19.09.2026 SG Dynamo Dresden- Hertha BSC 1:2

2. Bundesliga

Zuschauer: 29.122

Rudolf-Harbig Stadion: Dresden

Google kannte mal wieder abenteuerliche Wege und so ging es über kleine, kaum befahrene Sträßchen in Richtung Autobahn. Zugegebenermaßen war der Weg wunderschön. Die Sonne ging langsam unter- es waren kaum Menschen unterwegs und dieser herrliche Tag ging langsam seinem Ende entgegen. Mit der einfallenden Dunkelheit erreichte ich die Autobahn und passierte ohne Vorfall wieder die deutsche Grenze. An der Autobahn begrüßten mich dann zahlreiche düstere Dynamo Graffitis und stimmten mich auf das Abendprogramm ein. Mein Kartenstudium im Vorfeld hatte sich bezahlt gemacht und so fand ich einen guten Parkplatz in fußläufiger Distanz zum Stadion.

Wieso fuhr ich überhaupt zu dem Spiel? Ich war bereits zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung sehr enttäuscht darüber, dass Hertha das Urteil so sang- und klanglos akzeptierte. Man muss nicht das Verhalten an diesem Tag rechtfertigen, um aus Prinzipiengründen Kollektivstrafen abzulehnen, die eigentlich bereits abgeschafft wurden. Während Dynamo das Urteil durch die Instanzen anfocht, akzeptierte Hertha das Urteil sofort. Ich unterhielt mich zu diesem Zeitpunkt mit einigen Leuten- aber niemand schien meine Empörung so richtig zu teilen.

In diesem Zeitraum entstand jedoch schon ein gewisser Wunsch in meinem Kopf das Spiel zu besuchen. Gleichzeitig war für mich klar, dass ich die Repressionen im Gästeblock nicht in Kauf nehmen würde. Personalisierte Tickets und nur ein Kontingent von 50% kamen für mich nicht in Frage. Also blieb nur der Weg über das Heimkontingent. Der Weg war nicht gerade einfach, da Dynamo aufgrund der Brisanz des Spiels Karten nur an Mitglieder verkaufte. Dank netter Unterstützung gelang es jedoch über diesen Weg an eine Karte zu kommen. Vielen, vielen Dank an dieser Stelle.

Zwischen dem Spielbesuch und dem Verfassen des Artikels ist mittlerweile ein Monat vergangen und ich muss sagen, dass ich über die Entscheidung das Spiel zu besuchen sehr glücklich bin. Ich konnte das Spiel besuchen, ohne die Repressionen mitzumachen und es fühlte sich zumindest wie ein klitzekleiner Triumph an trotz der schwierigen Kartenlage im Stadion zu sein. Von den mir wichtigen Instanzen gab es auch Zuspruch für diese Entscheidung und den Weg.

Meine Ankunft in Dresden war zeitlich perfekt. Es war viel los auf den Straßen und so reihte ich mich einfach ein, zwang mich zu einem ruhigeren Tempo als sonst und schlenderte Richtung Stadion. Am Einlass beschränkte ich mich auf ein freundliches Nicken und verzichtete darauf meine Mund zu öffnen und kurze Zeit später betrat ich dann auch schon den Block. Obwohl der Anpfiff erst in 40 Minuten sein sollte, war meine ganze Reihe bereits besetzt und ich musste an 10 Leuten vorbei zum letzten Platz vor dem „Puffertuch“. Mein Nebenmann fragte mich noch kurz welchen Platz ich habe- aber danach gab es zum Glück erst einmal keine Interaktion mehr. Bis auf ein Abklatschen nach dem Dynamo Tor- ja ich bin ein Feigling!

Der Vorsänger des K-Blocks bekam das Stadionmikrofon überreicht und das Stadion startete mit einem Dy-na-mo Wechselgesang über drei Tribünen. Auch die ersten Minuten waren weiter lautstark. Ziemlich schnell flachte der Support aber deutlich ab und immer wieder gab es extrem lange Pausen zwischen den Liedern. Klar- über Stil kann man streiten- aber mir gefiel das heute gar nicht. Auch mit Blick auf die Lautstärke war das bald erschreckend schwach. Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es noch eine kleine Protestaktion. „Krawallspiel zur besten Sendezeit? Stimmt das Geld, steht ihr bereit“. Zudem wurde das bekannte, durchgestrichene DFB-Logo gezeigt. Auch hier wäre ich nicht böse über eine deutlichere Solidarisierung gewesen.

Im Gästeblock hatten sich circa 600 Herthaner mit Karten eingedeckt. Ich denke schon ein riesiger Erfolg, dass nur so wenige Karten abgesetzt wurden. Lautstärketechnisch konnten sie ehrlich gesagt aufgrund des schlechten Tages des K-Blocks erstaunlich oft vernommen werden. Etwas mehr Demut bei der Liedauswahl wären mit Blick auf das Fiasko des letzten Spiels in Dresden angemessen gewesen.

Auf dem Platz ging Dynamo „ausgerechnet“ durch den Ex-Herthaner Covic in Führung. Hertha übernahm nach dem Rückstand aber das Ruder und spielte extrem überzeugend. Thorsteinson konnte per Schuss aus der Distanz ausgleichen. In der zweiten Halbzeit kannte das Spiel nur noch eine Richtung und Hertha spielte Chance um Chance heraus. Völlig verdient machte Thorsteinson per erneutem Distanzschuss den Führungstreffer. So stand am Ende ein sackstarker 1:2 Auswärtssieg, der diese irre Serie verlängerte und mich quitschfidel in die lange Länderspielpause entließ. Irre!

Für mich ging es dann nach draußen und ohne Vorfälle Richtung Auto. Der Akku reichte noch für eine Nachricht nach Hause und ging dann stilecht aus. So ging ich auf Nummer sicher und fuhr den Weg zu mir bekannten Autobahnauffahrt. Vermutlich dauerte die Schleife ein paar Minuten länger- aber es klappte einwandfrei. Das dumme Lächeln ging mir auf der Rückfahrt nicht mehr von den Lippen. Erstmals ein lupenreines Quadrupel mit vier Spielen an einem Tag. Dazu noch das Bewahren der Hertha-Serie. Kann man besser in eine lange Länderspielpause starten?

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