08.03.2020 Holstein Kiel vs SpvG Fürth 1:1

2. Bundesliga

Zuschauer: 9.390

Holstein-Stadion: Kiel

Ganz egal wem ich von meinen Plänen erzählte an diesem Sonntag nach Kiel zu fahren: Ich erntete kollektives Kopfschütteln. Dabei war es doch ein super Plan. Schon seit einigen Jahren fehlt mir in der zweiten Liga lediglich ein Ground. Der Ground von Holstein Kiel. Da ein Aufeinandertreffen zwischen Hertha und Kiel (hoffentlich) eher unwahrscheinlich ist, wurde es endlich mal Zeit, um das Stadion im hohen Norden zu kreuzen. Und ganz ehrlich. Ob ich nun fünf oder neun Stunden nach Hause fahre fällt dann auch nicht weiter ins Gewicht.

Einen Haken hatte der Plan und zwar klingelte auch heute der Wecker viel zu früh. Ich stärkte mich noch mit einem guten Frühstück, ehe ich um halb 9 am Berliner Hauptbahnhof in den Zug gen Norden stieg. Um kurz vor 12 erreichte ich pünktlich Kiel und die Zeit reichte zumindest noch, um einen kleinen Stadtrundgang einzulegen. Die Innenstadt von Kiel wurde im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und das neu errichtete Zentrum ist wahrlich kein Augenschmaus. Auf dem Fußweg zum Stadion gab es jedoch einige ganz nette Ecken und der Baustil der Häuser wirkte fast skandinavisch.

Ein letztes Mal abgebogen und am Ende der Straße tauchte das Holstein-Stadion auf. Seit 1911 trägt Holstein Kiel an Ort und Stelle seine Spiele aus. Damit gehört das Stadion zu den 20 ältesten Stadien in ganz Deutschland. In den letzten Jahren wurde das Stadion kräftig umgebaut und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Die Ostkurve besteht erst einmal aus einer provisorischen Stahltortribüne und soll in den nächsten Jahren noch einmal umgebaut werden. Ich hatte mir eine Karte für Block G geholt. Stehplätze auf der Haupttribüne. Richtig cool!

Von diesem Standort hatte ich einen guten Blick auf beide Fanlager. Kiel ist nach den Auflösungen der Supside und der Sektion Spielsucht im Jahr 2017 dabei den Neuanfang zu gestalten. Hinter dem Bündnis Block 501 haben sich mit den „Compagno Ultras“ und der „New Connection“ zwei Ultragruppen gegründet. Der Kern der Supportwilligen war eher klein und die Außenblöcke konnten eher selten zum Mitmachen bewegt werden. Ein paar ganz schöne Melodien ließen mich dennoch ein positives Fazit ziehen. Es gab zahlreiche Spruchbänder, die jedoch schwer leserlich waren und aus meinem Winkel somit kaum zu entziffern.

Die Spruchbänder lauteten:

„Heuchelei & Korruption gehören beim DFB zum guten Ton“

„Menschenrechte & Rassismus- interessieren Euch kaum- Doch beleidigt man Hopp dann brennt der Baum“

„90% der Ultras machen einen guten Job? 100% der Funktionäre begreifen das Thema nicht“

„Zurück zu den Wurzeln! Zurück zur SPVGG Fürth!“

„Repressionen und Verboten im großen Stil? Kassel und bleiben stabil“

„Medien die 24/7 hetzen & jetzt Maßstäbe für Menschenrechte setzen“

Fürth war heute mit circa 250 Leuten im Block, wobei sich etwa 150 dauerhaft am Support beteiligten. Fürth gefällt mir jedes Mal aufs Neue gut. Das gesamte Material ist wie aus einem Guss und sieht gut aus, die Mitmachquote ist beachtlich und trotz der geringen Mitfahrerzahlen sehen die Leute im Block immer motiviert aus. Gefiel mir auch heute wieder einmal richtig gut.

Das Spiel war ziemlich dünn, auch wenn es bereits in der ersten Spielminute zum ersten Treffer kam. Die Führung der Fürther glich Kiel durch einen Elfmeter nach Videobeweis aus. Danach war das Spiel unsäglich schlecht, ehe es zum Schluss noch einmal spannend wurde. Fürth traf in der letzten Minute der Nachspielzeit, der Treffer wurde jedoch wegen Abseits nicht anerkannt. Dann wartete das ganze Stadion bestimmt drei Minuten auf den Videoschiedsrichter und das Tor zählte nicht. Besser kann man Emotionen nicht töten…

Sehr interessant ist es auch auf der normalen Tribüne Fußballspiele zu gucken. Jede Aktion wird kommentiert und teilweise gibt es echt renitente Menschen, die sich auch ständig über die Fanszenen aufregen müssen. „Ihr seid so dumm“. „Warum trommelt ihr hier so Samba-Schlafmusik?“ Immer mal wieder spannend einen Realitätscheck zu haben.

Nach dem Spiel stieg ich brav in den Shuttlebus und nutzte die gewonnene Zeit, um noch einen Burger in der Kieler Innenstadt zu vernaschen.

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