Campeonato Portugal
Zuschauer: 2.100
Estádio Municipal de Amarante
Ich sitze auf einem Frisörstuhl in Amarante. Aggressiv geschätzt, haben wir vielleicht drei Sätze bisher gesprochen und doch liegt mir der Frisör plötzlich im Arm. Was mich vor die gar nicht so kleine Herausforderung stellt, wie man eine solche Umarmung eigentlich erwidert, wenn beide Arme unter dem Frisörkittel sind. So viele Optionen gibt es nicht- also einfach Körper reinlegen und genießen. Der Gefühlsausbruch wurde ausgelöst durch meine Aussage, dass ich heute in Amarante sei, um den Amarante FC spielen zu sehen. Er zeigte mir dann noch sein Trikot, was prominent an die Ladentür gehangen wurde. Es ist einfach wunderbar welch positive Emotionen der Fußball hervorrufen kann- wie aus Fremden Freunde werden und wie heute die ganze Stadt hinter dem Amarante FC stand.
Als Hopper mit leichten Präferenzen für die Heimvereine kommt man vielleicht im Zweifel etwas mehr als einem zusteht in den Genuss dieser positiven Aspekte- zumindest, wenn man sich in Portugal bewegt und nicht beim FSV Zwickau. Ich wollte heute das in meinen Augen bedeutungslose Heimspiel von Amarante besuchen, um den Aufstiegsfeierlichkeiten beizuwohnen. Sowohl Amarante als auch der Gegner aus São João de Ver hatten bereits das Ticket in die dritte Liga gebucht. Im Frisörsalon erfuhr ich aber, dass es sehr wohl noch um etwas ging. Der Spitzenreiter der Aufstiegsrunde würde am 10.06. im Nationalstadion das Endspiel gegen Vitória Setúbal austragen, um den Meister der vierten Liga auszuspielen. Mein Gesprächspartner machte mir sehr klar, dass das eine große Sache sei und man unbedingt im Nationalstadion antreten wolle.
Tragischerweise wurde in den folgenden Tagen bekannt, dass Vitória wohl aus finanziellen Gründen den Aufstieg in die dritte Liga nicht wird stemmen können. Einfach nur bitter für einen solchen Traditionsverein. Für mich ging es dann mit frischen Seiten langsam Richtung Stadion. Die wunderschöne Altstadt war gut gefüllt, denn an diesem Wochenende fand eine große Feier zu Ehren der Stadtheiligen statt. So ließ ich mich etwas treiben, trank das eine oder andere Getränk und erreichte dann irgendwann die etwas unansehnliche Ausfahrtstraße, die mich den Berg hoch zum Stadion brachte.
Die Tribüne war komplett ausverkauft- glücklicherweise gab es noch Karten für die unüberdachten Stehplätze auf der gegenüberliegenden Seite. Der Haken daran: Es war einfach unglaublich heiß. Zwar war der Anstoß erst um 18:00, aber ohne Sonnenschutz knallte die Sonne erbarmungslos auf uns Zuschauer auf den Betonstufen. So pendelte ich stets zwischen den Traversen und dem Getränkestand, um den Wasserspeicher wieder aufzufüllen. Das war wirklich brutal.
Für die Spieler auf dem Feld war es vermutlich auch eine harte Angelegenheit und so hatte das Spiel einige Längen. Amarante ging mit 1:0 in Führung- ehe die Gäste ausgleichen konnten. Der Torschütze sprang zum Jubel in den Gästeblock. Kurze Zeit später fiel jedoch der Siegtreffer zum 2:1, der vom ganzen Stadion bejubelt wurde. Es gab in meinem Bereich einen kleinen 20er Mob, der die Mannschaft unterstützte. Es sah auch durchaus so aus, dass der eine oder andere der sonst bei einem anderen Verein aktiv ist, heute mal bei seinem Heimverein vorbeischaut. Jedenfalls sah man einige Tattoos von Ultragruppen der großen Drei.
Etwas nervig war die Vielzahl der Vuvuzelas, die immer wieder eingesetzt wurde. Circa 100 Gäste traten bis auf 2-3 Sprechchöre nicht weiter in Erscheinung. Nach dem Spiel wurde mit der Mannschaft gefeiert und diese stimmte ebenfalls ein Lied für den Einzug ins Nationalstadion an. Dabei mussten sie an den Bullen vorbeihüpfen, denn ein paar Stormtrooper mussten natürlich wieder auf dem Spielfeld platziert werden. Bei den herrlichen 30 Grad in dieser Ausrüstung, bekam man die Strafe aber direkt serviert.
Ich machte mich dann auf dem Heimweg- machte noch einen kurzen Stopp, um ein paar Minuten Dortmund zu gucken und musste dann zügig zum Busbahnhof. Ganz entspannt erreichte ich dann innerhalb von 40 Minuten mit dem Fernbus wieder die unbesiegte Stadt. Ein wirklich schöner Samstagsausflug in eine tolle Stadt.










