2. Bundesliga
Zuschauer: 53.419
Olympiastadion: Berlin
Intrinsische Motivation war an diesem Spieltag schwer zu finden. Zu tief saß der Stachel nach den Ereignissen der Vorwoche, zu wenig Glaube an die Mannschaft spürte ich. Eigentlich war mir klar: Wir haben hier heute die Chance richtig ranzurücken- das heißt wir werden das Spiel vermutlich vergeigen. Hertha folgt seit Jahren mit beeindruckendem Eifer dem bekannten Script.
Aufgewertet wurde das Spiel dann erheblich durch die Begleitung. Mit dem Klabauterkeaper und dem Mini-Ha-Ho-He ging es nach einem netten Frühstück mit dem Fahrrad zum Potsdamer Hauptbahnhof. Der Nachwuchsherthaner ließ es sich nicht nehmen die Fahne auf dem Fahrradrücksitz in den Wind zu recken und erntete zahlreiche freundliche Blicke und auch das eine oder andere Ha-Ho-He. Für diese Momente macht man doch den ganzen Quatsch! Wir erreichten dann problemlos das Olympiastadion und erstmals in dieser Saison schaffte ich es am Spieltag das temporär an mich übertragene Auswärtsabo abzuholen. Dann ging es hinein und bei dem herausragenden Wetter lud die Wiese förmlich zum Verweilen ein. Bei gutem Besuch und Fußball rückte der Anpfiff immer näher und ich verabschiedete mich in die Kurve.
Die Heimzaunfahne wurde aufgrund des Logos (identisch zu dem entwendeten Doppelhalter) nicht aufgehangen und blau-weißer Stoff sorgte zumindest dafür, dass das Loch nicht ganz so brutal über der Kurve klaffte. Kreisel fand dann einmal mehr die richtigen Worte für die derzeitige Lage und schaffte es dennoch an die Gemeinschaft der Kurve zu appellieren, um gemeinsam aus dieser Krise herauszukommen.
Gerade weil ich glaube, dass die Worte nicht nur mit mir räsonierten- war ich danach über den Auftritt der Kurve enttäuscht. Über weite Strecken war das bestenfalls Dienst nach Vorschrift. Nach dem Rückstand war völlige Teilnahmslosigkeit wahrzunehmen und trotz zahlreicher Ansprachen konnte sich gar kein Lied mehr so richtig festsetzen. Bei allem Verständnis über das Motivationsloch nach den Vorfällen: Gerade nach der Ansprache von Kreisel hätte ich mir eine andere Reaktion von den meisten Kurvengängern erhofft.
Die Gegenseite agierte auf einem ähnlichen Niveau. Erstmals in dieser Saison nahm Kaiserslautern nicht das gesamte Gästekontingent ab und im Oberring und auch an den Rändern des Unterrings zeichneten sich deutliche Lücken ab. Die Gäste präsentierten noch einige Ostkurven-Pullover (wahnsinnig bitter nach den Vorfällen der letzten Woche) – traten sonst aber absolut nicht in Erscheinung. Das war ebenfalls wirklich nicht gut.
Auf dem Platz hielt sich Hertha einmal mehr an das oben angedeutete Script. Hertha hatte mehr vom Spiel- aber wie so oft wurde eine Ecke nicht zu Ende verteidigt und man kassierte durch zu zaghaftes Verteidigen das 0:1. In der Folge erspielte man sich sogar noch einige Chancen- scheiterte jedoch wahlweise am überragenden Krahl oder am Innenpfosten. Hertha, du nervst!
Die Mannschaft wurde zügig verabschiedet und schnell ging es nach draußen. Ich traf die beiden anderen wieder und nach einer kurzen Verweilpause auf dem Rasen, ging es für uns nach Charlottenburg, wo es endlich mal wieder zum Portugiesen ging. Ein wahnsinnig schöner Tag- wenn Hertha nicht gewesen wäre.
