28.08.2026 Eintracht Braunschweig- Hertha BSC 3:5

2. Bundesliga

Zuschauer: 21.883

Eintracht-Stadion: Braunschweig

Ich habe schon oft meine Freude über Freitagabendspiele zugegeben. Im besonderen Maße gilt das für Heimspiele. Bei der kurzen Auswärtsfahrt nach Braunschweig verspürte ich diese Freude ebenfalls- zumal somit das freie Wochenende perfekt zu den privaten Plänen passte. Danke DFL! Auf dem Hinweg wollte ich mir die Flexibilität bewahren und nutzte einfach das Deutschlandticket für die Anreise nach Braunschweig. Wirklich eine geniale Möglichkeit für Fußballfans. Meine Verbindung nutzten schätzungsweise knapp 50 Herthaner, sodass die Fahrtbedingungen auch halbwegs angenehm waren. Am Magdeburger Hauptbahnhof fiel mir auf, dass ein Zustieg in den Zug nach Braunschweig auch bereits in der Neustadt möglich wäre. So fuhr ich spontan wieder mit dem Zug zurück und konnte mir entspannt bereits einen Sitzplatz sichern, bevor es dann ziemlich voll wurde. Mit circa 15 Minuten Verspätung, erreichte ich Braunschweig.

Ich wollte die Zeit noch nutzen, um ein bisschen durch die Stadt zu schlendern. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit sprang ich in die erstbeste Straßenbahn, stieg am Schloss aus und lief dann ins Magniviertel. Braunschweig hat ja nicht unbedingt den Ruf als schönste Stadt- aber hier und da gibt es wirklich sehenswerte Orte und das Magniviertel gehört zweifelsohne dazu. In einem äthiopischen Café setzte ich mich auf die überdachte Terrasse und genoss von diesem Ort den Blick auf den einsetzenden Regen. Die Zeit drängte, sodass ich auf einen Imbiss für ein frühes Abendessen setzte. Dann ging es die letzten Meter die Hamburger Straße entlang zum Gästeblock.

Der Einlass erfolgte ohne Wartezeit- dafür mit sehr beherzten Griffen in die Nähe des Intimbereichs… Dann traf ich direkt Tschernie und untypischerweise griff ich sogar mal bei einem Getränk im Stadion zu. Für 5,50€ hatte man das Recht „Bierprodukte“ zu kaufen. Zur Wahl standen Radler und Bier mit Wasser. Vollbier wurde an diesem Tag nicht ausgeschenkt. Kurios! Dann ging es zügig in den Block und in der gewohnten Blockaufteilung auf einen sehr ähnlichen Platz wie vor einigen Monaten. Mir gefällt der Auswärtsblock und generell die Stadionathmosphäre in Braunschweig.

Ziemlich schnell lief dann auch die Mannschaft in Richtung unsere Blocks und der Anpfiff rückte immer näher. Hertha war präsent und machte ein wirklich gutes Spiel. Die taktische Ausrichtung war einmal mehr deutlich zu erkennen. Nach einem kapitalen Fehler von Kolbe blieb Braunschweig eiskalt und erzielte das 1:0. Nach einer weiteren Schlafeinlage nach einer Ecke stand es plötzlich 2:0. Hertha blieb dennoch gefährlich und spielte weiter nach vorne. Noch vor der Pause konnte ausgerechnet Thorsteinson den Anschlusstreffer erzielen. Nach einer Braunschweiger Ecke setzte sich Brekalo mit etwas Glück gegen den letzten Mann durch und zwirbelte den Ball aus 40 Metern am weit aufgerückten Torwart der Braunschweiger vorbei. Komplette Ekstase! In der zweiten Halbzeit riss Hertha das Spiel immer mehr an sich und konnte durch ein Eigentor und einen Elfmeter nach VAR-Eingriff auf 2:4 erhöhen. Das 2:5 konterte Braunschweig noch einmal und so lautete das Ergebnis nach einem spektakulären Spiel 3:5. Der komplette Wahnsinn!

Mit einer gemeinsamen Spruchbandaktion und einem nahezu gleichem Wortlaut forderten beide Fanszenen die Einführung des Kompassmodells. Der Gästeblock zeigte insbesondere zu Beginn einen wirklich guten Auftritt. Der Spielverlauf führte zu einem kleinen Dämpfer, ehe uns dann wiederum der Spielverlauf beflügelte und zu einem ausgelassenen Abend bei spektakulärem Wetter führte.

Die Südkurve Braunschweig zelebrierte an diesem Tag die „Übergabe“ des Vorsänger-Amtes und zelebrierte das 20-jährige Wirken von „Benny“. Bereits vor dem Spieltag nahm auch der Verein Anteil und ehrte Benny. In der Folge hatte ebenjener die Möglichkeit ein paar Worte über das Stadionmikrofon zu sagen und dankte auch Weggefährten aus Basel und Magdeburg. Die Kurve hängte einen großen „Danke Benny“ Banner an das Dach und feierte auch weit nach dem Abpfiff noch den Abschied. Aus zahlreichen Bereichen des Stadions gab es zudem noch Spruchbänder. Um das Ende der Halbzeit herum gab es wohl noch eine Auseinandersetzung mit dem Ordnungsdienst und der Polizei, die zu zahlreichen Vermummungen und etwas Hektik führte. Prominent war einmal mehr der Sampdoria Freundschaftsschwenker in der Heimkurve, der man heute durchaus einen guten Tag attestieren kann.

Nach dem Abpfiff kam die Mannschaft in die Kurve und wurde völlig verdient gefeiert. Danach sang sich die Kurve mit dem neuen Lied (Großartiger Text, große Atemnot!) in einen kleinen Rausch und holte noch einige andere besondere Lieder heraus. Flutlicht, ein weitestgehend leeres Stadion mit nur noch den beiden Kurven anwesend. Es war wirklich ein besonderer Augenblick. Als dann auch noch die Mannschaft noch einmal herauskam und kollektiv die Trikots in den Block warf, hatte man wirklich den Eindruck, dass hier gerade etwas besonderes entsteht. Bitte kneift mich nicht, lasst mich diesen Traum noch ein bisschen weiterleben.

Irgendwann ging es dann nach draußen und für mich schnurstracks an dem bereitstehenden Shuttlebus vorbei. Motto war wieder einmal das ideologisch wertvolle: Shuttlebus haram, Linientram halal. So ging es mit den zerknirschten, aber angenehm ruhigen Braunschweigern zum Bahnhof. Im absolut großartigen Edeka deckte ich mich noch für die Rückfahrt ein und fuhr dann mit einer bekannten Person gemeinsam mit dem ICE zurück. Kurz vor Wolfsburg schlichen wir nur noch über die Gleise, sodass wir bis Spandau unsere Fahrzeit verdoppelt hatten. Mit nur ein bisschen Scham und einem gewissen Stolz, kann ich davon berichten auf den Uber-Knopf gedrückt zu haben und dadurch kurz vor 1 im Bett war. Wichtig und richtig!

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