03.05.2026 1. FC Magdeburg- Hertha BSC 1:0

2. Bundesliga

Zuschauer: 28.123

Heinz-Krügel-Stadion: Magdeburg

Schon länger hatte ich mir dieses Auswärtsspiel ausgeguckt, um noch einmal einen Akzent zu setzen und die nervig austrudelnde Saison noch einmal ein bisschen aufzuwerten. Belanglose Spielzeiten, die gefühlt schon im Februar zu irrelevanten Partien führen, sind wirklich Gift für die Fanseele und die eigene Motivation. Ich identifizierte die Anreise als eine einfache, aber wirksame Möglichkeit das Spiel noch einmal ein bisschen aufzuwerten. In den Tagen vor dem Spieltag guckte ich bang auf den Wetterbericht- aber Stück für Stück wurde die Prognose robuster: Das Wetter wird mitspielen.

So ging ich am Vorabend recht zeitig ins Bett, denn bereits um 05:15 sollte mein Wecker klingeln. Schlussendlich wurde ich durch die freudige Aufregung sogar einige Minuten früher wach. Nach den letzten Vorbereitungen schwang ich mich auf mein Fahrrad und steuerte den treuen Begleiter in Richtung Magdeburg. Die Stimmung mit der aufgehenden Sonne über der Havel war magisch- auch wenn Schwärme an Insekten die Magie schnell in einen existenziellen Kampf umwandelten. Kurz vor Werder wechselte ich dann auf die B1, die mich bis hinter Brandenburg bringen sollte.

Es gab durchgehend Fahrradwege und die Ortsdurchfahrten konnte ich ohne Probleme auf der Straße bewältigen, da praktisch noch kein Auto unterwegs war. So machte ich fleißig meine Meter und machte nach knapp 50 Kilometern meine erste größere Pause. Im Anschluss ging es über eine kleine Straße durch einen Wald, was wirklich auch sehr schön war. In der Folge verließen mich dann die Radwege und ich musste knapp 25 Kilometer auf der Landstraße abspulen. Durch den kaum vorhandenen Autoverkehr war das aber auch absolut kein Problem. Ein größeres Problem war ein komplett versandeter Feldweg, der mir für knapp 10 Kilometer Nerven und Tempo raubte.

Mein Zeitpuffer war jedoch ausreichend und die letzten 15 Kilometer waren wieder wirklich schön. Gegen 12:40 rollte ich auf den Gästeparkplatz und der Südberliner und Nemo begrüßten mich frenetisch. Das war schon ein wirklich schöner Moment! Ich tauschte mein Fahrradtrikot gegen ein Herthashirt und dann ging es hinein. Die Kontrolle beschränkte sich auf einen Schulterklopfer und am Bierstand tranken wir noch in kleiner und netter Runde ein Radler (selten passte es so gut!).

Für Magdeburg ging es heute noch um wichtige Punkte für den Klassenerhalt. Block U zeigte einen gewohnt starken Auftritt mit extrem hoher Mitmachquote. Dazu gab es auch einige Fahnen in der Heimkurve- was ja doch einen deutlichen Bruch zum Auswärtstifo in den letzten Jahren im Olympiastadion darstellt. Komplett geflasht war ich nicht- aber das lag vermutlich eher wieder an meiner Erwartungshaltung.

Mir war etwas bang mit Blick auf unseren Auswärtssupport vor dem Hintergrund der Bedeutungslosigkeit des Spiels. Diese Sorgen hätte ich mir nicht machen müssen, denn einmal mehr zeigte die Ostkurve Hertha BSC, dass sie stimmungstechnisch eigentlich immer die Herausforderungen annehmen kann. Das war ein überraschend guter Support mit beachtlicher Lautstärke und einem deutlich wahrnehmbaren Spaß bei allen Beteiligten.

Auf dem Spielfeld war das erneut der erwartbare Auftritt. Hertha hat keinerlei Lösungen für den Ballbesitz parat. Bei der vermeintlichen individuellen Qualität der Offensivspieler kaum nachvollziehbar. Gegen den Ball steht man weitestgehend gut- ist aber in jedem Spiel mindestens für 1-2 Totalaussetzer gut. Unter diesen Voraussetzungen ist das Resultat dann im Vorfeld so gut wie klar. Magdeburg nutzte den Fehler eiskalt und brachte dieses 1:0 sicher über die Zeit. Langsam, aber sicher steigt in mir wirklich die Wut über diese Mannschaft.

Einmal mehr gab es eine konstruktive Reaktion gegenüber der Mannschaft, was deutlich spürbar viel Selbstbeherrschung erfolgte. Diese „staatstragende“ Haltung gefällt offensichtlich nicht mehr vielen Leuten und die Mannschaft kann die Schuld nur bei sich suchen, wenn die Stimmung dann irgendwann endgültig kippt und der Block mal explodiert. Die Auftritte sind einfach erbärmlich und der Herthafahne nicht würdig.

Nach dem Spiel war ich dann mit meinem Fahrradtrikot und meinem Drahtesel der Chef und bekam auch dank meiner freundlichen Begleiter viel ungefragtes Feedback. Die Staatsmacht sperrte dann „meine“ Straße für die Shuttlebusse und ließ erst niemanden durch. Bei mir klappte es dann aber nach der Abfahrt der Busse, denn „sie haben ja gar keinen Fußballbezug“. Liebe Grüße! Ich steuerte den erstbesten Dönerladen an, lud meine Nahrungsreserven und meine Handybatterie auf. Dann ging es auf dem Seitenstreifen der Landstraße in Richtung Burg. Aufgrund einer geschlossenen Schranke überholte ich dann teilweise sogar noch die Neuner und Busse- akward! Ich entschied mich dann für den Zustieg in Burg in den Regio und war mir bereits bewusst, dass dieses Vorhaben ambitioniert sein könnte. Den ersten RE musste ich aufgrund Überfüllung vorbeifahren lassen und fuhr noch einmal in die runtergerockte Innenstadt von Burg und versüßte mir die Zeit mit einem Eis. Im nächsten Regio klappte dann der Zustieg und als Ölsardine ging es zurück nach Potsdam.

150 Kilometer geradelt und definitiv den Spieltag deutlich aufgewertet. Liebe Grüße auch an die andere Gruppe Herthaner, die genau die gleiche Idee hatte. Hertha BSC, Sektion Fahrrad!

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