Liga 2 Play-Offs
Zuschauer: 5.000
Estádio Marcolino Castro: Santa Maria da Feira
Bei einem Relegationsspiel bin ich dabei glaube ich…
So endete mein letzter Beitrag vom Besuch bei Feirense. Zu diesem Zeitpunkt war schon relativ klar, dass Feirense in der Relegation wird antreten müssen. Der Gegner stand dabei aber noch völlig in den Sternen. Dass es am Ende tatsächlich Lourosa werden wird, hatte ich gehofft aber nicht für möglich gehalten. Beide Mannschaften teilen sich eine Stadt. Lourosa hatte ich nach dem Spiel von Feirense noch spontan gedoppelt- daher wusste ich, dass wirklich nur einige Kilometer zwischen den Spielstätten liegen. Feirense kommt aus dem Herzen der Stadt- Lourosa ist eher ein Vorort von Santa Maria.
In den 70er und 80er Jahren fand das Derby regelmäßig statt und hatte sich über die Stadtgrenzen hinaus einen gewissen Ruf erarbeitet. 1986 wurde das Derby dann aber zuletzt ausgetragen. In der Folge spielte Feirense oft höherklassig, während Lourosa eher im Amateurbereich kickte. Nun: 38 Jahre später ist ausgerechnet diese Paarung das Relegationsduell- es war absolut unglaublich. Damit war aber auch klar, dass der Ansturm auf Tickets vermutlich riesig sein würde. Ich rechnete mir bessere Chancen beim Rückspiel bei Feirense aus und entschied mich daher im Hinspiel für einen Besuch in Vigo und nicht für die Brechstange in Lourosa. Lourosa konnte die Partie mit 1:0 für sich entscheiden.
Im Rückspiel wollte ich es dann aber unbedingt versuchen. Um 15:30 öffnete das Stadion und ich war kurze Zeit später auch schon eingetroffen. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es riesige Schlangen am Einlass und ich sah das befürchtete Schild, dass das Stadion komplett ausverkauft war. Dazu gab es keinen ersichtlichen Schwarzmarkt. Das Problem war: Das Spiel bewegte sichtlich die ganze Stadt. Fußballfan oder nicht- jeder wollte bei diesem Stadtereignis dabei sein, mitreden können, gesehen werden. Dadurch konnte man ein riesiges Schaulaufen beobachten und absolut niemand wollte sein Ticket verkaufen.
Ruhig bleiben- am Ende kommt man immer irgendwie rein, dachte ich mir. Ich sah eine Minichance vielleicht ohne Ticket reinzukommen, aber ich wollte den Versuch auch nicht sofort zünden und mir dann alle anderen Möglichkeiten nehmen. Daher tigerte ich die nächste Stunde auf und ab und immer, wenn jemand eine etwas größere Anzahl an Tickets in der Hand hielt, sprach ich die Person an und fragte ob eventuell jemand abgesprungen sei. Die häufigste Antwort war: „Leider nicht Bruder“, das eine oder andere Lachen gab es aber auch. Wirklich nah dran kam ich nicht: Einer rief zumindest einen Kumpel an und versuchte noch ein Ticket klarzumachen. Keine Chance! Die Frau an der Hinterlegungskasse mochte mich zumindest, sodass ich mir im Falle eines Nichterscheinens weit nach Anpfiff gewisse Hoffnungen machte.
Langsam begann ich am Erfolg des Plans zu zweifeln- aber nicht aufgeben, sich wieder überwinden und weiterfragen. Und irgendwann stand da tatsächlich dieser Satz im Raum: „Por acaso tenho“. Die Worte klangen nach, fanden den Weg in meinen Kopf und ich war einfach nur erleichtert. Die Frau war dann auch noch so korrekt und bestand darauf mir das Ticket zu schenken und es nicht zu verkaufen. Irgendwie schon verrückt wie viele Menschen einfach durchweg gut sind- hier war die Chance sich von mir Trottel einen Batzen Geld geben zu lassen- aber ohne Zögern entschied sie sich dagegen. Vielleicht ist die Menschheit doch noch nicht verloren.
Somit war der Struggle dann einfach vorbei. Ich reihte mich in die Schlange ein, das Ticket wurde gescannt und innerhalb von zwei Minuten war ich im Stadion. Nach der harten Arbeit war das ein ganz schön verrücktes Gefühl. Ich holte mir noch schnell ein Getränk und suchte mir dann einen Platz. Erneut knallte die Sonne ziemlich erbarmungslos auf mich herab.
Beide Fanszenen waren dann auch schon im Stadion zugegen. Die Hintertortribüne war heute komplett mit Fans von Feirense gefüllt. Zum Einlaufen der Mannschaften gab es eine sehr sehenswerte Choreo. Auf einer großen Blockfahne wurde die Vereinsgründung im Jahr 1916 aufgegriffen und dann der große Erfolg des Vereins der Aufstieg in die erste Liga im Jahr 2018. Die Blockfahne wurde technisch anspruchsvoll per Seilkonstruktion am Dach hochgezogen. Dazu gab es noch einige blaue Rauchtöpfe, die jedoch unter der Blockfahne etwas untergingen. Sehr lustig war aber, dass man in der Folge deutlich sehen konnte, wer in der Nähe der Rauchtöpfe stand, denn einige Gesichter waren in der Folge ganz schön blau.
Vom Verein wurden auf jedem Sitz Pappen mit dem Logo von Feirense ausgelegt, die zum Einlaufen ebenfalls gezeigt wurden und im Nachgang den einzigen Schutz gegen die Sonne boten.
Lourosa entfernte die Pufferfolie in ihrem Block und brauchte in der Folge ein wenig, um sich kompakt aufzustellen. Die Fahne der Armada Lusitana wurde im Nebenblock ausgelegt. Auch eine Schwenkfahne befand sich dort viel in der Luft. Ansonsten konzentrierte man sich aber auf die akustische Unterstützung der Mannschaft. Ich saß ziemlich weit weg- aber immer mal wieder konnte man Lourosa gut bei mir vernehmen. Der absolute Wow-Faktor fehlte- aber schlecht war es auch nicht.
Das gleiche Urteil würde ich den Heimfans ausstellen. Die Liedauswahl gefiel mir sogar ganz gut- mit Blick auf die Lautstärke blieben die ganz großen Highlights aus. Mit Blick auf die Brisanz des Spiels hätte ich mir da noch etwas mehr erhofft. Vor allem das Tribünenpublikum war erstaunlich zahm. Ein paar Beleidigungen wurden in Richtung der „Chiquitas“ aber dennoch gesendet.
Auf dem Feld drückte ich insgeheim Lourosa die Daumen. Feirense ging in der 15. Minute durch den Sohn von (Ex-) Porto Trainer Conceição in Führung. Dieses Resultat hätte die Verlängerung bedeutet. Conceição konnte dann in der 82. Minute aber Feirense erlösen und das 2:0 erzielen. Kurz vor Schluss kam es dann knüppeldick und Feirense entschied das Ding mit 3:0. Jetzt krachten die Gesänge durch das Stadion und der Drops war gelutscht. Glückwunsch an Feirense für den Klassenerhalt und alles Gute für Lourosa für den Aufstieg im kommenden Jahr.
Ich schaute mir die recht verhaltenen Feierlichkeiten nach dem Spiel noch an und sah wie Lourosa seine Spieler direkt wieder aufbaute. Dann ging es für mich in das Stadtzentrum von Santa Maria. Frei nach dem Kurvenhit von Feirense „Santa Maria, dá me alegria“. Mit bestem Blick auf den kleinen Marktplatz, verköstigte ich eine tolle Auswahl lokaler Spezialitäten und freundete mich mit dem Wirt an, der so verdattert war, dass ich bei diesem Spiel war, dass er mich fragte, ob ich mal für Feirense gespielt hätte. Ich nahm es als Kompliment für meine exzellente körperliche Verfassung.
Eine kleine Rennerei gab es dann noch- aber da wurden wohl nur die abfahrenden Busse von Lourosa verabschiedet. Für mich ging es dann gediegen wie eh und je mit dem Taxi zurück nach Porto. Rica vida!















