29.08.2019 Eintracht Frankfurt vs Racing Straßbourg 3:0

Euroleague Qualifikation

Zuschauer: 47.000

Waldstadion: Frankfurt

Es gibt Spiele, die sorgen die gesamte Woche für ein klopfendes Herz. Das Euroleaugue-Rückspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Straßbourg war definitiv eines dieser Spiele. Zu viel Lust hatte ich darauf die Eintracht aus dem Europapokal zu schießen. Zu viele Unwägbarkeiten gab es bei der An- und Abreise zu beachten und zu viel lag in der Luft nach den Auseinandersetzungen im Anschluss an das Hinspiel.

Verrückt, dass ich an diesem Tag dennoch arbeitete. Eigentlich waren meine Gedanken schon komplett bei diesem Spiel. Dann kam also der Moment und ich raste mit dem Fahrrad zum Hauptbahnhof. Der Zug fuhr währenddessen leider einen ordentlichen Teil seiner Verspätung wieder ein. So saß ich noch auf dem Fahrrad, als der Zug gerade in den Bahnhof einrollte. Also das Fahrrad einfach irgendwo mitten in den Weg gestellt, halbherzig das Schloss durch den Reifen gezogen und zum Gleis gesprintet. Ich bekam dann den Zug und mit einer 25-minütigen Verspätung erreichte ich den Frankfurter Flughafen. Dort nahm ich dann die S-Bahn und der erste Spießrutenlauf stand bevor. Diesen Teil meisterte ich bravourös und über den Waldweg ging es ohne Navigationsprobleme und vor allem ohne Kontakt mit Frankfurtern zum Gästeeingang.

Trotz meiner später als geplanten Ankunft war ich noch rechtzeitig da und konnte dem Treiben zusehen. Die Polizei sperrte die Straße dann komplett ab, um die Straßbourger Busse geschlossen zum Stadion zu eskortieren. Diese fuhren dann in Gegenrichtung und im Schritttempo auf den Parkplatz. Die Uhr tickte immer weiter und so war es dann schon 20.00 als UB unter Gesängen in Richtung Eingang lief. Kurze Zeit später kamen auch die Berliner Neuner und es gab ewige Diskussionen mit den Ordnern, ob der Neuner nun noch auf den eigentlich vollen Parkplatz fahren kann, oder nicht. Nach fünf Minuten war die positive Entscheidung gefallen. Ich schüttelte einige Hände und bekam dann auch die Karte für die heutige Partie ausgehändigt. Vielen Dank noch einmal an Straßbourg dafür!

Die erste Einlasskontrolle verlief dann noch relativ entspannt. Vor dem Gästeblock kontrollieren die Frankfurter Idioten ja aber stets ein weiteres Mal. Drei ganze Ordner wurden abgestellt, während dahinter mehr als 20 Vollidioten kampfbereit standen. Es war eng, es wurde gedrückt und der Anpfiff ertönte. Krass war, wie ruhig die meisten Leute trotzdem blieben. Irgendwann kam es aber natürlich wie es kommen musste und es kam zu einer Schubserei und einem kurzen Hin- und Her zwischen den asozialen Securities und uns. Auch die Polizei machte sich dann bereit zum Eingreifen, blieb aber wie den gesamten Abend verhältnismäßig cool. Ein wenig zuckte es mich aber schon. Die Erlebnisse aus Dortmund sind wirklich noch ziemlich frisch, sodass ich wenig erpicht auf ein weiteres Erlebnis mit Pfeffer war.

Als sich abzeichnete, dass es erst einmal dauern würde, wechselte ich die Taktik und lief in den Oberrang, um zumindest das Spiel gucken zu können. Die dortigen Straßbourger hielten auch sehr gut gegen die Stimmgewalt der Frankfurter dagegen. Gerade, als ich nach unten gehen wollte, brach oben dann der Sturm los. Die Securities wollten die Straßbourger von den Treppen verscheuchen. Ein Typ hatte dort Krücken und brauchte somit etwas länger, um sich zu bewegen. Das nahmen die Securities zum Anlass um ihn zu schubsen. Schon entstand die nächste Auseinandersetzung, die sich über mehrere Minuten hinzog. Ich verdünnisierte mich in den Unterrang und sah und hörte die anlaufenden Securities… Wahnsinn. Einfach nur eklige Menschen, die Bock auf Gewalt haben und dafür auch noch Geld bekommen.

Gerade in der ersten Halbzeit war die Stimmung im Stadion gewaltig und absolut nicht zu vergleichen mit den Bundesligaheimspielen der Eintracht. Es war extrem schwierig dagegen anzukommen und die Lautstärke der Frankfurter wirklich beeindruckend. In der Halbzeit machten sich dann circa 20 vermummte Frankfurter auf den Weg in Richtung Oberrang des Gästeblocks. Bis auf ein paar Becherwürfe, passierte dann jedoch nichts und die Gruppe flüchtete, nachdem die Polizei sich kurz postierte. War wohl eher die Marke „Wir zeigen uns mal“. Auch einfach ziemlich unnötig, da im Oberrang wirklich vor allem Normalos und Familien waren… Aber die Frankfurter Mentalität ist einfach überwältigend.

In der 60. Minute kam dann noch eine Trommel in den Block, was die Stimmung merklich verbesserte. Ab und an, wurde auch wirklich eine ordentliche Lautstärke erreicht. Insgesamt war Frankfurt jedoch stärker und sorgte für richtig eklige Europapokalstimmung.

Auf dem Spielfeld war das Geschehen recht ernüchternd. Frankfurt war einfach bissiger und kämpfte wie verrückt. Straßbourg stand sehr defensiv und kassierte dann recht schnell das unglückliche 1:0. Der Schiedsrichter verhängte eine harte rote Karte gegen Rebic und es keimte noch einmal Hoffnung auf. Durch eine weitere harte rote Karte gegen Straßbourg war jedoch schnell wieder Gleichstand hergestellt und Frankfurt war einfach besser. So schossen sie Straßbourg mit 3:0 aus dem Stadion und die Europapokalträume platzten jäh.

Noch ein Absatz zu den Frankfurter Fans. Die Kulisse war gestern definitiv ein Faktor. Nach der roten Karte standen einige Frankfurter jedoch direkt an der Werbebande hinter dem Torwart. Ob das noch klar geht? Dazu zahlreiche Becherwürfe und Gegenstände die flogen, ohne, dass auch nur einmal interveniert wurde. Kann man abfeiern, wenn man die Heimmannschaft ist… Regt einen aber einfach unfassbar auf als Gästefan. Von ganzem Herzen: Scheiß Eintracht Frankfurt!

Nun stand eine letzte, sehr schwere Prüfung vor mir. Ich musste irgendwie zum S-Bahnhof kommen. Der erste Blick brachte die befürchtete Vermutung: Hier ist alles dicht und zahlreiche Polizisten riegelten das alles ab. Also ging ich zu einem Polizisten und bat um Geleit. Er hatte nichts dagegen, verwies jedoch auf die Securities, die das Tor bewachen würden. Also ab zu den Securities. Die verwiesen auf ihre sehr strikte Order niemanden herauszulassen. Zweiminütige Diskussion, die ins Nichts führte. Ich solle zum Gruppenleiter gehen. Der Gruppenleiter sah aus wie ein Ex-Knasti und seine Antwort war ein Schwall an Beleidigungen und die Hoffnung, dass ich auf die Fresse bekäme. Ich müsse hierbleiben. Danke. Eine letzte Hoffnung bestand noch. Es gab eine Zwischenebene, die spärlich bewacht war. Ich wurde zwar schon beim Betreten behindert, aber ich baute Vertrauen auf, indem ich nur darum bat ein Foto machen zu dürfen. Dann schilderte ich die Situation und die beiden Ordner hatten ein Einsehen. „Dann geh halt schnell rüber“. Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen und schwups war ich im Heimbereich. Ach du Scheiße. Danke an die beiden Ordner!

Nun war das gröbste Überstanden und unauffällig machte ich mich auf dem Weg zum S-Bahnhof. So war klar, ich komme heute noch nach Hause. Eine Umleitung, machte das Eintreffen noch deutlich später, aber um 2.15 lag ich dann im Bett und freute mich wenige Stunden später über das Klingeln des Wetters. Aber da waren vor allem die anderen Herthaner wesentlich schlechter dran. Danke noch einmal an Straßbourg und an die beiden verständigen Ordner. Mit einer Blocksperre wäre das nicht so gut gelaufen…

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