Regionalliga West
Zuschauer: 1.423
Sportpark Nord: Bonn
Mein letzter Besuch im Sportpark Nord war bereits knappe fünf Jahre her und seitdem hat sich beim Bonner SC einiges getan. In meiner Bonn-Zeit zwischen 2018 und 2021 lag die aktive Fanszene mehr oder weniger brach und bis auf die Meckerfraktion auf der Haupttribüne gab es kaum organisierte Supportversuche. Auch im Stadtbild war der Bonner SC quasi kein Faktor und gefühlt teilten sich diverse Exilanten die Stadt auf. Das hat sich deutlich geändert und mittlerweile ist der Bonner SC mit Aufklebern und Graffitis durchaus im Stadtbild wahrnehmbar.
Vor diesem Hintergrund freute ich mich wirklich sehr auf das Spiel am Dienstagabend. Ich holte mir noch einen Dürum und genoss diesen im strahlenden Sonnenschein des Hofgartens. Ich war mir dann sicher den Weg zu kennen und fuhr einfach los. Die Zeitplanung war mal wieder knapp und so guckte ich doof aus der Wäsche, als ich feststellte die falsche Straße genommen zu haben. Ups!
Zum Glück wurde einmal mehr mit Verspätung gestartet, sodass ich den Pfiff immerhin noch hörte. Das sollte mir reichen. Den Ticketpreis fand ich mit 12€ noch in Ordnung- aber 5 € für ein Kölsch fand ich schon echt frech für Regionalliganiveau. Zum Glück hatte ich bereits gegessen, denn eine Curry+Pommes hätte ebenfalls 10€ gekostet. Ich suchte mir einen Platz recht nach am Stimmungskern und war wirklich positiv überrascht.
Der Haufen findet sich in Block A ein und in der Außenkommunikation fungiert auch das Label Block A als Sammelstelle. Führende Gruppe scheinen die „Allegro con Brio“ Ultras zu sein. Google klärte mich auf: „Allegro con brio ist eine musikalische Vortragsbezeichnung aus dem Italienischen, die „schnell/fröhlich mit Schwung“ oder „lebhaft/feurig“ bedeute“. Passt zur Beethovenstadt, I guess!
Der junge Haufen hatte viel Material dabei, das ständig in der Luft war. Dazu viel Bewegung und was mich sehr überraschte: Ein wirklich ansprechendes Liedgut. Die Melodien hat man schon mal hier und da gehört- aber textlich waren da viele Eigenkreationen dabei. Das gefiel mir wirklich gut. Generell auch einfach sehr erfreulich, dass Ultrà wieder in Bonn einzieht. Ich bin gespannt, wie sich die Gruppe entwickelt. Als Gegner auf den Rängen hat man anscheinend Siegen ausgemacht. Für das Spiel am Samstag wurde zum gemeinsamen Erscheinen in „Blau“ aufgerufen. Auch in einem Lied wurden die Siegener verflucht. Interessant! Sehr uncool, wie die Polizei konsequent in den Block filmte. Das macht sicher auch etwas mit sehr jungen Protagonisten.
Die Gäste aus Oberhausen enttäuschten mich hingegen. Höchstens 200 Leute fanden sich im Block ein und der Auftritt riss wohl niemanden vom Hocker. Merkwürdig, denn der Aufstieg war zumindest noch eine theoretische Möglichkeit.
Bonn machte ein schönes Spiel und bot Oberhausen Paroli. Die Gäste gingen in Führung- aber Bonn gab sich nicht auf. Der Ausgleich war hochverdient und am Ende das 1:1 auch ein gerechtes Endergebnis. Damit kann Oberhausen den Aufstieg nun praktisch abhaken. Für mich ging es dann mit dem Nextbike in die Wohnung und ich war einmal mehr geflasht vom Spiel der Bayern. Das sieht aus wie ein anderer Sport mittlerweile. Wirklich krass.

