Challenge Pro League
Zuschauer: 1.573
Dender Football Complex
Keine 24 Stunden später befand ich mich fast 1.000 Kilometer weiter westlich. Die Bahn und vor allem das Interrailticket machten es möglich. Ich liebe dieses Verkehrsmittel einfach. Die Fahrt ging recht reibungslos und so blieb in Brüssel noch Zeit für einen kurzen Check-In im Hotel und eine winzige Atempause, bevor ich den Weg zurück zum Bahnhof lief und in den Vorstadtzug nach Dender stieg. Dender liegt formell bereits im flämischen Teil Belgiens- aber aufgrund der Nähe zu Brüssel und den günstigeren Mieten ist die Bevölkerung ein bunter Mix.
Ich stieg am Bahnhof aus und erreichte nach 15 Minuten Fußweg durch Straßen mit typischen, flämischen Häusern das Stadion. Dort schockte mich dann eine ziemlich lange Schlange am Kassenhäuschen. Ich kam mit dem Herren vor mir ins Gespräch und musste mich dank mangelnder Flämisch-Kenntnisse direkt als Pfeife outen. Der Verkäufer gab wirklich alles- musste aber jedes Ticket noch einzeln ausdrucken. Vor mir wurden die Menschen nach ihren Vornamen gefragt. Ich überlegte gerade schon ob ich ihm einen Fantasienamen zurufen sollte- aber mich fragte er dann einfach nicht und auf meinem Ticket stand dann einfach „Fan“. Top!
Ich galoppierte zum Eingang und sah tatsächlich noch den verloren geglaubten Anpfiff. Das Stadion wurde 1997 gebaut und ist ein recht funktionaler Bau ohne größere Highlights. Ganz nett ist noch das große Vereinsheim unter der Tribüne. Da dieses Spiel der Auftakt des Urlaubs war, ließ ich es mir mit Bier, Wein und Nüssen gutgehen.
Das Spiel war recht mau und erst in der Schlussphase fiel der erlösende Treffer für die Heimmannschaft. Auf den Rängen war die Heimkurve erstaunlich solide. Circa 100 Leute unterstützten die Mannschaft kontinuierlich und mit eingängigen Melodien. Auch die Gäste waren sporadisch mit Gesängen zu vernehmen. Das ging definitiv schlechter.
Nachdem ich gestern das Tschechien Klischee voll ausgekostet hatte, galt es heute das Belgien Klischee zu genießen. Dwidswoch hat sicher gewaltigen Anteil am Kultstatus der Frituuren. Eine Frituur in Stadionnähe hatte bis 21:30 offen, sodass ich nach dem Abpfiff zügig losstreunerte. Der Eigentümer und seine Mitarbeiterin waren extrem nett und wussten von zahlreichen deutschen Groundhopperfreaks zu berichten, die nach den Spielen seine Frituur aufsuchten. Extrem lustig war auch die Geschichte der Mitarbeiterin, die an ihrem ersten Arbeitstag von einem Deutschen das Wort „Bitte“ hörte und es französisch „bite“ (Schwanz) einordnete und traumatisiert ihren Chef anrief. Die Pommes, die Saucen und auch weitere Leckereien schmeckten wirklich herausragend, sodass ich reinen Herzens die Frituur Knabbel & Babbel in Dender empfehlen kann.
Ich futterte mein Festmahl dann im Zug zurück nach Brüssel und war begeistert, dass dieser erste Anreisetag so gut verlaufen war. Bereits am ersten Abend war ich Fan der langen Länderspielpause.





