15.03.2018 Viktoria Pilsen vs Sporting Clube de Portugal 2:1 n.V.

Europaleague

Zuschauer: 9370

Stadion města Plzně: Pilsen

 

Heute war also das Rückspiel der Euroleauge. Der regelmäßige Leser wird sich nun wahrscheinlich fragen, warum ich an einem Donnerstagabend nach Pilsen fahre, um dort Sporting auswärts zu sehen. Die Frage ist berechtigt und wie so oft gibt es darauf keine befriedigende Antwort. Seit meinen Aufenthalten in Lissabon, lodert in meinem Herzen aber ein kleines Flämmchen für Sporting. Die starke Kurve hat es mir angetan und so war mir eigentlich klar, dass ich bei einem halbwegs erreichbaren Auswärtsspiel dabei sein werde. Während ich beim kasachischen Astana noch kniff, gab es bei Pilsen keine Ausreden mehr!

Auch der Donnerstagmorgen startete mit einer Episode, die hoffentlich das Label „Fastgeschichte“ tragen wird. Wir gingen am Morgen noch schnell zum Bäcker, um uns mit reichlich Proviant einzudecken. Dann trafen wir unseren russischen Bla-Bla Kollegen, der mit uns nach Pilsen fahren wollte. Als ich gerade das Auto aufschließen wollte, kam eine hektische Traube von Männern auf uns zu: „Fahren sie jetzt weg?“ Als wir bejahten, stellte sich heraus, dass wir im absoluten Parkverbot standen und die Baustellenzufahrt blockierten. Somit hatten die Bauarbeiter das Ordnungsamt gerufen, das auf dem Weg war, um das Auto abzuschleppen. Puh… Der Chef der Gruppe war zum Glück entspannt und wies direkt seinen Kollegen an, das Ordnungsamt anzurufen, um den Abschleppdienst abzubestellen. Einige andere waren weniger gelöst und moserten ziemlich herum. Mir blieb nur der Verweis auf die uneindeutige Schildersituation, denn genau an unserem Parkplatz stand ein Schild, das das Parken ausdrücklich erlaubte. Da dieses weder durchgestrichen, noch erweitert wurde, war die Sache für mich klar. Wir drückten also schnell auf das Gaspedal und können jetzt nur hoffen, dass unser Kennzeichen nicht weitergegeben wurde und keine Post vom Ordnungsamt folgt. Immerhin konnten wir den Europapokaltrip starten.

Wir hatten dann einige Schwierigkeiten die richtige Autobahn zu finden. Durch einen kleinen Fehler, umfuhren wir durch Zufall sogar einen Stau und nach etwas stockendem Verkehr bis Frankfurt konnten wir auch das Gaspedal etwas mehr seiner Bestimmung zuführen. Wir fuhren in einem winzigen Toyata, aber die Fahrt war aufgrund diverser Unterhaltungen dennoch recht angenehm. Hinter Nürnberg tankten wir noch einmal, machten ein kleines Sporting Mobfoto und fuhren gegen 13.30 in Pilsen ein. Aufgrund unseres Mitfahrers, konnten wir den kostenlosen Kauflandparkplatz ausfindig machen und unser Auto kostenneutral abstellen.

Ich hatte Hunger wie ein Wolf und so wurde nicht lange gezögert und das erstbeste urige Lokal aufgesucht. Dort gab es neben einem leckeren Gericht auch ein Pilsener Urquell. Somit hakten wir auch den Kulturpunkt ab, denn immerhin befanden wir uns im Geburtsort des Pils. Für mich sollte es dann aber auch das letzte Bierchen bleiben, schließlich hatte ich noch meine Fahrerpflichten zu erfüllen. Wir schlenderten im Anschluss durch die Stadt, die mir recht gut gefiel. Osteuropa ist einfach ein spezieller Ort und ich mag die Mischung aus wundervoll restaurierten Gebäuden und abgeranzten Wohnblocks. Wir fanden dann noch ein Weltklasse-Café im sechzehnten Stock eines Gebäudes und genossen einen nicen Kuchen mit Blick über Pilsen. Ähnlich wie auf dem Balkan, bekam man außerdem einen genialen Schokopudding serviert, wenn man eine heiße Schokolade bestellte. So süß kann das Europapokalleben schmecken.

Dann kauften wir noch etwas (koffeininhaltigen) Proviant für die Rückfahrt ein und machten uns auf den kurzen Fußweg zum Stadion. Das Stadion grenzt direkt an die Innenstadt, was super schön ist und heutzutage leider Seltenwert hat. Die Umrundung des Stadions war nicht möglich, wodurch wir noch eine kleine Schlaufe laufen mussten. Am Gästeblock, wurden wir dann von finsteren Polizisten begrüßt. Die sahen auf jeden Fall ähnlich freundlich aus wie die spanische Miliz in Bilbao. Auch die Kontrolle war nicht gerade freundlich, dafür aber sehr pedantisch.

Wir stellten uns in den oberen Bereich des Gästeblocks. Alle relevanten Ultragruppen waren mit ihren Zaunfahnen präsent. Directivo, Juve Leo und die Torcida beflaggten den Bereich vor dem Block, während die Brigada ihre Fahne im Gästeblock anbrachte. Circa 400 Personen bevölkerten den Block, wobei man etwas wie Kraut und Rüben und nicht wirklich kompakt stand. Das Publikum war sehr gemischt. Schätzungsweise 200 Leute aus Portugal wurden von 200 Leuten aus der Diaspora, bzw. in unserem Falle der Möchtegerndiaspora ergänzt. Durch die offene Gruppenstruktur in Portugal, waren somit Sektionen der Gruppen aus Belgien, Luxemburg und Deutschland sichtbar. Etwas überraschend war für mich, dass das Directivo heute den Vorsänger und Trommler in einer Person stellte. Mustafa, der „Lehmi“ von Juve Leo war nicht präsent und auch sonst schien die Gruppe nicht gerade durch viele Köpfe vertreten zu sein.

Während der gesamten Partie wurde Sporting vom Block unterstützt. Die Lautstärke und Mitmachquote variierten dabei stark, was vor allem an der hohen Quote Normalos im Block lag. Viele Lieder sind wunderschön melodisch, aber textlich selbst für mich gut machbar. Das Directivo hatte außerdem noch einen Schwenker im Gepäck. Pilsen hatte sich auf der Tribüne noch einmal in zwei Gruppen aufgeteilt. In der Mitte des Blocks war der größere Kern, den man ab und zu in Bewegung sah, jedoch selten hörte. Links in der Ecke, positionierte sich noch ein kleinerer Haufen hinter einer Ultras Zaunfahne. Ab und zu stiegen die normalen Zuschauer mit in die Gesänge ein, was die Lautstärke erhöhte. Die meiste Zeit war das jedoch eher dürftig.

Vudi Röller hatte im Vorfeld die Partie durch seinen Pessimismus verhext und eine Verlängerung heraufbeschworen. Zur Erinnerung Sporting hatte das Hinspiel recht souverän mit 2:0 gewonnen. Von Pilsen kam herzlich wenig. Sporting machte über weite Strecken das Spiel, ließ jedoch drei 100a Chancen kläglich liegen. Pilsen hingegen nutzte seine Möglichkeiten eiskalt und so stand es nach 65 Minuten wirklich 2:0 für Pilsen. Sporting gelang dann in der Folge gar nichts mehr und so kam die Szene in der Nachspielzeit völlig überraschend. Der eingewechselte Montero spielte einen Ball in die Tiefe und plötzlich war Bas Dost frei vor dem Tor. Er stolperte über seine eigenen Füße und bekam vom deutschen Unsympathen Tobias Stieler einen Elfmeter zugesprochen. Bas Dost schoss dann selbst und zwar kläglich in die Mitte, sodass der Torwart locker parierte. Wir hätten heulen können, denn der Kaufland Parkplatz schloss um 22.00, was nach einer weiteren Ordnungsamt Episode roch. Außerdem rief morgen früh ja wieder die Arbeit.

In der Verlängerung nahm Sporting wieder das Heft in die Hand und so war der Anschlusstreffer durch Battaglia nach einer Ecke überfällig. Jetzt brachen im Block alle Dämme und auch ich rastete völlig aus. Die letzten 15 Minuten waren auf dem Platz und auf den Rängen eine Kür und ziemlich glücklich, klatschten wir mit der Mannschaft ein. Einfach nur geil!

Nach der Partie gab es wie erwartet eine Blocksperre, wobei man zumindest auf den Vorplatz konnte. Die Miliz sah auch nicht unbedingt so aus, als sei sie zum Scherzen aufgelegt. Es gab allerdings auch einige Polizisten, die nicht komplett in Riotgear aufgelaufen waren. Ich fragte also einen der Burschen nach der Möglichkeit zum Auto zu kommen und spielte die Deutschland Karte. Zufällig stand direkt ein Übersetzer dabei, der vermittelte. Dieser fragte dann noch: „Are you fans from this team?“ Nach einer Zweifelsekunde kam die Antwort mit einem „No“ doch relativ prompt. Und schwups, gab es das okay. Die Polizeistaffel öffnete ihre Reihen, wünschte sogar noch einen schönen Abend und wir waren frei. Ich konnte es nicht fassen! So kamen wir um 21.50 auf den Parkplatz und lenkten direkt auf die Bahn. Durch eine Menge Koffein in Form von Cola und Energy Drinks, sowie gut aufgelegten Mitfahrern, kam ich auch relativ gut durch die Autobahnfahrt. Dennoch war ich froh, als wir um 4.30 endlich durch die Tür traten, als draußen schon die Vögel zwitscherten. Wenige Stunden später klingelte dann auch schon der Wecker, aber der Scheiß war es auf jeden Fall wert. Endlich mal wieder Leben, endlich mal wieder ein Ausbruch aus dem Alltag! Und was habt ihr gestern gemacht?

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