre her, sodass ich kurz die Pracht der Gebäude auf mich wirken ließ. Dann ging es zu Fuß in Richtung Ernst-Happel Stadion, das wunderbar im Prater liegt. Trotz des schlechten Wetters war die Anreise malerisch.
Vor einigen Jahren hatte ich einmal eine große Geschichte des Ballesterers zum Ernst-Happel Stadion gelesen und war seither von der Idee eines Spielbesuchs fasziniert. In dem Stadion spiegelt sich europäische Geschichte mit all seinen Irrungen, Wendungen und Grausamkeiten. Das Stadion wurde im Jahr 1931 anlässlich der Arbeiterolympiade eröffnet und war nicht primär für den Fußball konzipiert. In einem ersten Fußballspiel klatschte die österreichische Nationalmannschaft Deutschland mit 5:0 weg. Die Nationalsozialisten nutzten das Stadion dann auch für ihre Grausamkeiten und missbrauchten das Stadion im September 1939 unter anderem als Sammelstelle für Deportationen. Am Kriegsende war das Stadion gezeichnet und wurde Schritt für Schritt wieder aufgebaut.
1959 war das Stadion nach der Erweiterung des dritten Ranges mit 90.000 Plätzen eines der größten in Europa. Kurze Zeit später wurde die Kapazität jedoch durch die Umwandlung von Stehplätzen in Sitzplätze auf 70.000 reduziert. Zudem bröckelte die Substanz in den folgenden Jahrzehnten zunehmend. 1986 kam es zu einer weiteren Generalsanierung, die dem Stadion das ikonische Dach verschaffte. Das Stadion hat viele große Spiele gesehen- unter anderem von Rapid und Austria im Europapokal, das EM Finale 2008 und weitere Spiele der österreichischen Nationalmannschaft. Auch heute noch trägt die österreichische Nationalmannschaft seine Länderspiele hier aus. Regelmäßig schwappen Debatten rund um ein neues Nationalstadion auf. Es bleibt zu hoffen, dass es dazu nicht kommt, denn das Ernst-Happel Stadion ist ein Stadion mit Seele und ein echtes Unikat.
Der Einlass war recht unkompliziert. Ich glaube strategisches Anstehen ist mein größter Skill im Leben. Dann nahm ich meinen Platz im dritten Oberring ein und genoss diesen Kracherbau. Österreich hat auch nach dem Rückzug der Hurricanes nach wie vor eine aktive Unterstützerbasis. Hinter dem Spruchband „Von Bregenz bis nach Wien- Ganz Österreich steht hinterm Team“ wurde ein Fahnenmeer gezeigt. Auch auf den Geraden gab es von einem Sponsoren verteilte Fahnen zu sehen. Die Unterstützung im Anschluss war für ein Länderspiel gut- aber nicht besonders originell. Wenn sich das ganze Stadion erhob, dann ergab sich durch das Knallen der Stühle eine legendäre Geräuschkulisse.
Spielerisch schoss Österreich Ghana mit 5:1 vom Platz und zeigte eine wirklich beeindruckende Leistung. Die Kälte und der Regen setzten mir mit fortlaufender Spieldauer zu und ich war froh als irgendwann der Abpfiff ertönte und ich in die U-Bahn flüchten konnte. In einem Heurigen verspeiste ich noch ein Schnitzel und beendete kurze Zeit später den Abend.







