Regionalliga Nord
Zuschauer: 3.172
Stadion an der Lohmühle: Lübeck
Als Freak, scrolle ich regelmäßig durch die Spielpläne der verschiedenen Ligen. Die englische Woche in der Regionalliga Nord sprang mir ins Auge. An einem Dienstagabend sollte der VFB Lübeck gegen den VFB Oldenburg spielen. Der August ist bei mir arbeitsmäßig traditionell ruhig und Lübeck recht schnell zu erreichen. Außerdem kramte ich eine dunkle Erinnerung aus meinem Hinterkopf hervor: Gab es nicht zwischen Oldenburg und Lübeck etwas Action? Einer dieser furchtbaren Youtube-KI-Kanäle bestätigte diese Erinnerung. Kurze Zeit später hatte ich mir eine Karte für das Spiel gesichert.
Etwas Zeit verging und ich erinnerte mich daran, dass Groundhopper zwar vermutlich eine Prädisposition zum Einzelgängertum haben, aber man dies auch durchbrechen kann. Also fragte ich bei den beiden Ha-Ho-Hes an und der Südberliner war sofort zu begeistern. Nemo lehnte aus fadenscheinigen Gründen ab. Am Wochenende vor dem Spiel fragte dann auch plötzlich Na. „Das Spiel ist nichts für Dich, oder?“ Somit hatten wir zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten Tickets gekauft und saßen dennoch nebeneinander. Das lag auch am schleppenden Vorverkauf, denn Lübeck meldete am Vorabend des Spiels „nur“ 1.500 verkaufte Tickets. Schlussendlich waren es durch die Tageskassenkäufer aber über 3.000 Zuschauer.
Für den Südberliner und mich ging die Reise im Berliner Norden los. Kurze Zeit später waren wir auf der Autobahn und kamen komplett störungsfrei in den Norden. Der Südberliner hatte den perfekten Parkplatz ausgewählt und so parkten wir genau zwischen Stadt und Stadion. Nach etwa 15 Minuten Fußweg hatten wir die auf einer Insel liegende Altstadt erreicht. Ich war als Jugendlicher mal in Lübeck, sodass es an der Zeit war die Erinnerungen wieder aufzufrischen. Wir drehten eine kleine Runde und sammelten dann Na. ein, der aus dem schönen Niedersachsen per Zug angereist war. Im zweiten Anlauf, entschieden wir uns für ein kleines Restaurant und ergatterten einen schönen Tisch mit Blick auf die Trave (Na klar, wusste ich wie der Fluss heißt!). Bei Ofenkartoffel und Wein (zumindest für mich) quatschten wir über die drängendsten Themen nach der Sommerpause. Dann war die Zeit schon erstaunlich fortgeschritten und wir liefen zum Stadion.
Die Situation in Lübeck ist verworren. Der Verein vermeldete, dass in der Sommerpause ein Mediator eingeschaltet wurde. Bisher jedoch ohne durchschlagenden Erfolg. Auswärts wird das Gästekontingent oft nicht mehr abgenommen. Zu Hause bleibt die eigentliche Pappelkurve geschlossen und den Halunken sowie dem UKL werden alternative Blöcke angeboten. Selbst die Anreisewege sind geregelt, um ein Aufeinandertreffen zu vermeiden. Im Stadion stellte sich dann heraus, dass es sogar drei verschiedene Standorte gibt. Das UKL befindet sich in einem Block neben der Pappelkurve. Auf der anderen Seite der Pappelkurve befinden sich die Vitalienbrüder. Die Halunken haben einen Block auf der Gerade in der Nähe des Gästeblocks. UKL und Halunken supporteten beide unabhängig voneinander die Mannschaft. Die Vitalienbrüder schwenkten fast durchgängig eine Fahne ohne zu supporten.
Wie so oft sind die Hintergründe des Konflikts schwierig zu bewerten. Als educated guess spielt Politik sicher eine Rolle und ich würde behaupten, dass ich mich ideologisch näher beim UKL befinde. Auch der Auftritt gefiel mir besser. Die Gruppe verzichtet derzeit auf seine Zaunfahne und verwendet nur Zaunfahnen mit Vereinsbezug. Es gab ein kleines Intro und in der Folge durchgängigen Support. Melodisch waren das jetzt keine Festspiele, aber es war in Ordnung. Der Mob war auffallend jung. Die Halunken waren von unserem Platz aus schwierig zu bewerten.
Ein kleiner Downer war der fehlende Support im Gästeblock. Der sehr junge Haufen stand im Block und schwieg. Auch im Nachgang gibt es kaum Informationen zum Grund des fehlenden Auftritts. Der Buschfunk sprach von einer überhangenen Werbebande. Nach einer Ansprache des Ordnungsdienstes entschied man sich wohl für das Abhängen der Fahne und den Stimmungsboykott. Falls das stimmt- merkwürdig gelöst und für uns als neutrale Zuschauer war es bitter. So kam so gar keine Derbystimmung auf. Auch auf dem Feld war es nicht besonders hitzig und schiedlich, friedlich wurden sich die Punkte geteilt. Derby, immer X!
Wir gingen kurze Zeit später zum Auto und hier wurde schon ein bisschen geglotzt. Es wirkte aber eher so, dass die beiden Fraktionen sich gegenseitig scannten und keine Hopperjagd veranstaltet wurde. Mit kurzweiligen Gesprächen verging die Fahrt zügig und kurz vor Mitternacht erreichte ich die heimischen vier Wände. Danke für diesen schönen Dienstag!







