25.05.2019 A.C. Cuneo vs AS Lucchesse Libertas 0:1

Serie C: Relegation

Zuschauer: 800

Stadio Fratelli Paschiero: Cuneo

Die Saison in Deutschland war vorbei, aber in einigen Ländern wurde noch munter gekickt. So stellte ich erfreut fest, dass sowohl in Italien, als auch in Frankreich noch ein regulärer Spieltag angesetzt war. An einem regnerischen Freitagnachmittag im März beendete ich meinen Arbeitstag und kam freudestrahlend auf den Klabauterkeaper zu, denn ich hatte die Lösung, wie man mit relativ wenig Aufwand und vor allem mit wenigen Urlaubstagen nach Bella Italia kommen könnte.

Fliegen war für die verhältnismäßig kurze Strecke keine Option und so ging es beseelt an einem Freitagmorgen mit einem Interrailticket bewaffnet gen Süden. Auch aus Unwissenheit beachtete ich dieses Ticket nie so richtig, bin nun aber völlig begeistert. Selbst für alte Säcke wie uns ist das Ticket verhältnismäßig günstig und vor allem sehr attraktiv, da man sich nicht auf Verbindungen festlegen muss. Deutschland und die Schweiz gehören zu den sehr interrailfreundlichen Ländern und so ging es ruckzuck mit dem ICE nach Basel und von da bis an die italienische Grenze. Dann noch einen Umstieg in die Regionalbahn und schwups war man nach weniger als neun Stunden in Milano. Der absolute Wahnsinn.

Dazu diese entspannte Art zu Reisen im Zug- die wunderschöne Landschaft der Schweiz. Ich liebe Europa und die Möglichkeit einfach so in Westdeutschland aufzuwachen und am Nachmittag ohne Passkontrolle durch Milano zu schlendern. Das Leben kann so schön sein.

Am Samstag gab es etliche Optionen für Fußballspiele. Wir entschieden uns für ein Relegationsspiel der Serie C, also der dritthöchsten italienischen Liga. Das Spiel sollte in Cuneo stattfinden und so ging es über Turin in die beschauliche Stadt im Nordwesten Italiens. Das Städtchen war sehr idyllisch, schöne Geschäfte, ein kleiner Markt und eine wunderschöne Altstadt. Dazu hatte man einen tollen Blick auf die Alpen in der Ferne. Wunderschön.

Im zweiten Anlauf durften wir unsere Rucksäcke in einem Hotel unterstellen und liefen dann schon langsam in Richtung Stadion. Mein Magen knurrte und als ich direkt neben dem Stadion eine Pizzeria entdeckte, entschieden wir uns für das Risiko. Zack noch eine Pizza und ein Bier reingeschraubt und mit dem Anpfiff betraten wir das Stadion. Die Karten hatten wir vorher schon im Internet gekauft. Beim Betreten des Stadions mussten wir einen Perso vorzeigen. Schon ziemlich unsinnig und unangenehm.

Wir nahmen auf einer überdachten Tribüne Platz, was eine sehr gute Entscheidung war, denn im Laufe der Partie entlud sich ein Gewitter direkt über dem Stadion. Schlecht für die Gästefans aus Lucca und einige wenige Heimfans in der Kurve, die ohne Dach auskommen mussten. Man wusste sich aber zu helfen und zwei findige Kollegen verfolgten die Partie aus einem Dixie-Klo.

Der Großteil der Heimfans stand mit uns auf der Tribüne und stimmte sporadisch Gesänge an. Eine Trommel, eine Fahne und eher Schlachtrufe als richtige Melodien, sorgten jetzt nicht für Begeisterung.

Ganz anders sah das bei den Gästen aus Lucca aus. Circa 400 Zuschauer bevölkerten den engen Gästeblock und legten einen absoluten Gänsehaut-Auftritt hin. Vielleicht war ich geflasht, weil das meine Italienpremiere war- es war auf jeden Fall bombastisch. Alle im Block zogen mit und sangen Lieder mit wunderschönen Melodien. Dazu eine tolle Zaunbeflaggung, etliche Schwenkfahnen (auffallend viele Italienfahnen). Es machte einfach nur Spaß zuzugucken. Man hatte auch wirklich das Gefühl, dass alle Leute Lust hatten mitzuziehen und es keine große Spaltung zwischen Ultras und Normalos gibt. Im Block ein toller Auftritt.

Im Nachgang las ich dass, dass Lucca berüchtigt für seine faschistische Kurve ist. Ups. Heute war davon nichts zu spüren und es war eindeutig der Sport im Vordergrund. Schwer so etwas aus der Ferne zu beurteilen.

Lucchesse hatte das Relegationshinspiel mit 2:0 gewonnen. Cuneo versuchte alles, warf sich in die Zweikämpfe und spielte sich auch etliche Chancen heraus. Diese Chancen wurden jedoch teilweise kläglich vergeben. Das hatte schon phasenweise etwas skurriles. In der 78. Minute erzielte Lucchesse dann das 0:1 und es brachen alle Dämme. Alle rannten zum Torschützen und herzten diesen. Dann war etwas die Luft raus und Luca spielte das Ding sicher nach Hause.

Nach dem Spiel gab es Applaus von beiden Seiten für die jeweiligen Teams und Sprechchöre „Grazie Ragazzi“. Lucchesse feierte ausgelassen den ersten Schritt im Kampf um den Klassenerhalt (folgen weitere Relegationsspiele? Ich verstehe das System nicht), während die Fans aus Cuneo ihre Spieler wiederaufbauten. Für uns ging es dann zurück in die Innenstadt und zwar durch strömenden Regen. Dank der vielen Vorbauten und überdachten Passagen kamen wir relativ trocken im Hotel an. Die Rucksäcke geschultert und dann ab mit dem Zug in die wunderschöne und mystische Stadt Genua.

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