06.09.2026 Hertha BSC- 1. FC Magdeburg 2:1

2. Bundesliga

Zuschauer: 60.569

Olympiastadion: Berlin

Klar- Spiele gegen den großen FC Magdeburg sorgen auch in gewöhnlichen Zeiten für ein bisschen Kribbeln und eine gewisse Vorfreude. Mit welcher Grundstimmung ich aber bereits am Vorabend auf die Partie guckte ist dann doch nicht ganz normal und zeigt wie viel Spaß Hertha BSC gerade macht. Wird man dann noch am Spieltag mit den Worten „Aufstehen Papa! Ich freue mich so auf das Olympiastadion! Du bist doch auch Herthafan! Aufstehen!“ geweckt, dann läuft man praktisch Funken sprühend durch die Gegend.

Für mich ging es bereits zur Stadionöffnung zum Olympiastadion. Die doch gewaltige Schlange konnte ich umgehen als der Lautsprecher verkündete, dass man auch den „Kids-4-Free“ Eingang nutzen könne. So war ich dann doch wenige Minuten nach Stadionöffnung im Inneren und konnte beim Aufkleberverkauf unterstützen. Der Andrang war wieder einmal enorm. Danke Herthaner! Mit fortschreitender Zeit merkte ich immer entschiedener meinen Puls. Ich war richtig aufgeregt und wollte dieses Spiel unbedingt gewinnen und die Serie am Leben halten.

Nach einer kurzen Einweisung zur Choreo war noch ein bisschen zeitlicher Puffer und so ging es mit Tschernie zum Klabauterkeaper und zum Mini-Ha-Ho-He. Besser konnten wir die Zeit nicht nutzen, ehe wir uns mit einem Ha Ho He verabschiedeten und in den Oberring gingen. Die uns zugeteilte Aufgabe konnte selbst ich mit Bravour erfüllen und meine Angst mit meinen zwei linken Händen für den Fauxpax der Choreo zu sorgen, blieb unbegründet. Mit blauen und mit weißen Pappen wurde im kompletten Unter- und Oberring der Ostkurve, sowie in den angrenzenden Blöcken ein „Hertha“ gezeigt. Dieses wurde zudem noch umrahmt. Die Durchführung mit Pappen war eher simpel- aber das Bild ließ sich allemal sehen.

Aus der Perspektive des Oberrings war es beeindruckend zu sehen wie viele Leute wir in der Spitze erreichen können. Beim „Auf geht’s Hertha kämpfen und siegen“ vor dem Spiel machten praktisch die gesamte Ostkurve in Ober- und Unterring mit. Dazu sah das auch in den anliegenden Blöcken gut aus. Hier ist in den letzten Jahren viel passiert und im deutschlandweiten Vergleich ist diese Heimkurve sicher vorne dabei. Mit diesem Maßstab war das danach leider kein sonderlich großartiger Auftritt. Viel zu oft verlor man sich heute im Durchschnitt und versprühte kaum diese Euphorie, die doch eigentlich gerade jeder Herthaner verspüren sollte. Lediglich nach dem Platzverweis der Magdeburger schwappte die Stimmung mal richtig über und gemeinsam mit den Geraden wurde es richtig laut. Per Spruchband forderte man die Einführung des Kompassmodells und schickte Kraft an einen Stadionverbotler und an einen an Leukämie erkrankten Herthaner. Kämpfen!

Die Magdeburger waren bei diesem Gastspiel in einer etwas reduzierten Mannstärke anwesend. Der Großteil der Magdeburger verteilte sich auf den Ober- und Unterring des Gästeblocks. Am Ende werden es wohl so 7.000-8.000 Magdeburger gewesen sein. Wieder ohne eine einzige Schwenkfahne angereist, war das durch geschlossene Schalparaden dennoch optisch beeindruckend. Der Gästeblock brauchte zu Beginn gefühlt etwas, um in die Partie zu kommen. In der Folge war das jedoch grundsolide- mit Blick auf die stets hohen Erwartungen an Magdeburg war das aber auch eher durchschnittlich. Interessant finde ich die Dynamik bei den Gastspielen des FCM. Gefühlt „respektieren“ sich auch die Kutten beider Vereine, sodass es auf den Anreisewegen ein taktvolles Ignorieren gibt. Die Techtelmechtel und Gesänge in vollen S-Bahnen nehme ich bei Spielen des FCM kaum wahr.

Hertha ging durch eine perfekt umgesetzte Einwurfvariante früh durch den überragenden Brekalo in Führung. Magdeburg kam durch eine einmal mehr schlecht verteidigte Ecke zum 1:1 Ausgleich. Kurz nach der Pause traf Edeljoker Adewumi zur Führung. In der Folge stand Hertha viel zu tief. Nach einem unglücklichen Platzverweis gegen Seguin ließ man sich komplett hintenreindrücken. Auch der Platzverweis von Magdeburg änderte daran kaum etwas. Die Mannschaft verteidigte leidenschaftlich und insbesondere Abwehrchef Gechter fungierte als Leuchtturm. Dennoch hatte man am Ende Glück, dass man dieses Spiel knapp gewinnen konnte. So reindrücken lassen darf man sich mit Blick auf den eigenen Spielstil eigentlich nicht.

Sei es drum: Die Erleichterung war nach Abpfiff riesig und so durften wir einmal mehr mit der Mannschaft feiern. Weiter so, immer weiter so! Für mich ging es nach Abpfiff zurück zu meiner Familie und nach leidenschaftlichem Gekicke auf der Wiese wurden wir von den Ordnern dann fast herausgeschmissen. Der Nachmittag endete für uns endlich mal wieder bei portugiesischem Essen im Berliner Westen. Dann ging es erschöpft, aber glücklich für mich mit dem Mini Ha-Ho-He nach Hause. Hertha, bitte lass mich diese Gefühle noch ein bisschen weiter fühlen.

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