2. Bundesliga
Zuschauer: 26.750
Bielefelder Alm
Was für einen besseren Moment soll es geben als einige Tage später am Bielefelder Hauptbahnhof diesen Bericht zu starten? Aber dieser Zufall von Erzählzeit und erzählter Zeit soll Euch nicht weiter tangieren. Das Ortsschild des Bahnhofs erinnert mich aber mit Wucht an die Demütigung, die wir als Herthaner einmal mehr erleben mussten. Was war passiert?
Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich mit Lust in diesen Spieltag ging. Wir hatten bereits vor der Ankündigung des Sonderzuges unsere Züge gebucht und einen Familienbesuch eingeplant. Daher reisten wir per Regionalbahn aus der Provinz an und liefen dann vom Bahnhof zum Stadion. Die Lage der Alm ist wirklich überragend und macht jedes Mal aufs Neue riesigen Spaß. Ich erreichte dann den Gästeparkplatz und wusste bereits zu diesem Zeitpunkt, dass ich erneut ein Problem mit meiner Karte hatte, denn der Sitzer und der Stehplatzblock sind durch einen Zaun voneinander getrennt. In der Hektik übersah ich den Südberliner und vermasselte vermutlich leichtfertig die einfachste Chance auf einen Blockwechsel. Sorry!
In der Folge kam es am Trennzaun zum erwartbaren Krimi unter Einbeziehung von Tschernie, der Fanbetreuung und zahlreichen anderen Leidgenossen. Ein Erfolgserlebnis war nicht in Sicht. Wir hatten schon fast aufgegeben und waren bereits kurz im Steher- als meine Sturheit wieder reinkickte und ich zurück an den Zaun ging. Letztlich vermittelte die Fanbetreuung noch einen weiteren Geiseltausch- indem Personen im Verhältnis 1:1 die Sektoren tauschen durften. Danke Nico!!!
Alleine für das Gesicht von Tschernie hatte sich dann die Hartnäckigkeit gelohnt. Im Sitzer war ich bisher auch noch nie und die Sicht ist dort definitiv besser als in dem merkwürdigen Eckblock. Unser Support war am heutigen Tag leider nicht gut. Alle Bereiche schienen ordentliche Motivationsprobleme zu haben und so entsprach das nur selten unseren Ansprüchen. Lediglich die Spruchbänder von HB heiterten den Auftritt etwas auf.
Die Bielefelder starteten frenetisch in die Partie. Fast alle Tribünen stiegen mit ein und es wurde wirklich brachial laut. In der Folge flachte die Stimmung dann deutlich ab. Ich erklärte das vor allem mit dem Spielverlauf und der einsetzenden Spannung. Auch mit dem Kantersieg, fehlte dann jedoch die ganz große Begeisterung und die Ausbrüche nach oben. Dennoch ein guter Heimauftritt.
Das eigentliche Problem spielte sich jedoch auf dem Rasen ab. Bielefeld war die bessere Mannschaft aber in der ersten Halbzeit hielt Hertha immerhin dagegen. Dank eines starken Ernsts und einem Kopfballtreffer von Gechter ging man mit einer glücklichen 0:1 Führung in die Pause. In der zweiten Halbzeit war Hertha quasi nicht mehr auf dem Platz. Die Intensität war komplett weg und einmal mehr pennte man auf peinlichste Art und Weise bei Standards. 6:1 schoss uns die Arminia am Ende vom Platz und damit war man tendenziell noch gut bedient.
Nach dem Spiel gab es dann die überfällige klare Reaktion gegenüber der Mannschaft. Es gab abwertende Gesten, Pfiffe und spontane und extrem laute „Leitl raus“ Rufe. Wenn man ehrlich ist, dann hätte diese Mannschaft diese Reaktion schon weitaus früher verdient gehabt. Grundsätzlich geht man jetzt mit zahlreichen Fragen in die Sommerpause:
- Kontinuität in allen Ehren: Man merkt aber auf allen Ebenen, dass Stefan Leitl nicht der richtige Trainer für Hertha BSC ist. Mit Ball ist praktisch keine Weiterentwicklung seit seinem Amtsantritt zu sehen und defensiv bleiben die bekannten Schwächen der Standardverteidigung gepaart mit regelmäßigen individuellen Fehlern. Mit diesem Fußball wird man nicht aufsteigen können und es passt auch nicht zu dem geplanten und propagierten Spielstil von Hertha BSC. Dazu kommt, dass Leitl praktisch keine Talente weiterentwickelt hat. Wie passt das zum Berliner Weg und zum vermeintlichen „Ausbildungsverein“?
- Diese Mannschaft muss weg! Ich schaffe nicht noch eine weitere Saison mit der Körpersprache und dem Spielstil von Fabian Reese. Dieser permanente Eigensinn, die Verweigerung der Defensivarbeit und das nazistische Verhalten. Ich kann und will es nicht mehr sehen. Das gilt auch für weitere vermeintliche Topspieler, die Woche um Woche nicht performen.
- Was geht bei Peter Görlich? Görlich kam mit vielen Vorschusslorbeeren und war am Anfang vermeintlich klar in der Analyse. Seitdem hat sich nichts geändert und seine Ausführungen werden immer diffuser ohne konkrete Veränderungen zu benennen. Die frühe Festlegung auf Stefan Leitl und die fehlende Korrektur kratzen ihn erheblich an. Wir wissen doch jetzt schon alle, wer am 6. Spieltag seinen Trainer entlässt und die ganze Sommervorbereitung verschenkt hat.
Zu guter Letzt möchte ich diesen Artikel noch nutzen, um meine Empörung auszudrücken, dass Hertha keine Berufung gegen das Urteil nach den Vorfällen in Dresden einlegt. Mit dem Urteil der Personalisierung der Tickets und der nur Gästeblockauslastung von 50% sind wir im Zeitalter der Kollektivstrafen zurück. Dynamo legte unmittelbar Berufung ein. Ich finde es beschämend, dass Hertha darauf verzichtet und somit defacto Leuten den 34er in der kommenden Saison zerschießt! Damit schicke ich Euch in die überfällige Hertha-Sommerpause und halte Euch natürlich in den nächsten Wochen mit dem einen oder anderen Hoppingbericht auf Trab. Ha Ho He!
