01.11.2025 Hertha BSC- Dynamo Dresden 2:0

2. Bundesliga

Zuschauer: 70.914

Olympiastadion: Berlin

Schon früh hatte ich mich dafür entschieden das Spiel gegen Dynamo zu meinem 1.000 werden zu lassen. Ich war mir sicher, dass es auf den Rängen einen würdigen Rahmen geben würde und ich wollte das Spiel unbedingt mit Hertha machen. Ein gewisses Risiko bestand natürlich, dass das Spiel auf Rasen und Rängen in die Hose gehen könnte- aber ich blickte dem Tag mit viel Optimismus entgegen. Nachdem der Vorabend ruhig geblieben war, gönnte ich mir am Samstagmorgen zumindest etwas Ruhe und fuhr erst zur Stadionöffnung um 10:30 zum Olympiastadion. Der Einlass war recht unkompliziert und wenige Minuten später war ich beim Aufkleberverkauf. Der Andrang war in den Anfangsminuten enorm und in der Folge ging der Verkauf recht konstant seinen Gang. Circa 12:10 konnten wir ausverkauft vermelden. Durch den Verkauf verpasste ich die Rennerei im Stadion und erschloss mir anhand der Videos im Nachgang, dass ich zumindest den Moment durch die „Scheiß-Dynamo“ Sprechchöre mitbekommen hatte. Wenn mich meine Erinnerung der baulichen Begebenheiten des Olympiastadions nicht täuscht, dann hätte da auch wirklich schlimmeres passieren können. Bei einem Sturz hätte das für die Dynamos potenziell lebensbedrohlich enden können. Warum man so ein Risiko eingeht, erschließt sich mir absolut nicht.

Im Vorfeld schlug die Partie große Wellen und insbesondere die Fanszene von Dynamo Dresden goss Öl ins Feuer. Beim Auswärtsspiel in Darmstadt zeigte man das Spruchband „Keine Karte? Kein Problem! 30.000- Ihr werdet sehen! 01.11.25- Alle nach Berlin!“ Beim Heimspiel gegen Karlsruhe präsentierte man unter anderem ein Hauptstadtmafia& Wild Boys Freundschaftsshirt. Außerdem verschandelte man noch ein Graffiti an der Geschäftsstelle von Hertha und forderte poetisch: „Hertha, Du Alte Hure: Rück mehr Karten Raus, sonst fallen wir mit der Tür ins Haus!!!“. Ich guckte am Tag des freien Verkauf in den Onlineshop und hatte bereits das Gefühl, dass nicht mehr so viele Karten verfügbar waren. Wenig überraschend waren die Karten innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Dennoch hatte ich erhebliche Zweifel an den kolportierten bis zu 30.000 Dynamo Kriegern.

Als ich die Kurve betrat verstärkte sich dieser Eindruck. Am Ende dürften es zwischen 18.000 und 20.000 Dynamofans gewesen sein. Selbst Ultras Dynamo sprechen lediglich von 22.000 Gästen. Keine Frage eine absolut beeindruckende Zahl. Bei den lauten Tönen im Vorfeld und der wilden Medienberichterstattung jedoch ein gewisser Erfolg für uns Herthaner. Über 50.000 Heimfans dürfte für uns einfach ziemlich nach am Optimum sein. Die Behörden hatten aufgrund von „Brandschutzauflagen“ den Dynamofans ihre geplante Poncho-Choreo verboten. Bitter und ärgerlich zu sehen, wie auch die Feuerwehr immer mal wieder für repressive Entscheidungen genutzt wird.

Der Großteil der Dresdner verteilte sich auf beide Seiten des Marathontors. Die Zaunfahnen wurden dabei so zusammengebunden, dass es an der Balustrade im Oberring drei Reihen an Zaunfahnen gab. Die Heimzaunfahne der Ultras Dynamo war im eigentlichen Gästeblock oben angebracht. Die Auswärtszaunfahne war an der unteren Bande zu sehen. Das Zaunfahnenbild war schon wirklich sehr stark und sah auch mit dem besonderen Panorama des Olympiastadions erste Sahne aus.

In der Folge wusste der Gästeanhang wenig überraschend vor allem mit Geschlossenheit zu punkten. Die Klatscheinlagen, Schalparaden und Hüpfaktionen sahen beeindruckend aus. Selbst bei den lauten Momenten, flogen mir aber nicht gerade die Ohren weg. Ich weiß nicht ob mich meine Erinnerung täuscht- aber das war bei dem Pokalspiel noch anders. Als optischen Akzent zeigte man einheitliche Schwenker in Vereinsfarben, die auch das einzige Tifomaterial waren. Dwidswoch mutmaßte im Nachgang, dass diese Schwenker eventuell zu den Ponchos gepasst hätten. Diese Vermutung erscheint mir absolut plausibel.

Alles in Allem war ich am Ende dann doch ein bisschen enttäuscht von dem Auftritt. Immer mal wieder gab es lange Pausen und auch das Liedgut flashte mich jetzt nicht gerade. Am Ende ist es dann vielleicht auch nicht verwunderlich, dass wenn man sich mit großen Ankündigungen eine Fallhöhe schafft, man auch ein wenig unsanft herunterpurzeln kann.

Ich hatte wenig Sorgen mit Blick auf den Auftritt der Ostkurve. In der Regel ist auf uns an solchen Tagen Verlass. Auch heute sollte sich das nicht ändern. Wir starteten mit einer simplen, aber sehenswerten optischen Aktion in die Partie. Hinter dem Spruchband „Hertha, Berliner Sport Club“ wurden mit Fähnchen ein blau-weißes Muster in beide Ränge der Kurve gezaubert. Dazu gab es noch eine Rauchaktion, wobei auch Shooter eingesetzt wurden. Ein sehenswerter Auftakt in die Partie.

In der Folge konnten wir über weite Teile des Spiels unser Potenzial abrufen und eine gute Lautstärke erreichen. Die Abstriche beim Liedgut hielten sich in Grenzen und es wurde eine gute Mischung aus massentauglichen und komplexeren Liedern gewählt. Insbesondere der Block P zog heute auf beeindruckende Art und Weise mit. Erstmals wurde dort sogar ein Vorsänger platziert. Danke Herthafans- das war ein würdiger Auftritt auf allen Ebenen. Mit der Fanszene Dynamo gab es noch eine gemeinsame Spruchbandaktion zur anstehenden Innenministerkonferenz. Bei uns hieß es: „Ein Gewaltproblem erfinden und Fankurven kriminalisieren…“, was ergänzt wurde durch: „Um im Anschluss den Rechtsstaat auszuhöhlen?! Innenminister Wahnsinn stoppen!“ Außerdem stichelten die Harlekins noch ein bisschen gegen Dynamo: „Ob Karten, Levi’s, Westfernsehen, oder doch die DDR zurück- irgendwas wollt ihr immer„. Holte mich sehr ab und war nicht nur aufgrund der hängenden DDR-Fahne sehr treffend.

Auf dem Platz spielte die Mannschaft das kühl runter. Nach 15 Minuten traf Cuissance sehenswert zum 1:0. Durch einen etwas glücklichen Elfmeter konnte Reese kurz vor der Halbzeit das 2:0 erzielen und konnte sich die Provokation durch das Zeigen der Herthafahne in den Gästeblock nicht verkneifen. In der Folge verpasste Hertha durch einen Konter das 3:0 zu erzielen. Gefährlich wurde es auf der anderen Seite aber kaum, sodass am Ende ein nüchterner, aber verdienter 2:0 Heimsieg steht.

Nach dem Spiel wurde dann mit der Mannschaft eine Uffta zelebriert. Laut meinen Aufzeichnungen war die letzte zu Hause am 28.09.2018 nach dem Sieg gegen die Bayern?! Ich bin bei so etwas eher zurückhaltend- aber in dem Moment fühlte sich das richtig und gut an. Die Uffta knallte wahnsinnig und langsam, aber sicher gestatte ich mir doch vom Aufstieg zu träumen.

Bei mir war dann der Stecker gezogen und ich musste mir eine Cola im Stadionrestaurant holen. Im Nachgang ging es dann geschlossen auf den Parkplatz, wo ich weiter an meiner Hydration arbeitete. Mit dem einsetzenden Regen gestattete ich mir dann meinen Herthatag zu beenden und fuhr mit dem Fahrrad nach Grunewald. Dort stieg ich dann in die S-Bahn und fuhr in die wunderschöne brandenburgische Landeshauptstadt. Die nächsten Tage taten meine Stimmbänder und mein Brustkorb so weh, dass ich dauerhaft Lutschtabletten zu mir nahm. Aber das war es definitiv wert! 1.000 Meilenstein eingetütet! Danke Hertha für diesen schönen Tag. Auf zur 2.000!

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