09.12.2017 FC Carl Zeiss Jena vs Karlsruher SC 0:0

Ernst-Abbe Sportfeld: Jena

Zuschauer: 4478

3.Liga

Wenn man an einem Samstagmorgen komplett ohne Not um 5.15 aufsteht, um das Spiel Carl Zeiss Jena gegen den Karlsruher SC anzugucken, dann zweifelt man an so ziemlich jeder Entscheidung, die man in seinem Leben bisher getroffen hat. Was habe ich falsch gemacht, dass ich genau hier gelandet bin? Ich wusste es nicht, aber als ich circa drei Stunden später in Jena am Markt frühstückte und die Frau mich im breitesten Thüringisch bediente, erschien mir diese Frage furchtbar engstirnig und kleinkariert.

Ich hatte noch ausreichend Zeit bis zum Anpfiff und so nutzte ich die Gelegenheit für eine Erkundungstour durch Jena. Im Anschluss, war ich dann wieder ein ganz normaler Mensch, denn Samstag ist für den modernen Kapitalisten Shoppingtag! Und so reihte ich mich in den Menschenfluss ein und machte die eine oder andere weihnachtliche Besorgung. Dieses Mal ging auch meine Kalkulation auf, denn die Friedrich-Schiller- Universität Jena (so viel Zeit muss sein) sponserte mir ein kostenloses Schließfach, Wärme und eine Toilette. Dass alles mitten im Zentrum, stabile Sache. Ich hatte nur eine ungefähre Ahnung, wo das Stadion war, aber ich folgte einfach der Nase, was auch ganz prächtig funktionierte, sodass ich circa 20 Minuten vor Anpfiff am Stadion war. Von dort wären es noch 80 Meter bis zum Gästeeingang gewesen. Nur leider war der Weg durch Team Green und allerhand Kriegsgeräte versperrt. Also durfte ich einen 1,5 Kilometer langen Umweg laufen. Vielen Dank dafür Jungs!

Auf dem Weg fragten mich dann noch Polizisten wie ich angereist sei. Mein komplett verstörter Blick, war ihnen aber offenbar Antwort genug, denn sie insistierten nicht. Nachdem es die letzten Meter durch knöcheltiefen Schlamm ging, hatte ich endlich den Eingang erreicht. Für einen Zehner kaufte ich mir noch ein Ticket und betrat den erstaunlich vollen Block. Mein Plan eine Bratwurst zu essen, verwarf ich mit einem Blick auf die Schlange am einzigen Imbiss und auch der Toilettengang wurde mit Blick auf die vier widerlichen Dixieklos wegrationalisiert.

In Jena befinden sich Heim- und Gästeblock nur von einem Pufferblock getrennt direkt nebeneinander. Beide Seiten starteten mit einer kleinen optischen Aktion in die Partie. Jena zauberte ein kräftiges Blau- Gelb in den Block, während Karlsruhe mit einem blauweißen Chaosintro begann. Trotz der räumlichen Nähe zueinander, beachteten sich beide Seiten kaum und es gab so gut wie keine Pöbeleien, was mich etwas überraschte. Jena war akustisch solide und optisch ein Hingucker, denn fast die gesamte Partie waren Fahnen im Einsatz und auch die zweite Halbzeit wurde mit einem Luftballonintro gestartet. Die Stimmung im Gästeblock war für meinen Geschmack durchwachsen. Das Publikum war doch sehr familiär und nur selten konnte eine richtig ordentliche Lautstärke erreicht werden. Bestimmt 100 Berliner unterstützten heute den KSC in Jena.

Auf dem Feld bekam man heute ein 0:0 der schlechteren Sorte zu Gesicht. Jena war noch etwas stärker, aber im Großen und Ganzen war, dass einfach ein furchtbares Spiel, das völlig verdient meine „keine-0:0 Serie“ beendete. Puh, kann Fußball furchtbar sein.

Nach dem Spiel, als ich gerade zu dem Schluss gekommen war, dass Jena eine kleine aber feine Szene ist, entschieden sich die Burschen noch den Maxe zu spielen. Ein Herthaszeneshirt und ein Schal wurden dem Feuertod übergeben. Krass! Auf unserer Seite blieben die Gemüter aber cool. Man lief noch einen kleinen Schlenker zu den Zäunen an der Heimkurve, aber Jena beschränkte sich auf Pöbeleien. Naja. Ohne große Schwierigkeiten kam ich nach dem Spiel aus dem abgeriegelten Bereich, während die Polizei sich in den Kopf gesetzt hatte, die Zugfahrer zum Bahnhof zu begleiten. Ich lief derweil entspannt in die Stadt, futterte noch eine Thüringer Rostbratwurst und nahm dann den Intercity zum Berliner Südkreuz.

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