2. Bundesliga
Zuschauer: 47.280
Olympiastadion: Berlin
Der Terminierungsgott meinte es in diesem Jahr relativ gnädig mit mir und ermöglichte eine Teilnahme an den zwei großen Familienevents dieses Jahres, ohne ein Spiel verpassen zu müssen. Als kleinen Nadelstich wurde das Spiel jedoch auf den Samstag gelegt, was einen frühen Aufbruch aus Münster bedeutete. Trotz eines für meine Verhältnisse langen und süffigen Abends, hielten sich die Wehwehchen am Morgen in Grenzen und dank eines Weckers in Kindgestalt, konnte ich mich zumindest noch anständig verabschieden, ehe es in den Zug ging.
Mit dem extrem leeren Regio ging es nach Osnabrück und dort gelang durch einen kleinen Galopp der Zustieg in den ICE nach Berlin. Die Fahrt war dann sehr entspannt und überpünktlich rollten wir in Spandau ein. Dort ersprintete ich die S-Bahn (die danach wäre ausgefallen- Big!) und kam somit sogar vor 12:00 am Olympiastadion an. Natürlich waren die Leute zu diesem Zeitpunkt aber bereits im Stadion, sodass meine halbherzigen Versuche meinen Rucksack in ein Auto zu bekommen, versandeten. Früher hätte ich mich über die 5 Euro schwarz geärgert- heute war es mir in Anbetracht meines großen Rucksacks, ziemlich egal.
Dann ging es rein und es reichte sogar noch für eine kleine Verkaufsphase bei den Klebern. Machte Spaß wie immer und anschließend ging es runter in die Kurve. Das war völlig verfrüht, denn aufgrund der Vielzahl der Leute, die bei „Spendet Becher, Rettet Leben“ eingebunden waren, war der untere Bereich extrem leer. So quatschte ich noch mit meiner Sitznachbarin und langsam, aber sicher kamen doch ein paar Leute in den Block.
Dieser erste Eindruck, verdichtete sich dann aber im gesamten Spiel. Teilweise stand ich gefühlt alleine in der Reihe. Meine gewagte Prognose: Ein bisschen begünstigte die Unlust auf dieses Spiel, sicher auch in den Eifer, Becher im Stadionumlauf sammeln zu gehen. Ein paar Personen im unteren Bereich, hätten der Kurve sicher ebenfalls gut zu Gesicht gestanden. So war es ein erneut eher lahmer Auftritt der Kurve- nicht annähernd so wie gegen Kaiserslautern- aber sicher auch keine Glanzleistung.
Kiel flaggte den unteren Bereich des Blocks ab und sorgte somit für einen kompakteren Eindruck im Unterring. Die Zettelchoreo ging etwas in die Hose und das Motiv (vermutlich 1900) war kaum zu erkennen. In der Folge war das ein ordentlicher Auftritt, der aber auch nicht länger in Erinnerung bleiben wird. Bitter wie viele Gästeszenen jetzt aber schon völlig ekstatisch Siegtreffer bei uns gefeiert haben.
Hertha versuchte heute etwas aktiver zu spielen und kam dadurch auch zu mehr Chancen. In Begeisterung brach ich dadurch aber nicht aus. Gerade der Gegentreffer passte einmal mehr in das Muster der Saison. Zudem ist es einfach unbegreiflich warum in dieser bedeutungslosen Phase, nicht wenigstens der eine oder andere Spieler keine Minuten bekommt, der eine Perspektive bei Hertha BSC hat. Das hat nichts mit „Minuten verschenken“ zu tun, sondern wäre einfach strategisch sinnvoll mit Blick auf die kommende Saison. Diese „Unlust auf Jugend“ und der biedere Spielstil sind für mich die stärksten Argumente gegen Stefan Leitl. Verwunderlich, dass er dennoch bereits eine Jobgarantie für die kommende Saison hat.
Die Mannschaft übergab ebenfalls Geldspenden für die Aktion des heutigen Tages und wurde dann auch unter einzelnen Pfiffen, schnell verabschiedet. Bei mir kickte die Sehnsucht nach Erholung unmittelbar nach dem Abpfiff ein. Die Aussicht auf eine leere Wohnung und einen terminfreien Samstagnachmittag, lösten fast schon absurde Glücksgefühle aus. So ging es mit dem Rad nach Grunewald und von dort in den wohlverdienten Erholungssamstag.
