06.02.2019 Hertha BSC vs FC Bayern München 2:3 n.V.

DFB Pokal

Zuschauer: 74.469

Olympiastadion: Berlin

Endlich mal wieder ein großes Spiel im Berliner Olympiastadion. Eigentlich handelte es sich um das vorweggenommene Finale und so war es sehr ärgerlich, dass die Losfee uns dieses Duell bereits im Achtelfinale bescherte. Für Leute mit einer weiten Anreise sind englische Wochen wirklich ein ziemlicher Horror. Knapp 54 Stunden blieben mir im nordrhein-westfälischen Exil, bevor der Wecker schon wieder viel zu früh klingelte und ich im Zug zurück nach Berlin saß. Und ich gehöre in der Hinsicht sicher noch zur privilegierten Minderheit, die für solche Trips nicht einmal Urlaub nehmen muss, sondern das durch flexible Arbeitsmodelle abfedern kann.

Gegen 18.00 nahm ich dann die S-Bahn zum Olympiastadion und traf einige bekannte Gesichter beim Parkplatztreff. Dann verbrachte ich noch einige Minuten damit meine überschüssige Karte loszuwerden. Ein echter Ehrenmann ließ uns erst 20 Minuten auf seinen Kumpel warten, nur um dann die Transaktion doch ohne ihn abzuschließen. Man, man, man. Dann ging es unmittelbar rein und wir verquatschten die Zeit noch im Stadionumlauf. Auffällig viel Optimismus war heute in den Gesprächen herauszuhören. Mir ging das irgendwie anders und ich glaubte nicht im Ansatz an eine Chance. Zu frisch war noch die enttäuschende Halbfinalniederlage gegen Dortmund 2016.

Es ging dann in die Kurve und circa 20 Minuten vor Anpfiff ertönten die ersten Gesänge aus der prall gefüllten Ostkurve. Als die Mannschaft dann wie gewohnt noch einmal in die Kurve kam, schoss das Adrenalin das erste Mal in meinen Körper. Geht hier heute doch etwas? Dann verteilten sich zahlreiche Leute in der Kurve, denn es sollte eine große Choreo in der Ostkurve geben. Wie üblich schafften es die Außenbereiche der Kurve und die Nebenblöcke nicht auf das Kommando der Vorsänger zu hören, sondern schwenkten die blau-weißen Fahnen viel zu früh. Die Idee zur Choreo fand ich eigentlich ziemlich kreativ. Die Bayern Spieler sollten hypnotisiert werden. Neben einem großen Choreospruchband „Unschlagbar… Hertha ist unschlagbar… Hertha ist unschlagbar… Hertha ist…“ wurde eine große Blockfahne in Form eines Hypnosekreises gezeigt. Im Rahmen der Möglichkeiten wurde dieser dann gedreht, um die Bayern Spieler endgültig zu hypnotisieren.

Und es schien zu funktionieren. Denn bereits nach fünf Minuten schoss Maxi uns mit 1:0 in Führung und startete mit der gesamten Mannschaft im Gepäck direkt in die Ostkurve durch. Schwer zu beschreiben, was man in solchen Momenten empfindet. Es war auf jeden Fall mal wieder ein Augenblick, in dem einem völlig klar war, warum man zum Fußball geht. Pure Ekstase, wildfremde Menschen lagen sich in den Armen und man schrie seine Freude einfach heraus. Danach bebte die Ostkurve, aber leider wurde man viel zu schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, denn Bayern glich schon kurz danach aus. Hätte man das doch nur ein bisschen länger gehalten. In der Folge war Bayern klar besser, aber Hertha fightete und ließ kaum Torchancen zu. So ging es mit dem 1:1 in die Pause.

Wiederum viel zu schnell erzielte Bayern nach der Pause das 2:1 und eigentlich standen die Zeichen klar auf Niederlage. Durch einen haarsträubenden Abwehrfehler kam Selke fast direkt nach seiner Auswechslung zum vielumjubelten Ausgleich. Das Ergebnis konnte gehalten werden und so ging es in die Verlängerung. Jetzt ist doch alles drin, oder? Leider Pustekuchen. Denn Herthas Abwehr pennte einmal und Bayern nutzte das sofort zum 2:3. Dabei blieb es und die völlig erschöpften Herthaner konnten nichts mehr entgegensetzen. Schade. Klar, ein verdienter Sieg der Bayern, aber mit ein bisschen mehr Fortune wäre das Weiterkommen möglich und der Weg zum Pokalfinale frei gewesen.

Das Olympiastadion war am Ende doch noch ausverkauft. Der Ticketverkauf war jedoch sehr schleppend, was auch den horrenden Ticketpreisen geschuldet sein mag. Jedenfalls wurde dadurch nicht so wirklich etwas aus dem Unterfangen das Stadion nicht den Bayern zu überlassen. Wie gewohnt drückten fast die Hälfte der Anwesenden den Bösen die Daumen. Die Leistung des Gästeanhangs überzeugte mich. Regelmäßig hörte man die Bayern Fanszene in der Ostkurve und auch der Fahneneinsatz war gewohnt stark. Auch an dieser Stelle kann ich mir aber einen kritischen Kommentar zum Stil des Tifos nicht verkneifen. Schön ist es wirklich nicht.

Die Ostkurve hatte Höhen und Tiefen. Man merkte uns die Anspannung an, denn das Spiel war einfach extrem spannend und wichtig. Ich hätte mir ein bisschen mehr Geschlossenheit und Lautstärke gewünscht an diesem besonderen Tag, aber es war spielbezogen und schon eher gut.

Nach dem Spiel war die Ernüchterung groß. Bis 0.30 waren wir noch am Ackern, denn die 10.000 Fahnen wollten noch nach Farben sortiert werden und im PKW verladen werden. Dann gab es noch den obligatorischen Stau und dementsprechend kurz war die Nacht. Und so geht er einfach weiter, der Traum vom Pokalfinale. Ob wir das zu Lebzeiten noch mal erleben werden?

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