14.09.2017 Hertha BSC vs Athletic Bilbao 0-0

Olympiastadion: Berlin

Europa League

Zuschauer: 28832

Das erste richtige Europapokalspiel seit acht Jahren und die Euphorie in der Stadt kannte keine Grenzen mehr. Überall sah man blauweiße Fahnen und die Leute sehnten den Anpfiff herbei. Natürlich war genau das Gegenteil der Fall. Während Köln mit knapp 20.000 Leuten in London aufschlug, waren bei uns am Spieltag noch keine 15.000 Karten verkauft, was die Presse in umfangreichen Artikeln genüsslich kommentierte. Die graue Maus Hertha, da haben wir es wieder. Letztlich wurden es doch noch einige Zuschauer mehr und die Anwesenden haben Ihr Kommen sicher nicht bereut.

Aufgrund eines Restaurantbesuchs in Steglitz, fuhren wir heute einen anderen Weg zum Stadion. Diese Anreise offenbarte einmal mehr, wie gut es um Berlin als Fahrradstadt bestellt ist. Es gab fast nirgendwo Fahrradwege und auf der knapp 45-minütigen Fahrt kam relativ wenig Freude auf. Autos überholten mit einem großzügigen Sicherheitsabstand von 50 Zentimetern, Türen wurden aufgerissen und es wurde exzessiv in zweiter Reihe geparkt. Es war wirklich ein Fest. Als Bonus darf man noch die ganzen Abgase einatmen. Ich liebe das Autofahrerland Deutschland.

Irgendwann war es aber geschafft und am Stadion war eine Stunde vor Anpfiff schon ziemliches Gewusel. Vor allem an der Kartenabholung hatte sich eine lange Schlange gebildet. Offensichtlich gab es dort ein technisches Problem und so erreichten etliche Leute erst in der 30. Minute das Stadioninnere. Wir kamen aber ohne Probleme zügig hinein und auch die Kurve war eine Stunde vor Spielbeginn schon prall gefüllt. Im Gegensatz zu Bundesligaspielen war die Ostkurve nicht durch Dauerkarten ausverkauft, was Chancen und Risiken mit sich bringt. Unangenehm war, dass unsere Stammplätze bereits belegt waren, durch Leute, die ich noch nie gesehen hatte. Da beschweren sich die alten Recken ja auch immer drüber, dass die Leute erstmalig in die Kurve kommen und sich direkt ganz nach unten stellen, ohne die Hierarchien, die es nun mal gibt zu respektieren. Durch Diskussionen und viel Geduld hatte dann aber irgendwann jeder seinen Platz und das Spiel konnte beginnen.

Das Olympiastadion hat ein unglaubliches Flair, wenn es nur halb gefüllt ist. Ostkurve und Oberring waren so gut wie voll und so haute man direkt rein. Die Mannschaft stand in den ersten Minuten enorm unter Druck, konnte sich jedoch gegen Mitte der ersten Halbzeit stabilisieren. Die Ostkurve zog heute von der ersten Minute gut mit und schmetterte die Lieder in einer schönen Lautstärke heraus. Dazu spielt einem der Schall im leeren Stadion in die Karten. So konnte man in der Halbzeitpause sowohl mit der Stimmung als auch mit dem Gebotenen auf dem Rasen sehr zufrieden sein.

In der zweiten Halbzeit passierte dann etwas Magisches. Die Mannschaft spielte plötzlich unfassbar guten Fußball und setzte Bilbao enorm unter Druck. So konnten sich viele Chancen erspielt werden, die jedoch vom baskischen Keeper allesamt entschärft wurden. In dieser Phase rastete auch die Ostkurve völlig aus und für 15 Minuten, wurde ein irrer Lärmpegel erreicht. Für diese Momente geht man ins Stadion. Auch den Rest der zweiten Halbzeit war die Stimmung auf einem sehr guten Niveau, sodass man sehr zufrieden mit diesem Tag sein konnte.

Ein paar Basken hatten sich auch in das Olympiastadion verirrt. Ein kleiner Block hatte sich auf der Haupttribüne gebildet. Meiner Vermutung nach, waren das die Kollegen die die offizielle Fanreise gebucht hatten. Ein Riesengeschäft für alle Beteiligten, denn unter 700 Euro, ist da nichts zu machen. Dafür kann man auch schon mal zwei Wochen Urlaub in Asien machen. Außerdem gab es noch knapp 500 Leute im Gästeblock. Wie viele davon wirklich aus Bilbao kamen, vermag ich nicht einzuschätzen. Von uns aus rechts gesehen, gab es auch einen kleinen Kern, der sich kompakt stellte und ab und zu bei uns zu vernehmen war. Von daher hatte man mit 500 Leuten schon einmal so viel erreicht wie Werder mit 10.000. Unterstützt wurden die Basken gerüchteweise von einigen Paulianern.

Einen etwas faden Beigeschmack hinterließ das Ergebnis. Es wäre schon toll gewesen mit drei Punkten in die Gruppenphase zu starten. Außerdem endete so meine Rekordserie, denn nach 45 Spielen sah ich mein erstes 0:0. Irgendwie konnte ich es verschmerzen, denn es ist vollkommen angemessen, dass Hertha einem die 0:0 Serie versaut und nicht irgendein anderes Team. Außerdem hatte ich es die ganze Woche gespürt, die Rückkehr auf das internationale Parkett musste einfach 0:0 enden. Von daher, weiter geht’s!

Aufgedreht, ging es dann auf dem altbewährten Weg auf dem Drahtesel nach Hause. Nach dem Höllenritt wusste man wieder wie toll das ist, wenn man wenigstens einen Fahrradweg hat, auch wenn er nicht gerade in einem guten Zustand ist.

„Wir spielen im Europacup, Power von der Spree!“

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