28.04.2024 FC Porto- Sporting Clube de Portugal 2:2

Portugal Primeira Liga

Zuschauer: 45.320

Estádio Do Dragão: Porto

Nachdem mir gestern von den Sporting Fans eine solche Heimreise beschert wurde, hatte ich natürlich auch große Lust das Spiel in Porto zu besuchen. Es gab jedoch das Problem, dass Tickets nur an Mitglieder des FC Porto verkauft wurden- vermutlich auch, um eine Sporting-Invasion zu verhindern. Die Reiselust des Anhangs ist inmitten der sportlich erfolgreichen Saison nämlich beeindruckend groß. Die Euphorie kennt aufgrund des bevorstehenden Meistertitels kaum mehr Grenzen. Busempfänge von tausenden Leuten mitten in der Nacht nach gewonnenen Auswärtsspielen? Kein Problem. 2020/2021 holte man zuletzt den Titel- das war aber inmitten der Corona-Pandemie. Der Meistertitel davor war in der Saison 2001/2002. Von daher kein Wunder, dass man dem nächsten Meistertitel ziemlich entgegenfiebert.

Ich war dennoch hin- und hergerissen. Klar- meistens bekommt man dann noch eine Karte- aber was ist, wenn nicht? Ich überlegte zur sicheren Nummer nach Felgueiras zu fahren, anstatt auf Kartenjagd zu gehen. Dann hatte ich aber noch eine Idee und am Vormittag hatte ich dann über Umwege tatsächlich einen Kontakt zu einer Person aus dem Umfeld der Super Dragões. Da ich im letzten Beitrag den Kartenverkauf der Gruppe so schön aufgegriffen hatte, war es natürlich kein bisschen doppelmoralisch nun diesen Kontakt anzuzapfen. Die Karte stammte aber aus dem persönlichen Kontingent der Person und nicht aus dem Gruppenverkauf.  Gegen 19:00 traf ich mich dann also am Stadion mit der Person und zack hatte ich meine Karte in der Hand. Vielen Dank für die Kontaktvermittlung und die Nettigkeit!

Nun hatte ich sogar noch etwas Zeit auf meiner Habenseite und so kletterte ich den Berg noch einmal nach oben, um mich mit Bier, Bifana und Beirão (Die Heiligen drei B) auf das Spiel einzustimmen. Den stabil aussehenden 50er Mob von Porto umkurvte ich großzügig. Der Einlass war heute etwas komplexer und so gab es eine Vorkontrolle, um das Stadionumfeld zu erreichen. Dort bildeten sich ziemlich lange Schlangen, wobei es sich zumindest recht schnell nach vorne bewegte. Der eigentliche Einlass zum Stadion war dann aber entspannt und so schlug ich noch bei der Kombi aus Pastel de Nata und Café zu.

Ich hatte einen Platz in der dritten Reihe direkt an der Eckfahne. Es gibt natürlich immer ein kleines Spannungsverhältnis zwischen Übersicht und Nähe- aber ich bevorzuge im Zweifel glaube ich die Nähe. Es war schon wirklich cool so nah am Spielfeld zu sein und die Interaktionen (lies Pöbeleien) zwischen den Portofans und den Sporting Auswechselspielern zu beobachten. Zu jenen Auswechselspielern zählte unverständlicherweise Viktor Gyökeres. Zuvor hatte ich noch die Schlagzeile gelesen, dass für diesen im Sommer 100-Millionen Angebote kommen könnten und dann sitzt der auf der Bank? Aber ich werde niemals an Ruben Amorim zweifeln- für mich der beste Trainer der Welt.

Der FC Porto hatte am Vortag seine Präsidentschaftswahlen durchgeführt, die mit einem erdrutschartigen Sieg für André Vila Boas geendet hatten. Somit kommt es also nach mehr als vier Jahrzenten zu einem Machtwechsel beim FC Porto. Als der alte Präsident die Ehrentribüne betrat, kam es im ganzen Stadion zu einer Standing Ovation. Kurze Zeit später gab es in der Kurve der Super Dragões eine Blockfahne zu Ehren des Präsidenten. Dieser wurde auf einem Thron sitzend umgeben von seinen ganzen Titeln dargestellt- was noch einmal zeigt welches Ansehen dieser in der Kurve genießt. Optisch fand ich die Blockfahne extrem gut gelungen.

Circa 15 Minuten später gab es dann erneut eine Standing Ovation, denn der frisch gewählte Präsident betrat nun ebenfalls die Tribüne. Es gab eine kurze Umarmung mit dem alten Präsidenten auf der Pressetribüne und in der Folge nahm Vila Boas aber demonstrativ auf seinem Stammplatz und nicht auf der Ehrentribüne Platz. Dennoch wirkte das Treiben an diesem Abend eher versöhnlich und ich wünsche es dem Verein wirklich, dass nun Ruhe einkehrt und man die Reihen wieder schließt.

Sporting nahm das Gästekontingent logischerweise komplett ab. Sinnloserweise gab es jedoch trotzdem einen kleinen Pufferbereich innerhalb des Gästeblocks. Die dazwischenliegenden Trennelemente wurden dann kurzerhand entfernt, sodass der Mob zumindest im unteren Bereich geschlossen stand. Ich fand den Auftritt vergleichbar mit dem von Guimarães- wirklich gute Phasen und leichtere Durchhänger wechselten sich ab. Ein optisches Highlight gab es mit dem gut verteilten Zündeln von circa 30 grünen Fackeln. Melodisch liebte ich vor allem das Lied auf die Melodie von „I will survive“, das mich in der Folge nicht mehr verließ. Begünstigend durch den Spielverlauf riss man dann am Ende dann die Stimmungshoheit komplett an sich und es schallte „Eu quero Sporting campeão“ durch das Stadion.

Porto zeigte sich auf dem Spielfeld klar verbessert und konnte das Spielgeschehen für mich überraschend ziemlich kontrollieren. So führte man bis zur 86. Minute ziemlich verdient mit 2:0. Blöd nur, dass man dann innerhalb von einer Minute zwei Mal träumte und sich von Gyökeres, der in der Halbzeit eingewechselt wurde, zwei Dinger einschenken ließ. Bitter- aber einer der schnellsten Turnarounds, den ich je live erlebt habe und der mich natürlich auch freute.

Der Heimanhang überzeugte heute eher weniger. Im Bereich des Colectivos wurde das Maximum rausgeholt und es gab auch eine kleine, nett anzusehend Pyroshow. Die Kurve der SD konnte heute nicht an den guten Eindruck aus dem Guimarães-Spiel anknüpfen.

So blieb für mich ein neues Badge in der Groundhopper App und ein wirklich schöner Abend in Porto. Vielen Dank noch einmal für die Kontaktvermittlung und die Kartenbeschaffung.

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