28.08.2021 Toreense- Sporting B 4:3

Estádio Manuel Marques: Torres Vedras

Zuschauer: 650

Liga 3

Vor einigen Wochen brach ich noch eine Lanze für die frühe Anstoßzeit um 11:00. In der Theorie stehe ich auch zu meinen Worten. Heute bin ich jedoch etwas schlauer. De facto braucht es einige Grundvoraussetzungen, um die Anstoßzeit attraktiv werden zu lassen:

  1. Ausreichend Schlaf am Vorabend
  2. Eine kurze Anreise
  3. Keine Katerzustände

Alle drei Faktoren waren an diesem schönen Samstagmorgen nur bedingt gegeben. Ich hatte mich zum Glück für den späteren Bus entschieden und konnte somit noch kurz frühstücken, ehe ich aus dem Haus hetzte, um zum Lissaboner Busbahnhof zu gelangen. Es war dann sogar noch Zeit für einen kleinen Café am Tresen, ehe ich den Bus in Richtung Torres Vedras bestieg.

Wie oft war ich schon an Torres Vedras vorbeigefahren und dachte mir: Da musst du eigentlich mal hin. Nun war es endlich soweit und ich erreichte um 10:44 den Busbahnhof. Ich rechnete nicht wirklich damit pünktlich zum Anpfiff im Stadion zu sein. Um dennoch das möglichste zu tun, ging es im Laufschritt zum Stadion, das ich um 10:53 erreichte. Am Kartenverkauf hatte ich dann wirklich riesiges Glück, denn die Schlange für Mitglieder war wesentlich länger als für Normalsterbliche. Dadurch hatte ich zügig mein Ticket in der Hand. Auch die Kontrolle war nicht langwierig, sodass ich tatsächlich wieder mit dem Anpfiff das Stadion betrat. Und was erwartete mich da für ein Anblick?

Wieder mal ein wahnsinnig cooles Stadion. Es gab eine große Haupttribüne, die teilweise überdacht war. Ansonsten waren aber auch alle Seiten mit schönen, großen Stufen in den Vereinsfarben ausgebaut.  Ich finde es wirklich beeindruckend wie in jeder Kleinstadt und in eigentlich jedem Dorf ein sehenswertes Stadion steht. Portugal ist fußballtechnisch extrem unterbewertet. Aber das ist auch gut so. Bei meinen Spielbesuchen war bisher nur bei Boavista Porto eine weitere Person in der Groundhopper App eingecheckt. Wenn man bedenkt, dass in Tschechien Hopper bei Amateurspielen oft 1/10 der Zuschauerzahl ausmachen, ist das wirklich verrückt. Aber macht gerne weiter so und lasst mir mein geliebtes Portugal.

Kurz hinter mir betrat dann ein kleiner Haufen von Sportinguistas das Stadion. Mit Zaunfahnen vertreten waren die Directivo Ultras und die Brigada. Sie nahmen dann einen Platz auf der Gegentribüne rechts von mir ein und trafen dort auf einen übermotivierten Robo-Cop. Hier fühlte man sich schon wie in der Bundesliga- denn alles war verboten. Werbung mit einer Zaunfahne überhängen? Wo kommen wir denn da hin? Gibt es eine größere Todsünde im Kapitalismus? In der Folge entwickelten sich die gewohnten Diskussionen- aber ein Stein wäre kommunikativer gewesen als dieser Vertreter der Exekutive. Das Ergebnis drehte sich mir den Magen um: Denn die Zaunfahnen wurden auf den Boden gelegt.

Der Robo-Cop hatte auch noch weitere Einsätze für die Gerechtigkeit. Nach einem Tor für Sporting wurde etwas grüner Rauch gezündet. Er sprang über die Bande, beschlagnahmte den Rauchtopf und versuchte hektisch den Rauch zu verscheuchen. Wahnsinn. Aber zu Hause wahrscheinlich nüscht zu sagen.

Die Sporting Fans beglückten mich in der Folge mit durchgängigen Support und einigen eher selteneren Melodien. Dazu gab es einige Schwenkfahnen und immer mal wieder grünen Rauch. Negativ fiel nur eine Detonation eines Böllers auf, die auch mich kurz ertauben ließ.

Auf der Hintertortribüne war ebenfalls ein recht großer Fanblock von Torres Vedras mit circa 50 Leuten, die sehr ausdauernd ihre Mannschaft unterstützten. Wie bei Sporting purzelten hier die T-Shirts und mit freiem Oberkörper wurde die Mannschaft unterstützt. Beide Mannschaften sangen dann auch noch gemeinsam gegen die Cartao. Summasummarum auch auf den Rängen wieder ein echtes Spektakel. Ich weiß wirklich nicht wo das auf einmal herkommt.

Das Spiel stand ausnahmsweise mal nicht hinter dem Support zurück. Torres Vedras ging früh in Führung und eröffnete damit einen echten Schlagabtausch. Es gab Torchancen auf beiden Seiten und ein schnelles 1:1. Dann war Torres Vedras die effektivere Mannschaft und nutzte eiskalt seine Torchancen. So hieß es kurz nach der Pause sogar 4:1. Sporting gab sich nicht auf und konnte kurz vor Schluss sogar noch den Anschlusstreffer zum 4:3 erzielen. Mehr war aber nicht drin. Beide Mannschaften wurden von ihren Fans mit Applaus verabschiedet und es kam zu einem Abklatschen. Was für ein schöner Fußballvormittag.

Ich verbrachte im Anschluss noch ein wenig Zeit in Torres Vedras und besänftigte meinen knurrenden Magen. In einem wunderbaren Restaurant aß und trank ich mich einmal mehr glücklich. Danach drehte ich noch einige Runden durch die Altstadt und traf dabei zwei Mal die Jungs vom Directivo. Zunächst sangen sie oberkörperfrei in einem Restaurant in der Altstadt. Danach traf ich sie bei der Abreise mit einer offenen 9er-Tür und teilten der ganzen Stadt mit, dass sie Meister sind. Schöner geht es kaum. Mein Tag in Torres Vedras endete am späten Nachmittag und der Fernbus brachte mich zurück nach Lissabon.

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