SV Elversberg- Hertha BSC 0:3

2. Bundesliga

Zuschauer: 9.291

Stadion an der Kaiserlinde: Elversberg

Und so sitze ich im Regionalexpress nach Mannheim und möchte sofort diese Zeilen tippen, denn diese Mischung aus Müdigkeit, Erleichterung und Freude ist gerade einfach ein sehr wohlschmeckender Cocktail. Dass ich das noch einmal schreiben würde, hätte ich nicht unbedingt gedacht. Die Woche war nicht gerade einfach und wie tief ich auch in meinem Gefühlsschrank kramte- ich konnte einfach keine Vorfreude auf das Spiel in Elversberg finden. Die sportlichen Ergebnisse der letzten Wochen hatten mich gekillt. Die weite Anreise war nicht unbedingt einladend und die frühe Aufbruchzeit einfach absolut brutal. Zu alledem nahm ich zwar den ersten möglichen Zug- aber wusste schon bei der Buchung insgeheim: Das kann eigentlich nicht klappen.

Dennoch hieß es Augen zu und durch, denn ich konnte und wollte einfach nicht die Auswärtsfahrt nach fucking Elversberg bereits am Freitagabend starten müssen. Aus Portugal überlegte ich noch für das Spiel extra einzufliegen, um das Kreuz bei einem noch fehlenden Ground zu setzen. Nach dem Erstbesuch ist jegliche Euphorie komplett verflogen. Ehrlich gesagt habe ich mich mit Elversberg auch seit dem letzten Ausflug nicht mehr beschäftigt- somit bekam ich auf der Reise zumindest noch die Info, dass es zumindest einen neuen Gästeblock geben würde. Das hatte ich bisher nicht mitgeschnitten.

Aber ich springe zu weit vor. Um kurz nach 4 klingelte der Wecker- zum Glück trage ich keine Smartwach während der Nacht, denn die Schlafstatistik wäre wohl noch trauriger als das Punktekonto von Hertha gewesen. Tausend Gedanken schwirrten mir durch den Kopf und ich fand einfach nicht in den Schlaf. Als dann der Wecker klingelte- war es trotzdem so, als ob mir jemand Peitschenhiebe versetzt hätte. Auch die Dusche half nur bedingt und kurze Zeit später wankte ich über das Eis auf den Gehwegen zum Regionalbahnhof. Recht schnell nutzte ich die Vorzüge der unchristlichen Uhrzeit und wich auf die geräumte Straße aus. Im Regio nach Berlin dann die erste Hiobsbotschaft- plötzlich sollte der Zug nicht mehr am Berliner Hauptbahnhof, sondern am Südkreuz starten.

Als Alternative sollte ich mit einem Sprinter nach Erfurt fahren und dann dort umsteigen. Schlussendlich stand der Zug jedoch noch am Südkreuz auf dem gegenüberliegenden Gleis und wartete. Die magische Zahl war heute 6- 6 Minuten Umsteigezeit in Mannheim. Erstaunlich lange lief alles reibungslos. Kurz hinter Fulda war der Lauf dann plötzlich vorbei und ohne weitere Informationen ging es nur noch in Zeitlupe voran. Schnell war klar: Das Ding ist leider gelaufen. Ich hatte am Vorabend noch alternative Optionen geprüft und festgestellt, dass es praktisch keine vernünftigen gab. Man- war das bitter! Wie erwartet verpasste ich den Regio in Mannheim. Ich lief aus purem Aktionismus noch einmal auf den Bahnhofsvorplatz mit dem Traum ein Saarländer Auto zu erspähen. Wenig überraschend gelang das nicht.

Also ging es mit der bummeligen S-Bahn in Richtung Kaiserslautern. Auf der Zugfahrt versuchte ich verschiedene Taxinummern durch und hatte einen telefonischen Kontakt in Homburg, der mich für 40€ zum Stadion gefahren hätte. Da ich bestimmt noch andere Herthaner hätte aufgabeln können, wäre das durchaus human gewesen. Mir kam aber noch eine Idee und so rief ich kurze Zeit später die Fanbetreuung an und schilderte die Lage. Das Problem war, dass unser Zug um 12:43 in St. Ingbert ankommen sollte und das letzte Shuttle um 12:30 abfahren sollte. Stephano sagte zu, dass er mit den Elversbergern sprechen würde und kurze Zeit später gab es das vorsichtig positive Signal: Das sollte klappen. Ich besprach mich kurz mit den anderen Herthanern im Zug und sagte kurze Zeit später das Taxi ab. Vielen Dank an dieser Stelle!

Also alles auf die Karte Shuttlebus. Recht zügig bewegten sich alle Schäfchen in Richtung Bus. Wir konnten den Fahrer auch recht schnell überzeugen loszufahren. Das Navi schwankte dann zwischen 12:59 und 13:00. Sollte das noch ein Happy-Ende geben? Der Bus hielt wirklich direkt vor dem Gästeeingang- ich sprang als erster raus, gab meinen Rucksack ab und war im Nu durch die Kontrolle. Ich hätte es nicht besser scripten können: Ich kam mit dem Anpfiff und dem Einhaken in den Block. Alter- waren das Glücksgefühle! Ab nach unten, Hände geschüttelt und gefühlt als Einziger mit Euphorie in diese Partie!

In der Folge beschenkte uns Hertha endlich einmal wieder mit einem Sieg. Das Spiel war lange durchaus ausgeglichen- aber heute war eine gewisse Kaltschnäuzigkeit nicht von der Hand zu weisen. Nach einem glücklichen Eigentor per Ecke gingen wir in Führung und diese Führung gab uns spürbar Sicherheit. Endlich einmal machte dann der zuletzt unglückliche Schuler das 2:0. Als dann auch noch Toni Leistner das 3:0 erzielte war der wilde Tag völlig perfekt. Da konnte auch Tschernie kein Auge mehr legen. Geil! Endlich mal wieder ein Erfolg und ich freue mich wie sofort aus sechs sieglosen Spielen in Serie eine neue Serie wird. Wir sind seit sechs Spielen ungeschlagen und haben aus den letzten 14 Spielen nur eins verloren. Wir sind wieder wer! Und klar: Sofort fangen wir Idioten wieder zu träumen- sind ja auch nur noch drei Siege bis Europa!

Eine gewisse Lethargie ließ sich heute im Gästeblock nicht bestreiten. So richtig Bock schienen die Leute nicht zu haben. Ein bisschen unverständlich- wenn man dann schon einmal da ist, dann kann man eigentlich auch das Beste aus der Situation machen. Dennoch auch kein furchtbarer Auftritt- es war einfach in Ordnung. Gegen Ende kam dann auch noch ein bisschen Spaß in die Sache. So freut man sich am Ende doch dabei gewesen zu sein.

Mit Na. ging es dann seit gefühlten Ewigkeiten zumindest mal zum nahegelegenen Shuttlebus-Bahnhof. Spontan ging es nach Neuenkirchen. Jetzt zuckele ich durch den zugegebenermaßen sehr schönen Pfälzer Wald. Lautern-Krieger auf dem Weg nach Darmstadt konnten auch noch nicht gesichtet werden, sodass ich recht optimistisch Dienstschluss vermelden kann (Jut noch beim Gegenlesen kommt ein Verrückter und schreit den wildesten Scheiß- bisschen übel ist es mittlerweile echt, was im öffentlichen Raum „normal“ ist). Endlich mal wieder ein positives Erlebnis mit Hertha! Bitte Jungs- am Dienstag zählt es!

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