Eliteserien
Zuschauer: 12.560
Fredrikstad Stadion
Sehr früh entdeckte ich in der Groundhopping App das so genannte Østfold derby samt der Vergabe eines Badges. Klar, dass ich da hellhörig wurde und die ersten Bilder sahen auch sehr vielversprechend aus. Da wollte ich dabei sein. Immer mal wieder guckte ich auf die Homepage von Fredrikstad, um Ticketinformationen zu erhalten. So richtig ne Platte machte ich mir nicht. Das würde schon funktionieren, oder? Aber es kamen einfach keine Infos und dann recht kurz vor dem Spieltag kam die Info, dass bereits alle Tickets weg wären. Geil! Hatte ich da etwas verpasst? Also umgesattelt und dankenswerterweise klappte die Anfrage beim Verein für eine Akkreditierung. Vielen Dank! Da fielen mir kiloweise Steine vom Herzen.
Mit dem elektrischen Mietwagen ging es etwas aufgeregt vom Osloer Flughafen nach Fredrikstad. Die chinesische Karre wirkte so wie ein Hightechcomputer und so brauchte ich ziemlich lange, um überhaupt fahrbereit zu sein. Dadurch war mein Zeitpolster dann etwas geschmolzen und ich hatte kaum noch Optionen zum Parken. Also ging es direkt in das Stadionparkhaus. Dort bekam ich zumindest noch unkompliziert einen Parkplatz. Mein Versuch das Auto direkt zu laden, scheiterte leider. Nächste Station: Akkreditierungsstelle. Das klappte problemlos und der Ordner musste lachen, als ich mich trotzdem kontrollieren lassen wollte.
Ganz zweifelsfrei konnte ich das alles nicht klären- aber es wirkte so, als hätte ich unbegrenzten Zugang im Stadion. Mein Norwegisch reichte aus, um den kleinen Presseraum zu finden. Nach einer kleinen Orientierungsphase gelangte ich dann in die Mixed Zone und konnte auch an den Kabinen vorbeilaufen und bis an den Spielfeldrand. Das war schon ein ziemlicher kleiner Jungen Traum, der in diesem Moment in Erfüllung ging. Ich wollte meine „Rechte“ nicht überstrapazieren und verzichtete daher auf einen Spaziergang im Innenraum. Anstattdessen suchte ich mir einen Platz auf der Pressetribüne. Die erste war rappelvoll- aber es gab auf der anderen Seite noch eine. Entspannt fand ich dort einen Platz. Bis zum Anpfiff war ich dann aber von Kindern, Feuerwehrmenschen und anderen Konsorten umgehen. Schon krass wie selbstverständlich Leute sich da auch immer hinsetzen. Ich dachte nur die Hopper wären frech?
Den ersten Gänsehautmoment während des Spiels gab es bei der Vereinshymne. Das knallte wirklich ziemlich und das gesamte Stadion mit Ausnahme des Gästesektors sang mit kompletter Inbrunst mit. Der Vorsänger der Heimszene heizte die Masse mit freiem Oberkörper. Meine Notizen vermerken dazu: „Ich friere mit Jacke“. Das erste Lied knallte dann auch ziemlich und der Vorsänger war mit seinem freien Oberkörper nicht mehr alleine. Bei den Hüpfeinlagen stieg das gesamte Stadion samt der Balljungen mit ein.
Beide Seiten starteten mit einer Choreo in die Partie. Die Gäste aus Sarpsborg zeigten eine Wimpelchoreo. In der Mitte war ein Vereinswappen, das links und rechts von den Gesichtern der Spieler flankiert wurde. Im Anschluss wurden eine Fackel und etwas blauer Rauch gezündet. Das war solide.
Die Choreo der Heimseite gefiel mir ein wenig besser. Auf der Gegengerade wurde das Gründungsjahr des Vereins mit Pappen gezeigt. Daran schlossen sich zahlreiche Fahnen in der Kurve an. Im äußeren Bereich gab es dann noch eine gemalte Blockfahne, die an einen Pokalgewinn des Vereins erinnerte. Laut Google Translator war das Motto der Choreo „Durch die Schlacht zum Sieg gehen“. Abgeschlossen wurde die Aktion durch eine Pyroaktion. Lustigerweise wurde diese ausdauernd von der Feuerwehr gefilmt. Diese rannte kurze Zeit später zu einem Einsatz los- aber das war wohl nur zeitliche Koinzidenz. Aufgrund der Rauchentwicklung gab es aber eine kleine Spielunterbrechung.
Die Heimseite zündete immer mal wieder eine Emotionsfackel und hatte über weite Strecken die stimmungstechnische Oberhand. Der Mob war auffällig jung und typisch skandinavisch gut gekleidet. Dennoch wirkte die Heimseite reifer. Kurios war der „I love Milfs“ Doppelhalter. Zur zweiten Halbzeit starteten beide Kurven noch einmal mit einem Intro, wobei auch da der klare Punkt an die Heimseite ging. In der Gästekurve sah das echt nach einem kleinen Patzer aus.
Das Spiel war ein richtig geiles Derby. Beide Teams hatten extrem Bock und kämpften um jeden Meter. Der Videobeweis killte leider komplett einen Moment. Die Gäste gingen nach einem Standard in Führung. Es folgte ein richtig geiler Torjubel und Teile der Szene war auf dem Platz und feierte mit den Spielern. Kurze Zeit später griff der VAR ein und erkannte ein angebliches Stürmerfoul. Das sah ich nicht.
Kurze Zeit später gab es dann fast die gleiche Szene auf der Gegenseite. Hier gab es aber keinen Pfiff und so ging Fredrikstad in Derby. Gefolgt wieder von einem geilen Torjubel. So sah auch der junge 19-jährige Senegalese im Tor der Gäste nicht gut aus. Schade, denn der Typ war so unfassbar cool. Heftige Aura und entspannt machte er Anwürfe über die Mittellinie. Da sehe ich gewaltiges Potenzial.
Die Gäste drückten dann auf den Ausgleich, während Fredrikstad auf Zeit spielte. Der Schiri gab dann völlig verrückterweise 13 Minuten Nachspielzeit. Aufopferungsvoll warfen die Gäste alles nach vorne und konnten kurz vor Ablauf der Nachspielzeit tatsächlich den Ausgleich erzielen. Jetzt gab es noch einmal einen richtig geilen Torjubel und am Ende blieb es beim 1:1. Derby immer X?!
Ich war heute sehr ambivalent. Auf den Rängen überzeugten mich die Heimfans ganz klar mehr. Auf dem Rasen gehörten meine Sympathien doch eher den Gästen. Für mich war das 1:1 nah an perfekt. Dann war das Spiel vorbei und beide Fans motovierten ihre Mannschaften. Das war ein richtig geiles Derby!
Ich ließ mir im Stadion Zeit und aufgrund des Abreisestaus im Parkhaus ging ich noch in den naheliegenden Food-Court in einer Mall. Das war eine super Entscheidung, denn nach meinem leckeren Gyros war der Stau entwirrt und ich fuhr zurück nach Oslo. Das letzte Highlight der Saison 2024/2025.





















