Liga 3
Zuschauer: 1.500
Estádio do Lusitânia FC Lourosa
In meinem Kopf hatte ich abgespeichert, dass sich das Stadion von Canelas mit circa neun Kilometern Entfernung in halbwegs fußläufiger Distanz befindet. Als ich in der Halbzeit des Spiels von Feirense jedoch die Route eintippte, sah ich eine 29 aufblitzen. Das war dann doch keine Option. Mit Blick auf den weiter sinnflutartigen Regenfällen wollte ich den Fußmarsch auf ein Minimum beschränken. In der App sah ich dann aber tatsächlich eine andere Option, denn in Lourosa sollte ebenfalls ein Spiel der Aufstiegsrunde der dritten Liga stattfinden.
So konnte ich nach dem Spiel von Feirense kurz über die Straße rennen und in ein schönes, kleines Restaurant flüchten, wo ich ein sehr leckeres Mittagessen genoss und mir dann im Anschluss abermals ein Taxi rief, um nach Lourosa zu kommen. Ein paar Euro und ein nettes Gespräch mit dem mosambikanischen Fahrer später, wurde ich in Lourosa am Stadion herausgelassen. Leider auf der Seite der Mitglieder, sodass ich im Regenbruch noch einmal um das Stadion herumjoggen musste.
Auf meinem Ticket stand dann ein Preis von 5 Euro- aber vielleicht aufgrund des Regens entschied der Mann im Kassenhäuschen lediglich drei Euro von mir abzukassieren. Besorgt fragte ich dann den Security, ob die Tribüne überdacht sei. Er bejahte meine Frage aber äußerte so gleich die Befürchtung, dass es keinen Platz mehr geben würde. Die Befürchtung war berechtigt, denn das Dach war wirklich nicht gerade groß so mussten wir uns alle ziemlich zusammen kuscheln. Glücklicherweise bekam ich gerade noch einen Platz am Rande des Daches, wo man lediglich ein paar Tropfen abbekam.
Die Mannschaften kamen dann mit einer fünfminütigen Verspätung auf das Feld. Wie von Zauberhand hörte natürlich genau in dieser Sekunde der Regen auf. Das traf sich gut, denn so konnte ich noch schnell zum Verkaufsstand gehen und mir dann einen Platz auf der Stehtribüne suchen. Die Preise am Verkaufsstand toppten noch einmal alles in Portugal bisher Gesehene. So gab es frisch gezapftes Bier für einen Euro. Obwohl ich nicht in der größten Trinkstimmung war, musste man da einfach mitgehen.
Lourosa brauchte dringend einen Sieg, um die Chance auf den Aufstieg am Leben zu erhalten. In der Aufstiegsrunde mit acht Mannschaften steigen die beiden Bestplatzierten direkt in die zweite Liga auf. Der Drittplatzierte bekommt im Playoff die Chance auf den Aufstieg. Vor der Partie stand Braga auf Platz 2 und Lourosa auf Platz 4. Durch einen Sieg konnte die Heimmannschaft bis auf einen Punkt heranrücken. Ihr könnt es euch denken: Ich war für die Heimmannschaft aus Lourosa und konnte mein Herz jetzt nicht für die Zweitvertretung von Braga erwärmen.
Erschwerend hinzu kam: Ich mochte einfach alles an diesem Heimverein. Austragungsort war einmal mehr ein sehr schönes Stadion mit Ausbau an 4 Seiten und was mir vor allem gefiel war, dass die Gegentribüne komplett aus Stehplätzen bestand- dadurch entstand eine wirklich coole Fußball Stimmung, die man in der Form in Portugal eher seltener findet. Das Stadion war vermutlich auch aufgrund der wichtigen sportlichen Situation sehr gut gefüllt. Hinter dem Tor gab es einen Stimmungsblock von zirka 20 Leuten, der auf sehr sympathische Art und Weise ihre Mannschaft unterstützte, aber auch auf Haupttribüne und Gegengerade gab es immer mal wieder sporadische Gesänge.
Circa 25 Menschen bevölkerten den Gästeblock. Wie bei Porto B sah das vor allem nach Freunden und Angehörigen aus.
Auf dem Platz entwickelte sich ein echter Fight. Ich muss sagen, dass mir der Modus der dritten Liga ziemlich ans Herz gewachsen ist. Mit den Auf- und Abstiegsrunden ist eine Menge Würze in den Spielen und sowohl auf Rasen als auch Rängen ist einiges los. Lourosa konnte unter großem Jubel mit 2:0 in Führung gehen. Durch den berühmten Doppelschlag, der gerade in Mode zu sein scheint, konnte Braga innerhalb von zwei Minuten ausgleichen. In der 87. Minute machte Lourosa jedoch das 3:2 Siegtor, das frenetisch gefeiert wurde. Was für ein geiler Fußballnachmittag. Ich bejubelte noch ausgiebig die Mannschaft und rief mir dann erneut mein Lieblingsverkehrsmittel.








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