12.12.2025 Spvgg Fürth- Hertha BSC 3:3

2. Bundesliga

Zuschauer: 12.276

Sportpark am Ronhof: Fürth

Stück für Stück erfuhr ich von den Plänen, die mein Vergangenheits-Ich vor einigen Wochen für mich gemacht hatte. Gefühlt ist für mich in Süddeutschland alles gleich. Mein Kopf unterschätzte offensichtlich die Distanz zwischen Weil am Rhein und Fürth. Das Problem war, dass es auch keine schnelle ICE-Verbindung gab. So hieß es Deutschlandticket bis nach Freiburg- von dort mit dem ICE über Karlsruhe nach Stuttgart und zu guter Letzt noch einmal mit dem Deutschlandticket erst nach Würzburg und dann nach Fürth! Ach du grüne Neune! Ich entschied mich dafür jede Etappe individuell anzugehen und mich einmal mehr nicht stressen zu lassen. So startete ich den Tag mit einem herausragenden türkischen Frühstück in Weil am Rhein. So konnte der Tag schon einmal losgehen.

Dann ging es zügigen Schrittes zum Bahnhof in Weil und die Regioverbindung nach Freiburg klappte einwandfrei. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es in den ICE und auch der Umstieg in Karlsruhe klappte reibungslos. In Stuttgart spielte ich kurz mit dem Gedanken aus dem Bahnhof zu gehen, um einen Drogerieeinkauf zu machen. Dieser Bahnhof hat sich aber ohne zu Übertreiben seit zehn Jahren nicht verändert. Noch immer ist alles provisorisch und um den Bahnhof herum eine riesige Baustelle. Der Tunnel zog sich so lange, dass ich zwar einmal auf der anderen Seite Tageslicht sehen konnte- aber ein Einkauf zeitlich nicht mehr realistisch war. Ich bin echt gespannt diesen Bahnhof irgendwann mal fertig zu sehen- aber einfach gefühlte 100 Jahre die Stadt so zu verschandeln ist schon echt hart.

Der Baustellenausflug hätte fast zu einem teuren Fehler geführt. Der Zug stand nämlich schon da und war sehr gut gefüllt. Zum Glück reichte es noch für einen Sitzplatz. Zwei Stunden später erreichte ich dann Würzburg und nutze die knapp 20 Minuten Umsteigezeit für einen kurzen Run zu Rossmann und zum Dönerladen. Der Zug wurde durchgängig mit einer Verspätung von sieben Minuten angezeigt. Ich traute dem Braten nicht und lief zum Gleis. Zum Glück- denn der Zug stand schon da und fuhr letztlich mit zwei Minuten Verspätung los. Puh! Das hätte schiefgehen können. Im Zug traf ich dann komplett unerwartet eine Fraktion Herthaner, die im Gegensatz zu mir den Trip nach Schottland durchgezogen hatten.

Eine Stunde später erreichte ich dann endlich Fürth. Was ein Ritt! Mein Vergangenheits-Ich hatte mir zumindest ein schönes Hotel spendiert. Das konnte sich wirklich sehen lassen und ich gönnte mir noch 20 Minuten Erholung auf dem Zimmer. Dann schnürte ich wieder die Schuhe und lief zum Stadion. Bei Dunkelheit war der Weg durch den Stadtpark nicht ganz so spektakulär. Nach einigen Schlenkern erreichte ich den Gästeparkplatz und wurde von freundlichen Gesichtern begrüßt. Wir warteten noch auf eine weitere Autobesatzung und gingen dann gemeinsam ins Stadion. Ich holte mir sogar noch ein Getränk, sodass wir am Ende wirklich erst sieben Minuten vor dem Anpfiff im Block waren. Allüren!

Die Anstoßzeit um 18:30 an einem Freitag war etwas herausfordernd. Durch die recht gute Anbindung von Fürth und Berlin, konnten aber sogar noch viele Leute einen Alibi-Arbeitstag einlegen (Grüße!). Trotz der leicht schwierigen Terminierung war das Gästekontingent vergriffen und bestimmt 2.500 Herthaner waren mit nach Fürth gereist. Der Auftritt war etwas besser als erwartbar. Begünstigt durch das ereignisreiche Spiel, konnte der Block immer mal wieder gute Momente kreieren, die den Auswärtstrott hier und da durchbrachen. Das ist gefühlt der große Unterschied im Jahr 2025. Unser Minimum ist mit Blick auf Auswärtsfahrerzahlen und Mitmachquote einfach sehr beachtlich.

Die Hintertortribüne von Fürth erinnert schon ziemlich an Kiel oder Paderborn. Ein durchaus optisch ansprechender Mittelblock, der auf der aber ohnehin recht kleinen Tribüne ziemlich isoliert aussieht. Den Tifostyle von Fürth mag ich grundsätzlich sehr und auch die Aufkleber und Graffiti in der Stadt gefallen mir. Zu Spielbeginn gab es eine gemeinsame Aktion der beiden Fanszenen im Nachgang der IMK. Von Seiten der Harlekins gab es per Spruchband Unterstützung für den Weg zurück zur SPVGG Fürth. Auch von meiner bescheiden Seite unterstütze ich das natürlich- vor allem, in dem ich jedem gegen das Schienbein trete, der es wagt Greuter Fürth zu sagen.

Das Spiel hätte einfach der perfekte Start in das Wochenende sein können. Hertha hatte Fürth komplett im Griff und führte völlig verdient mit 0:2. Wir hatten sogar einmal mehr gejubelt- wurden aber einmal mehr vom VAR unsanft aus unseren Emotionen gerissen. Kurz vor der Pause kassierte man völlig unnötig das 1:2. In der Folge wurde es ein offenes Spiel und Fürth konnte ausgleichen. Kurze Zeit später schlug Hertha in Person von Luca Schuler zurück. Auch die erneute Führung, führte aber nicht zu mehr Sicherheit. Hertha schwamm und kassierte den erneuten Ausgleich. Am Ende war Fürth dem Siegtreffer sogar näher als wir. Was für ein Mist. Mich regt es tierisch auf, wie Hertha das Momentum vor der Winterpause komplett wegschmeißt. Das hätte heute der Bounce-Back Sieg sein müssen.

Aufgrund eines medizinischen Notfalls auf der Gegentribüne, stellten beide Seiten in der Nachspielzeit den Support ein. So gab es für die Mannschaft auch nur einen kurzen verhaltenen Applaus, ehe diese auf den Heimweg geschickt wurde. Ich trennte mich dann vom Mob und lief zurück in die Fürther Innenstadt. Ich nahm mir noch einen Glühwein vom Weihnachtsmarkt mit und grüßte kurze Zeit später das Land der Träume.

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