01.02.2026 Hertha BSC- SV Darmstadt 98 2:2

2. Bundesliga

Zuschauer: 35.756

Olympiastadion: Berlin

Normale Menschen können nicht wissen, wie es ist Fan von Hertha BSC zu sein. Ich sitze hier am Wochenbeginn schon wieder so, als ob jegliche Hoffnung und jegliche Energie aus meinem Körper gezogen wurde. Warum kann dieser Verein nicht einfach einmal liefern? Die Siegesserie aus dem Spätherbst fühlt sich nur noch wie ein weit entfernter Traum an. Gab es diese überhaupt oder haben wir uns diese mit unseren kranken Gehirnen eingebildet?

Das Heimspiel gegen Darmstadt sollte vor allem mit Blick auf das Verhalten der Polizei spannend werden. Schließlich war die Debatte in den vergangenen zwei Wochen emotional geführt worden und gefühlt nicht wirklich im Sinne der Polizei. Immer mehr Vorwürfe mussten von Seiten der Polizei geräumt werden und es gab wirklich zahlreiche gute Zeitungsartikel, die gründlich recherchierten. Auch Geschäftsführer Peter Görlich war sowohl im Innenausschuss als auch im Sportausschuss des Berliner Senats zu Gast und machte wirklich eine gute Figur. Mit seiner Vergangenheit bei der TSG Hoffenheim steht er nun wirklich nicht im Verdacht besonders fannah zu sein: Dass er dennoch so offen auf die Fanszene zugeht und im Zweifel mit einer Mischung aus Sachlichkeit und Emotionalität als Partner gesehen werden kann, ist ein großes Pfund. Er machte dann sogar noch öffentlich, dass die Berliner Polizei im Zuge des Einsatzes ein Präsidiumsmitglied rassistisch beleidigt hatten- Wahnsinn!

Für das Spiel gegen Darmstadt wurde dann ein weitgehender Rückzug der Polizei angekündigt und schlussendlich auch umgesetzt. Ein wichtiger Teilsieg für die Fanszene Hertha BSC. Ich bin gespannt, wie lange dieser Zustand anhält- aber das war ein angenehmer Spieltag, der wenig überraschend komplett ohne Vorfälle verlief. So war auch endlich mal wieder der Bereich vor der Ostkurve eine Begegnungsstelle für Hertha Fans und nicht mehr Rempelgebiet für übermotivierte Staatsdiener.

Da die Polizei heute als Frustrationspotenzial wegfiel, musste anscheinend der Ordnungsdienst „upsteppen“. Jedenfalls wurde ich dermaßen von einem Ordner angepöbelt, warum ich denn meine Karte schon scannen würde. Ich war einigermaßen fassungslos und auch nicht gewillt mich von so einem Heinzi anschreien zu lassen. So kam es zu einem Wortgefecht, das ich auch nicht unbedingt an diesem Spieltag erwartet hätte. Nun gut! Der Aufkleberverkauf war einigermaßen brutal. Ohne Handschuhe bei diesen Minusgraden stehen zu müssen war eine echte Qual und als ich kurz vor Anpfiff herunter in die Kurve ging, merkte ich wie durchgefroren ich war. Mit der Bewegung und dicken Handschuhen konnte ich dann zumindest wieder eine akzeptable Temperatur erreichen.

Erwartungsgemäß war das Stadion heute ziemlich spärlich gefüllt. Ich vermute, dass eher so 27.000 Menschen wirklich im Stadion waren. Über der Ostkurve prangte der Zusatz „Ostkurve Hertha BSC- Gegen Polizeigewalt“. Erwartungsgemäß gab es noch einmal einige Spruchbänder zu dem Verhalten der Polizei. Zudem gab es ein Spruchband für die unter der Woche tragisch bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen PAOK Fans. Wie furchtbar schnell das gehen kann. Ruht in Frieden!

Auch der Darmstädter Gästeblock war sehr spärlich gefüllt. Am Ende waren es mit viel Wohlwollen vielleicht 1.000 Lilienfans. Dafür standen sie kompakt und der Anteil an Ultras und ultraorientierten Menschen schien ziemlich hoch. Zu hören waren sie nicht wirklich, aber optisch sah das recht ordentlich aus.

Wir hatten den erwarteten Auftritt- sicher nicht herausragend aber mit Blick auf die Rahmenbedingungen auch wirklich kein Grund, um zu meckern. Lediglich die erheblichen Lücken an den Rändern der Kurven ließen mich ein wenig nachdenklich zurück.

Hertha machte in den ersten 30 Minuten eines seiner besten Saisonspiele und hätte locker 3:0 oder 4:0 führen und das Spiel zumachen können. Anstattdessen verursachte Klemens einen dämlichen Elfmeter und Darmstadt war wieder im Spiel. Völlig verdient kamen die Lilien in der zweiten Halbzeit zum Ausgleich und waren dem Siegtreffer näher. Hertha fand praktisch nicht mehr statt. Nach der harten roten Karte gegen Kownacki war klar, dass wir bestenfalls den Punkt mitnehmen. So blieb es beim fünften (!) Unentschieden in Serie und die Frustration ist bei mir mittlerweile ziemlich hoch. Chance um Chance vergibt man, um noch einmal in das Aufstiegsrennen einzugreifen. Man, Hertha!

Bei Warten auf den Aufbruch, sackte die Körpertemperatur dann erneut rapide ab. Ich zog dann schnell vom Dannen- war hin- und hergerissen und entschied mich am Ende doch für das Nextbike. Kurze Zeit später merkte ich wie das Rad wegrutschte und ich mich dem Boden näherte. Zum Glück war unmittelbar hinter mir kein Auto und ich kam weitestgehend mit dem Schrecken davon. Ein paar blaue Flecke- aber das hätte viel schlimmer enden können. Also stieg ich ab, wartete am S-Bahnhof Heerstraße eine Weile und drehte dann zu Hause die Heizung auf. Hertha- ich hasse Dich!

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