31.08.2019 FC Schalke 04 vs Hertha BSC 3:0

1. Bundesliga

Zuschauer: 58.875

Turnhalle auf Scheiße: Gelsenkirchen

Der jährliche Ausflug nach Gelsenkirchen. Der jährliche Ausflug in eine Welt, die man eigentlich für überwunden hielt. Leerstehende Häuser, zerstörte Gesichter und eine Bevölkerung, deren Durchschnittsiq selbst mit viel Wohlwollen nicht das Gewicht von Heidi Klum übersteigt. Dennoch haben sich die Vorzeichen für mich in den letzten Jahren zumindest etwas verbessert. Die Anreise aus dem Exil ist momentan verhältnismäßig kurz und nach dem heroischen Sieg im Vorjahr, war auch die sportliche Ausgangslage etwas besser als sonst. Dachte ich…

Gegen 11.00 bestieg ich den Regionalzug in Richtung Ruhrpott und hatte heute das Glück in Oberhausen umsteigen zu dürfen. Diese Perle des Ruhrpotts hatte ich bisher noch nie betreten, sodass nun immerhin ein zarter Anfang gemacht ist. Dort traf man dann auch die örtlichen Stammkunden des Jobcenters, die allesamt in königsblau gekleidet waren. Ein paar Minuten noch in der S-Bahn und dann erreichten wir endlich das legendäre Gelsenkirchen. Wir umkurvten Polizisten, asoziale Schalker, Schalker und einfach nur Asoziale und betraten die Gelsenkirchener Innenstadt. Einfach nur schön! Kurzer Fall aus der Rolle: Erneut gab es irgendein kleines Fest auf dem Marktplatz und es gibt offensichtlich Leute in Gelsenkirchen, die versuchen das beste aus der Stadt zu machen. Meinen Respekt dafür!

Aber nun zurück! Aus jahrelanger schmerzlicher Erfahrung in Gelsenkirchener S-Bahnen, habe ich meine Lehren gezogen und so habe ich im vergangenen Jahr, gemeinsam mit dem Klabauterkeaper die sechs Kilometer zum Stadion zu Fuß bewältigt. So voller Glück, dass ich mir die S-Bahnfahrt sparte, glorifizierte ich etwas den Weg. Heute sahen wir das beide mit realistischeren Augen. Ein Fußweg, der fünf Kilometer an der Hauptstraße entlangführt, ehe er dann kurz an einem Fluss entlangführt, der schlimmer riecht als jede Kläranlage im restlichen Deutschland. Oh ja, Ruhrpott! Du bist ein Idyll. Gegen 14.30 erreichte ich dann das Stadion.

Dort gab es dann die obligatorisch peniblen Kontrollen und ich ließ mich in Rookie-Manier von dem Ordner vorführen und ließ mir meine Aufkleber abziehen. Wie lange gehe ich schon ins Stadion? Zumindest war die Schlange relativ kurz und so war ich dann auch zügig im Block. Dort verquatschte ich die Zeit bis zum Anpfiff und dann ging es auch schon los. Samstag 15.30 und trotzdem schaffen es nur 1.300 Herthaner in den Gästeblock. Dafür gibt es einfach keine Entschuldigung und gerade in der Derbysaison ist das einfach unglücklich. Die Anwesenden, schienen auch keine sonderliche Begeisterung zu verspüren, denn es war ein sehr dünner Auftritt. Eigentlich wurde die gesamte Zeit nur geträllert. Im besten Fall, denn auch in den unteren Reihen blieb der Mund dann einfach mal minutenlang geschlossen. Ist es wirklich so schwer 90 Minuten in der Woche aus sich rauszugehen? Die ganze Scheiße der Woche zu vergessen und gemeinsam einen Sahneauftritt hinzulegen? Offensichtlich schon. Lediglich beim Stadionverbotlerlied am Ende wurde es etwas lauter, was bei mir aber auch irgendwie eher Fragezeichen als Freude hinterlässt.

Auf der Gegenseite sah es nicht wirklich besser aus. Zumindest hatten die Schalker noch die Sonne als Ausrede parat. Auch dort wurde jedoch eher geflüstert als geschrien und so wurde es nur selten laut im Stadion. Ein Tag, wie ihn sich die Offiziellen wünschen. Hintergrundgeräusche für das Event- ohne anzuecken und ohne Leidenschaft.

Das Spiel zeigte einmal mehr, dass das vergangene Jahr der große Ausrutscher war. Schalke hatte in der 80. Minute seinen ersten Torschuss und führte trotzdem mit 2:0. Niklas Stark (völlig neben sich heute) und Karim Rekik (auch ein furchtbarer Saisonstart) sorgten durch Eigentore für die Führung der Schalker. Kurz vor Schluss sprangen die beiden dann verängstigt aus dem Weg, anstatt das 3:0 zu verhindern. Hier liegt wirklich einiges im Argen momentan. Der Plan offensiver zu spielen, scheint die Defensive komplett aus der Balance gebracht zu haben. Dazu eine furchtbare Tagesform von vielen Spielern. So spielst du eher um den Abstieg, als um Europa.

Die Mannschaft wurde dann auch eher ratlos empfangen. Rafft Euch jetzt. Die nächsten Spiele sind auf dem Papier leicht. Hier muss gepunktet werden. Ich verabschiedete mich recht zügig, traf den Klabauterkeaper und wir liefen zusammen Richtung S-Bahn. Dort noch ein unangenehmes Gespräch mit einer Schalker Kutte, das mit einem akward Handshake abgerundet wurde. Dafür kam die Bahn zügig und wir konnten am Bahnhof sogar noch den Flüßigkeitshaushalt auffüllen, bevor wir den Zug betraten. Es lief alles glatt und so waren wir gegen 20.30 zu Hause. So kann es auch mal gehen!

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