02.08.2018 Progrès Niederkorn vs Honved Budapest 2:0

2. Qualifikationsrunde Europaleague

Zuschauer: 1852

Stadion Muncipal: Differdange

 

Schon seit Jahren schwärme ich von den ersten Qualifikationsrunden der europäischen Wettbewerbe. Während es für die deutschen Vertreter erst zu einem viel späteren Zeitpunkt losgeht, duellieren sich ab Ende Juni die Exoten des europäischen Fußballs. In der Vorqualifikation treten dann so glorreiche Vereine wie: B36 Torshavn (Färoer Inseln) gegen St. Josephs FC an. (Torshavn gewann nach Elfmeterschießen!). Die Spiele werden dabei teilweise erst eine Woche zuvor ausgelost und trotzdem finden sie aus unerfindlichen Gründen statt. Was für ein logistischer Aufwand es für eine färoische Amateurmannschaft es sein muss innerhalb von einer Woche Flüge, Unterkunft, etc. in Gibraltar zu organisieren. Wahnsinn! Man könnte den ganzen Blog mit weiteren illustren Beispielen von Teamnamen füllen, aber kommen wir zum Punkt.

 

Schon an diversen Stellen deklarierte ich in der Vergangenheit öffentlichkeitswirksam: Das ist der wahre Europapokal. In diesen Wochen treffen Traditionsvereine auf Vereine aus verschlafenen Dörfern, Fanszenen reisen bis in den letzten Winkel des Kontinents und es kommt zu kuriosen Ergebnissen. Kurzum: Ich wollte unbedingt dabei sein. Das Exil in Nordrhein-Westfalen und somit der kurze Weg in die Benelux Staaten gaben mir die perfekte Ausrede. Nur fehlten natürlich noch Mitfahrer. Während der Klabauterkeaper fatalistisch die Diskussion scheute und direkt zusagte, ließ sich unser liebster Vudi Röller etwas bitten. So wurde aus einem Besuch in der ersten Qualifikationsrunde nichts. Für die zweite Qualifikationsrunde kaufte ich mir dann extra ein großes Glas Honig, das ich Röller dann gekonnt ums Maul schmierte. Wenig später trudelte die Zusage im Postkasten ein und die Vorbereitungen wurden gestartet.

 

Am Spieltag selber brauchte es dann etliche Kunststückchen, um die Arbeit um 15.00 verlassen zu können. Als Routinier brachte mich dieser Teil jedoch kaum in Schwierigkeiten. Wenige Minuten später wurde der Klabauterkeaper eingesammelt, ehe mit Röller das letzte Teammitglied in Koblenz eingesammelt wurde. Während seiner Wartezeit hatte er den Motor eines Quads sabotiert. Wenige Minuten später sahen wir den verzweifelten Qudfahrer gestrandet auf der Auffahrt zur Autobahn. Mensch Röller! Ansonsten verlief die Fahrt ohne Probleme und lediglich in Luxemburg kamen wir etwas in den Berufsverkehr. Dank systemischer Unterstützung erreichten wir Differdange, den Spielort der heutigen Partie ohne Probleme. Durch eine gehörige Portion Dreistigkeit wurde der Panzer in wunderbarer Lage zum Stadion abgestellt.

 

Direkt gegenüber vom Stadion befand sich eine kleine portugiesisch anmutende Kneipe. Mit Wissen um die Demografie Luxemburgs, stellte ich mich an den Tresen und traf ins Schwarze. Das Café wurde von Portugiesen geführt, sodass die offiziellen Amtssprachen Luxemburgs gekonnt ignoriert wurden. Grandioserweise gab es dann sogar noch Bifanas, die von einem kühlen Bier begleitet wurden. An der Kneipe hatten es sich circa 80 Mitgereiste aus Ungarn bequem gemacht. Eine wirklich respektable Zahl für diese kurze Vorbereitungszeit. Der Mob sah stabil aus, war aber unglaublich unkompliziert und relaxt. So war es absolut gar kein Problem inmitten der Ungarn seine Bifana und sein Bierchen zu vernaschen. Ich gönnte mir dann noch ein Eis, bevor wir die wenigen verbleibenden Meter zum Stadion zurücklegten.

Das heutige Spiel, fand wie oben erwähnt in Differdange und nicht im heimischen Niederkorn statt. Grund dafür sind die UEFA Regularien. Das Stadion in Differdange ist jedoch auch sehr klein und so wurden nur 1.900 Tickets in den Verkauf gegeben, sodass mich im Vorfeld Ängste plagten leer auszugehen. Die Sorgen waren aber unbegründet, denn letztlich fanden sich 1.852 Zuschauer im kleinen Rund ein.

 

Niederkorn gehört zu den erfolgreicheren Vereinen in Luxemburg und hat im letzten Jahr im Europapokal ordentlich für Furore gesorgt, in dem sie die Glasgow Rangers in der ersten Qualifikationsrunde ausschalteten. Wir hatten das Vergnügen direkt neben den Supportern von Niederkorn zu sitzen. Im Internet kursierten zuvor die Gerüchte, dass diese vom Verein bezahlt werden. Ich glaubte zunächst nicht so wirklich daran, aber nach dem Auftritt erschien mir diese Option durchaus plausibel. Da ich ja aber auch ein Stück weit investigativer Journalist bin, fragte ich einfach mal beim Pressesprecher von Progrès Niederkorn nach, dessen Antwort ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:

 

„Unsere Supporter werden nicht vom Verein bezahlt. Wir sind aber ein sehr familiärer Club wo der Fan Club und die Supporter dem Verein sehr nahestehen. Dementsprechend unterstützt der Verein seinen Fan Club auch auf logistischer Ebene oder hilft auch mal eine neue Sirene oder Trommel zu kaufen. Die Spieler haben übrigens als Dank für ihre Unterstützung dem Fan Club am Ende der letzten Saison eine neue Fahne geschenkt.

Die guten Resultate in der Meisterschaft sowie die Erfolge auf der europäischen Bühne der letzten Jahre (Glasgow Rangers), sowie die exzellente Stimmung bei den Spielen haben natürlich auch dazu beigetragen dass immer mehr Supporter sich dazugesellen und den Verein aktiv unterstützen. In einem kleinen Land wie Luxemburg, kommen dann aber bei den Spielen der Europa League auch Zuschauer aus dem ganzen Land, die dann den Vertreter des luxemburgischen Fussball unterstützen.“

 

Honved Budapest ist vermutlich die viertgrößte Mannschaft Budapests und konnte und konnte in seiner 109-jährigen Geschichte 13 Meisterschaften gewinnen. 1943 debütierte der legendäre Ferenc Puskas für den Verein. Unterstützt wird der Verein von den Ultras Kispet, die bereits im Jahr 1991 gegründet wurden und von einer ultraorientierten (?) Gruppe, die mit ihrem Namen der Legende Puskas huldigt. In der ersten Halbzeit hörten wir aufgrund der organisierten Kapelle so gut wie nichts von den Ungarn. Man sah jedoch ständige Bewegung und eine gute Geschlossenheit. In der zweiten Halbzeit, nahm das Engagement etwas ab, war aber immer noch völlig in Ordnung.

 

Das Spiel war mitreißend und es ging munter hin und her. Gerade Progrès gab mächtig Gas und konnte folgerichtig durch einen abgefälschten Schuss das 1:0 erzielen. Danach neutralisierten sich die Mannschaften zunehmend und Budapest übernahm in der zweiten Halbzeit das Zepter. Gerade als wir uns mit der Verlängerung abgefunden hatte, schoss Progrès unter großem Jubel das 2:0. Schön für uns! Nach dem Spiel rastete die Mannschaft völlig aus und war wirklich überglücklich. Toll solche Emotionen zu sehen und auch, wenn ich es den Budapestern gegönnt hätte, freute ich mich doch für die Luxemburger Spieler. Ein toller Europapokalabend.

 

Nach dem Spiel hielten wir dann noch an zwei Tankstellen, um den Panzer vollzutanken und uns mit portugiesischen Spezialitäten einzudecken. Luxemburg, aus uns könnte definitiv etwas werden! Dann ging es auf die Bahn und gegen Mitternacht erreichten wir die heimischen Gefilde!

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