22.08.2026 1. FC Saarbrücken- Hertha BSC 2:4 n.E.

DFB Pokal

Zuschauer: 15.500

Ludwigparkstadion: Saarbrücken

Das Pokalwochenende hielt mich gedanklich auf Trab. Keine der Anreiseoptionen überzeugte mich so richtig. Immer wieder guckte ich nach möglichen Optionen und nach Kombinationsmöglichkeiten- aber nichts verhaftete in meinem Gehirn. Auch die Wahl des Verkehrsmittels war komplex. Eine Sonderzugfahrt bis nach Saarbrücken erschien mit meinem Männlichkeitslevel nicht vereinbar. Die Aussicht auf 24 Stunden wach und diese lange Fahrt im Zug, schaffte ich einfach nicht. Nemo stellte die Möglichkeit eines Autos in den Raum und so war das lange Zeit die Arbeitshypothese. Mit Blick auf die Spritpreise und die Länge der Fahrt rumorte diese Entscheidung dennoch etwas in mir nach. Als Nemo in der Mitte der Woche jedoch auf Krankheit verwies, schmiss ich den Plan noch einmal um. So sollte es dann am Samstagmorgen mit Bahn Bonus Punkten mit dem regulären Zug in Richtung Saarbrücken gehen. Nach einer Nacht wollte ich noch einen Zwischenstopp in Hannover einlegen. Soweit der Plan.

Um 04:00 klingelte der Wecker und trotz dieser Brutalität, bedeutete das wichtige zwei Stunden mehr Schlaf, verglichen mit der Sonderzugvariante. Der ICE war erstaunlich voll- was vermutlich auch daran lag, dass es die einzige, sichere Anreiseoption mit dem ICE war. Ich hatte mir den richtigen Zugteil ausgesucht und so war es relativ ruhig und ich war so müde, dass ich sogar untypischerweise noch ein bisschen döste. Die Fahrt nach Mannheim verlief entspannt und gemeinsam mit den anderen Herthanern musste ich etwas sprinten, um den Regio nach Saarbrücken zu bekommen. Das gelang- und da die Bahnapp mir das nicht zutraute, gab es am Ende sogar die Hälfte der Bahnbonuspunkte zurück. Grazie mille!

Mit leichter Verspätung fuhren wir dann in Saarbrücken ein und mein Hotel für die Nacht war leider noch nicht bezugsfertig und die Szenerie am Check-In chaotisch. Kurioserweise traf ich die Fanbetreuung dann aber im Fahrstuhl. Ich entschied mich also für ein Mittagessen, das lecker- aber heillos überteuert war. Das Preisniveau in Deutschland ist mittlerweile echt krass. Schon häufiger blieb der Preisschock in vermeintlich teuren Ländern wie der Schweiz, Finnland oder Norwegen aus. Das liegt wirklich an der krassen Preisentwicklung der letzten Jahre in Deutschland.

Ich nervte das Hotel dann noch einmal und im dritten Anlauf bekam ich dann noch mein Zimmer. So konnte ich kurz noch die Klamotten ablegen und dann zu Fuß zum Stadion gehen. Die Polizeipräsenz war enorm hoch- aber da der Sonderzugmob bereits im Stadion war, blieb mein Weg ereignislos. Der Einlass war dann auch verwaist und so war ich innerhalb von einigen Augenblicken im Block. Am Zaun traf ich Tschernie und wir tauschten die Neuigkeiten rund um die Anreise und die letzten Wochen aus. Dann quatschte ich noch kurz mit Na., von dem mich aufgrund der gewählten Aufteilung nur wenige Meter trennten. Sachen gibt es!

Zwar passte im vergangenen Jahr der Spielbesuch in Saarbrücken gut- trotzdem ärgerte ich mich fast ein bisschen, dass ich den Ground heute nicht mit Hertha kreuzen könnte. Abgesehen von der sportlich schwierigen Aufgabe, war das heute ein schickes Los. Beide Seiten starteten mit einer optischen Aktion in die Partie. Mit dem Motto „Hier steppt der Bär“ ging es bei uns los. Der Bär wurde dabei per Stangenkonstruktion nach oben befördert. Respekt an die Beteiligten, die in diesen stressigen Minuten die Ruhe behielten und das Bild am Ende perfekt machten. Im zweiten Schritt gab es mit Luftballons, Luftschlangen und Konfetti ein Chaos-Intro, das von etwas Rauch flankiert wurde. Gelungen!

Die Virage Est startete mit einer komplexen Choreo in die Partie. Zu Beginn wurde ein Spruchband am Dach der Kurve hochgezogen. Trotz intensivem Studium der Bilder kann ich nicht mit Sicherheit sagen, was auf dem Spruchband stand. „Ein getragener Verein“ ist mit 90% Sicherheit die Antwort, die ich einlogge. Zumindest stand der Spieltagsmarsch auch unter dem Motto und dieses wahnsinnige Wortspiel soll vermutlich auf die von der Fanszene angestoßene Umstrukturierung des Vereins anspielen. Im Anschluss wurde eine Blockfahne mit dem Saarbrücken Logo hochgezogen. Im unteren Bereich waren etliche Figuren aus der Fan- und Tierwelt (?) abgebildet. Das Gesamtbild sah beeindruckend aus- auch wenn mich die Motivauswahl nicht zu 100% abholte. Die Umsetzung war aber makellos.

Mit unserer Leistung im Gästeblock war ich nicht ganz zufrieden. Der Großteil des Nachmittags verlief auf einem passablen Niveau- ohne nennenswerte Ausreißer nach oben. Insbesondere da auf der gegenüberliegenden Seite ein spannender Gegner stand, den man nicht jedes Jahr trifft, hätte ich mir etwas mehr erhofft. Bei den Spruchbändern stach insbesondere das Kondolenzspruchband für einen Napoli-Fan heraus. Ruhe in Frieden! Mit Saarbrücken gab es eine gemeinsame Spruchbandaktion gegen den VAR im Rahmen dieses Aktionsspieltags. In der ersten Pokalrunde gibt es erfreulicherweise keinen VAR.

Die Virage Est würde ich ähnlich wie uns einschätzen. Vom Liedgut bekam man durch die eigene Laustärke leider nur wenig mit. Hier und da hörte man die Saarbrücker- die umliegenden Tribünen, konnten sie aber auch nur selten mitreißen. Nach dem gemeinsamen Wechselgesang gegen den DFB schickten sie noch beleidigende Grüße in den Gästeblock. Schelme!

Auf dem Spielfeld zeigte Hertha ein wirklich beeindruckendes Pokalspiel. Man war die klar bessere Mannschaft und drückte auf das Tor. Die Chancenverwertung war jedoch haarsträubend. So brauchte es einen Geniestreich von Seguin für die Führung. In der Folge verpasste man es zahlreiche Male das 2:0 zu machen. So kam es wie es kommen musste und Saarbrücken erzielte in der letzten Minute den Ausgleich. In der Verlängerung ließ Schuler weitere Topchancen aus. Dieser Mann treibt einen in die Verzweiflung. Auch der Neuzugang Alfa-Ruprecht gefiel mir insbesondere mit Blick auf die Körpersprache gar nicht. So ging es in das Elfmeterschießen. Bei Hertha verwandelten alle Schützen relativ souverän und Marius Gersbeck wurde mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Helden. Wichtig- denn beim Ausgleich sah er zumindest nicht glücklich aus.

Riesige Erleichterung stellte sich bei mir nach dem Abpfiff ein. Mit dieser Leistung zu verlieren, wäre wirklich bitter gewesen. So bleibt der perfekte Saisonstart weiter in Takt. Weiter so Jungs! Nach einer Weile verabschiedete ich mich dann, um noch vor dem Polizeikessel das Stadion zu verlassen. Ich deckte mich noch in einem Asia-Supermarkt ein, erkundete die Saar und aß dann noch einen Happen im schönen Teil der Innenstadt. Das Hotel teilte ich pikanterweise mit dem recht provokant auftretenden USK… Am nächsten Tag entschied die Bahn über mein Schicksal und so verzichtete ich auf den Spielbesuch in Hannover und war zu einer humanen Uhrzeit wieder zu Hause und freute mich meine Liebsten wieder in die Arme zu schließen.

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