28.09.2017 Östersunds FK vs Hertha BSC 1:0

Östersund Arena

Europaleague

Zuschauer: 8009

 

Hertha spielt international und ich bin dabei. Meine zweite internationale Reise mit der Alten sollte wieder nach Skandinavien gehen. Über das Los Östersund war ich bei der Auslosung eigentlich ziemlich froh, denn das ist ein Ort, den man so schnell wohl nicht noch einmal bereisen wird.

Man ist geneigt zu behaupten, dass Östersund in Nordschweden liegt, dabei liegt es ziemlich genau in der Mitte des Landes. So richtig viel an Städten kommt aber nicht mehr nach Östersund. Dennoch erstreckt sich das Land noch für weitere 1.000 Kilometer nach Norden. Ich startete bereits am Dienstag auf diese Europapokaltour, da ich mir einmal mehr in den Kopf gesetzt hatte zumindest den Hinweg auf dem Landweg zurückzulegen. Mit dem Flixbus ging es zunächst nach Malmö. Nach der Fährfahrt wurden wir auf dänischem Boden nicht kontrolliert. Dafür wurden wir dann hinter der Öresundbrücke von schwedischen Staatsdienern herausgewunken und intensiv kontrolliert. Für mehr als 40 Minuten streiften die Typen durch den Bus und fragten jeden Passagier nach seinem Fahrtziel und durchsuchten die Gepäcke. Jeden? Nein, ein blau-weißer Krieger schaffte es durch unauffälliges Verhalten der Kontrolle zu entgehen. Die Grenzbeamten sprachen sich nicht richtig ab und so dachten sie ich sei schon kontrolliert wurden. Pech gehabt. Obwohl die Polizisten freundlich waren, eine völlig überzogene Aktion. Es lebe der Schengen Raum!

Ich erreichte dann am frühen Abend Malmö und lief zu meiner AirBnb Unterkunft. Mein Gastgeber schläft seit zwei Monaten auf der Couch im Wohnzimmer, um das Schlafzimmer unterzuvermieten. Gut fühlt man sich dabei nicht und das ist leider ein gutes Beispiel dafür, wie junge Leute oftmals verrückte Zugeständnisse machen müssen, um über die Runden zu kommen. Ich empfehle allen Lesern folgenden Artikel zu dem Thema: http://www.zeit.de/2017/38/soziale-gerechtigkeit-junge-deutsche-angela-merkel-bundestagswahl Es lohnt sich wirklich die paar Cents zu investieren, um diesen zu lesen.

Vor meiner Abreise hatte mich Vudi Röller noch mit frischen schwedischen Kronen versorgt. Gutgläubig wollte ich damit im Supermarkt bezahlen und stand kurze Zeit später haarscharf vor der Verhaftung. Offensichtlich betreibt Vudi nebenbei ein Geldfälscher Kartell. Die Noten waren zum Verwechseln ähnlich, nur leide hatte er wohl die falsche Frau auf den Schein gedruckt. Jedenfalls sagte die Frau mit zunehmender Strenge „This is the wrong lady“ und zeigte mir einen echten Kroneschein. Nur mit viel Charme konnte ich sie besänftigen. Jetzt wissen wir jedenfalls auch was Vudi so treibt, wenn er angeblich „studiert“.

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Gut erholt ging es am nächsten Tag mit dem Zug weiter gen Norden, denn noch trennten mich 1.022 Kilometer von der Destination meiner Träume. Bahnfahren macht auch in Schweden Spaß und so verging die Zeit mit schnellem Internet, komfortablen Sitzen und netten Kontrolleuren wie im Zug. Am Nachmittag hatte ich noch eine Stunde Aufenthalt in Stockholm, die ich für einen ersten Stadtbummel nutzte. Um 21.45 fuhr mein Zug dann in Östersund ein, was ein erhabenes Gefühl in mir auslöste. Die vier Kilometer bis zur Unterkunft legte ich zu Fuß zurück und traf meine alleinerziehende Mutti noch wach an. Auch dort war die Behausungssituation etwas skurril, denn ich nahm den Kindern das Kinderzimmer weg und schlief auf eine Matratze unter einem Hochbett. Ich sammelte auf jeden Fall fleißige Karmapunkte.

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Am Spieltag selbst machte ich mich auf den Weg in die kleine, aber feine Altstadt von Östersund. Gegen Mittag holte ich meine Eintrittskarte von der Fanbetreuung ab, die sich auf dem zentralen Platz positioniert hatte. Dann lief ich einfach ziellos durch die Stadt und ließ die Atmosphäre auf mich wirken. Hübsch war es, kalt aber auch. Zu genau dem richtigen Zeitpunkt fand ich ein Mittagsmenü, das ich in der Form noch nicht erlebt hatte. Für sehr wenig Geld fand ich ein tolles Restaurant, an dem es ein unglaublich leckeres Buffet gab. Eine reiche Auswahl, ansprechend hergerichtet, tolles Ambiente und dazu noch Heiß-& Kaltgetränke mitinbegriffen. Kulinarisches Herz, was möchtest du denn mehr?

Dann wurde es langsam Zeit sich zum Treffpunkt aufzumachen. Nach einem Mobfoto legten wir im Corteo die 2,5 Kilometer bis zum Stadion zurück. Etwas aus der Reihe fiel der Polizeihubschrauber, der vor und nach dem Spiel über uns kreiste. Ansonsten waren nämlich sowohl die schwedischen Polizisten, als auch die Eingeborenen sehr freundlich. Ein kleines Lowlight ist jedoch das Blitzlichtgewitter in jeder Stadt, in der man sich befindet. Immer geht der Griff zum Handy und man wird von Hunderten Kameras begleitet. Echt nicht geil.

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Die fast schon trottelige Freundlichkeit der Schweden ließ auch den Berliner Pöbel nicht ganz unberührt und so zeigten auch wir uns von unserer besten Seite. Hübschen Frauen wurden fleißig Komplimente gemacht, Rentnern zugewunken und Kinder angelächelt. Die gute Kinderstube! Am Stadion angekommen wartete dann das erste Highlight auf uns. Denn von den drei Ordnern waren zwei weiblich. Dementsprechend wenig zu tun hatte der Herr, denn dieses Kuriosum wollte sich keiner entgehen lassen.

Wir hatten unser Kontingent von knapp über 600 Karten ausverkauft und dementsprechend voll war der Block. Neben vielleicht 300 Leuten aus der Szene, wurden die anderen Reihen durch Normalos und Europapokaltouristen aufgefüllt. Die Stimmung war so weit ganz ordentlich und ich war ziemlich beseelt davon tatsächlich gerade in Schweden zu stehen und meine Hertha nach vorne zu peitschen. Diese Euphorie verspürte die Mannschaft eher weniger. Zu Beginn der Partie wurde eine Reihe von Großchancen ziemlich kläglich vergeben. Dann geriet man durch einen zweifelhaften Handelfmeter mit 1:0 in Rückstand. Danach war das Dargebotene erschreckend schwach und der absolute Siegeswillen war zu keinem Zeitpunkt zu erkennen. So verlor man gegen eine zweitklassige Mannschaft. Hertha und Europapokal.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigten wir noch eine sehr ansehnliche Pyroshow und konnten zumindest optisch ein schönes Highlight setzen. Die Schweden waren ganz niedlich, aber mit Szenen wie Hammarby oder Malmö kann man sich in keinster Weise messen.

Nach dem Spiel wurde die Mannschaft nicht gerade euphorisch empfangen. Dies bewog einen Mitchell Weiser dazu in Richtung des eigenen Anhangs zu pöbeln. Der Typ ist charakterlich einfach ein absoluter Volldepp. Auch sonst blieb kaum ein Spieler mehr als einen Augenblick vor dem Block. Viel Spaß dann noch auf Eurem Charterflug nach Hause. In solchen Momenten fühlt man sich diesen Spielern moralisch um Welten überlegen und es ist schade wie wenig die Anstrengungen auf deren Seite überhaupt registriert werden. Die Ultraszene reiste beispielsweise größtenteils mit Bussen an. Eine knapp 24-stündige Fahrt. Nach dem Spiel mussten sie dann bis um 4 ausharren, da die Ruhepause des Fahrers eingehalten werden musste. Schockierend wie wenig Einfühlungsvermögen die großen Stars haben.

Für uns ging es dann ohne Polizeibegleitung zurück zum Platz, wo ich schlechten Gewissens den Rest der Leute verließ. Das sehr geringe Unterkunftsangebot in der Stadt führte dazu, dass sich der Großteil der Herthaner die Nacht um die Ohren schlug. Krass!

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Für mich ging es dann am nächsten Abend mit dem Zug nach Stockholm, wo ich eine Nacht in einem furchtbaren Hostel verbrachte. Gibt es eigentlich normale Menschen, die in Schlafsälen schlafen? Ich würde behaupten, dass ausnahmslos jeder Schlafgast dort ein Problem hat. Meine Zimmergenossen zeichneten sich aus durch einen 120 Dezibel Schnarcher, ein Mädchen das permanent rotzte, trank und nach jedem Schnarchen noch lauter stöhnte. Abgerundet wurde das Ganze durch einen 80 Dezibel Schnarcher. Es gab schon erholsamere Nächte. Dafür wusste am Samstag Stockholm durch fantastisches Wetter zu überzeugen. Eine auf den ersten Eindruck sehr hübsche Stadt! Dann schummelte ich ein wenig und flog mit Air Berlin zurück in die Hauptstadt. Am Samstag um 22.30 war das erste Abenteuer Europapokal vorbei. Spiel pfui, sonst hui!

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