Oberliga Niedersachsen
Zuschauer: 489
Waldstadion: Nordhorn
Wir bretterten über eine Landstraße und waren in ein Gespräch vertieft, als das Navi uns entschieden signalisierte, dass wir einen Fehler gemacht hätten. Der Südberliner handelte geistesgegenwärtig und nach wenigen Augenblicken konnten wir die Richtung wechseln. Ein kleiner Pfad Marke Fahrradweg sollte uns also zum Waldstadion in Nordhorn bringen. Das Navi verstand seinen Job aber gut und so lenkten wir wenige Augenblicke später das Auto auf den Parkplatz. 16:29 betraten wir den Sportplatz, wo die Mannschaften gerade erst aus der Kabine trotteten. Wir kratzten unser letztes Bargeld zusammen und dank der entschlossenen Ermäßigungserschleichung reichte es gerade noch für zwei Eintrittskarten. Nun war aber Leere im Portemonnaie angesagt, was angesichts der fanfreundlichen Preise auf dem Gelände ein echter Jammer war.
Mit einem Auge betrachteten wir das Geschehen auf dem Spielfeld- aber die Gedanken kreisten doch immer wieder zurück zu Pommes und Spaßgetränk. Im zweiten Anlauf klappte dann die Bargeldbeschaffung. Ein Norddeutscher, der natürlich Malte hieß, half uns unkompliziert aus und tauschte Bargeld gegen Pay-Pal Überweisung. Vielen Dank! Mit 20€ in der Tasche war man auf dieser Sportanlage ein gemachter Mann. Also ab an dem Pommesstand, wo wir zuvor ebenfalls abgeblitzt waren und selbstbewusst Pommes bestellt. Wir sind wieder wer!
Nach der Halbzeit wechselten wir dann in die Nähe des Vereinsheimes. Die Frau dort war super entspannt und hatte nichts dagegen für uns die Auslosung anzumachen. Es muss schon ein Anblick für die Götter gewesen sein, wie sich gegen 18:00 zwei Herthaner in Nordhorn in den Armen lagen, nachdem Bastian Schweinsteiger Jeddeloh für uns aus dem Top gefischt hatte. Spiel in Oldenburg gegen einen Regionaligisten in der zweiten Runde, endlich mal ein neuer Ground mit Hertha. Da sagst Du nicht nein.
Das Spiel war recht unterhaltsam. Bei Wilhelmshaven spielte ein gewisser Yanni Regäsel, der 2015 unter Pál Dárdai sein Bundesligadebüt für die alte Dame gegeben hatte. Bereits nach wenigen Monaten, noch in der Wintertransferperiode, folgte der überstürzte Wechsel nach Frankfurt. Im Nachhinein wirklich eine ziemlich traurige Karriere mit nur 16 Bundesligaeinsätzen und Vereinen wie Rot-Weiß Koblenz, Westfalia Herne und Tus Bövinghausen in der Vita. Mit mittlerweile 30 Jahren kickt Regäsel also in der Oberliga Niedersachsen und macht hier und da mit wilden Interviews abseits des Platzes auf sich aufmerksam.
Der Südberliner nahm den frühen Wechsel des jungen Yanni damals noch deutlich persönlicher und hämmerte einen Spruch nach dem anderen über den Sportplatz. Auf dem Feld endete die Partie nach einem intensiven Spiel 2:2.
Auf der Heimseite gab es konstanten Support durch einen Haufen von 15-20 Kindern. Diese nahmen ihren Auftrag durchaus ernst und waren mit einheitlichen Fischerhüten, Trommel und Megafon ausgestattet. Sah spaßig aus und war gänzlich cool und ohne jegliche Peinlichkeit. In Halberstadt hatte ich mal einen ähnlichen Kinderhaufen. Spannend zu sehen, ob sich so etwas irgendwann einfach auflöst, sich trägt oder die Kids dann doch mittelfristig in die größeren Kurven im Umland führt.
Dann ging es für uns zurück und es war geradezu lächerlich wie beseelt wir von diesem Ausflug in die niedersächsische Provinz waren. Gerade das Spiel in Nordhorn war einfach so schön und entspannt, dass ich noch einige Tage von diesem Gefühl zehren konnte. Danke für diesen Tag!


