27.04.2024 Casa Pia AC- GD Chaves 3:1

Portugal Primeira Liga

Zuschauer: 1.044

Estádio Municipal de Rio Maior

Hier sehen Sie den eigentlichen Grund für den Mietwagen: Casa Pia ist gezwungen seine Heimspiele in Rio Maio auszutragen. Wenn man mit dem Fernbus in Portugal drei Mal umsteigen muss, um Rio Maior zu erreichen, dann weiß man, dass Rio Maior nicht das urbanste Zentrum des Landes ist. Die eigentliche Spielstätte von Casa Pia, das Estádio Pina Manique, das ich im Jahr 2018 besucht hatte, ist nicht für die Austragung von Erstligaspielen zugelassen. 2018 war Casa Pia noch in der vierten Liga- nun kickt man in Liga 1. Im letzten Jahr konnte man immerhin noch in das Nationalstadion in Lissabon ausweichen- aber selbst das Nationalstadion hat in diesem Jahr keine Lizenz für die Austragung von Erstligaspielen erhalten. Es gehört zu den Absurditäten des portugiesischen Fußballs, dass das Pokalfinale dennoch dort ausgetragen werden kann.

Ich hatte mein Portemonnaie zu Hause vergessen und so machte ich in Rio Maior erst einmal einen Stopp bei meiner Lieblingssupermarktkette. Durch die ganzen besuchten Fußballspiele hatte ich nämlich auf meiner Karte etwas Guthaben, sodass ich auch ohne Bargeld nicht verhungern und verdursten musste. Kurze Zeit später stellte ich dann das Auto ab und lief zu Eingang 4, der auf meiner Eintrittskarte stand. Dieser war verbarrikadiert und so gab es eine peinlich berührte Konversation mit einem Pärchen, das ebenfalls seine Karten bei Continente gekauft hatte. Am eigentlichen Heimeingang kamen wir dann aber rein. Bei der Kontrolle musste ich meine Packung Nüsse zurücklassen (Ich durfte sie nach Abpfiff wieder einsammeln) – konnte aber mein Wrap mitreinschmuggeln, was in Anbetracht meines Hungers eine gute Ausbeute war.

Das Zuschaueraufkommen war überschaubar und so konnte ich mir entspannt einen Platz sichern. Nach einer Weile stellte sich heraus, dass sich die Fanlager durchaus mischten und einige Chaves Fans im Heimbereich saßen. Somit kam es dann auch zu den fast obligatorischen Techtelmechteln und fast zu Handgreiflichkeiten rund um die Halbzeit. Die Security interessierte das aber mal so überhaupt nicht. Und so brauchte es tatsächlich den Pausentee, um die Gemüter zu beruhigen.

Ihr habt es also richtig gelesen- ich sah heute wirklich das dritte Spiel von Chaves in Serie. Nach dieser Partie war ich aber wirklich endgültig therapiereif. Mittlerweile kannte ich fast alle Spieler und deren wenigen Stärken und zahlreichen Schwächen. Die Partie mit überschaubarem Niveau endete mit 3:1 für Casa Pia und somit ist Chaves mit einem Bein in der zweiten Liga.

Support gab es auf beiden Seiten nicht und es machte auch nicht den Eindruck, dass viele Fans es ernsthaft mit Casa Pia hielten. Ein eher trauriger Rahmen für ein Erstligaspiel. Das Stadion wurde 2003 eröffnet und bietet Platz für 7.000 Leute. UD Rio Maior trägt hier seine Heimspiele aus- ansonsten war es auch für Sporting B und für UD Vilafraquense bereits die Ausweichspielstätte. Ganz normales Ding- nichts was einen zum Schwärmen bringt.

Somit war dann aber der vermutlich am schwierigsten zu erreichende Ground der ersten Liga aus dem Weg geräumt. Das eigentliche Highlight war aber der Rückweg. Durch Zufall fuhr ich einige Kilometer hinter dem Mannschaftsbus von Sporting, der die Mannschaft zum Auswärtsspiel nach Porto brachte. Dadurch konnte ich Fahnen, Pyros und Gesänge auf zahlreichen Autobahnbrücken bewundern und mir vorstellen der ganze Zirkus wäre für mich. Das eine oder andere Mal drückte ich auch mit voller Kraft auf die Hupe und wurde ebenfalls bejubelt. Ein unverhofft schöner Abschluss eines Ausritts in die Prärie.

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