20.09.2021 Academica de Coimbra- Vilafranquense 1:2

Estádio Cidade de Coimbra

Zuschauer: 600

Segunda Liga

Auch am Montag stand schon wieder Fußball auf dem Programm. Eine Tatsache, die ich bereits wieder verdrängt hatte und die mich dann am Sonntagabend einholte. Also ging es am Montagmittag direkt wieder zum Bahnhof, um den Zug nach Coimbra zu nehmen. Dort angekommen, ließ ich mich erst einmal mit einem sehr guten Mittagessen verwöhnen und schlenderte dann noch ein wenig durch die Stadt. Der Charakter der Stadt hatte sich im Vergleich zu meinem letzten Besuch vor vier Wochen deutlich verändert, denn die Studierenden waren zurückgekehrt und bevölkerten jede Bar und jede Kneipe der Stadt.

Zu Fuß erreichte ich das Stadion in Coimbra. Im Fanshop musste man seine Kontaktdaten hinterlegen und erhielt dann die Wahl auf welcher Seite des Stadions man untergebracht werden möchte. Ich entschied mich für die Gegentribüne- also die Seite, auf der auch die Fanszene von Academica untergebracht ist. Platz genug gäbe es dort, versicherte mir der Typ. Ein schwerer Fehler- wie sich noch herausstellen sollte.

Ich hatte noch circa eine Stunde bis zum Anpfiff und zog also noch durch zwei Bars, bevor ich zurück zum Stadion pilgerte. Dort herrschte dann bereits Volksfeststimmung und es gab eine wahnsinnig lange Schlange am Eingang. Es dauerte also 20 Minuten, bis ich endlich mein Ticket vorzeigen durfte. Es dauerte auch deshalb so lange, weil zunächst zwei Jugendspieler vor mir standen und schlussendlich zwei gesamte Mannschaften vor mich drängten. Dann gab es zumindest keinen Stress bzgl. Der mitgebrachten Tasche und ich erreichte zehn Minuten vor Anpfiff das Innere. Dort gab es reichlich Platz und vor allem wunderbare Abendsonne.

Auch bei Anpfiff war die Situation platzmäßig sehr angenehm. Leider tröpfelten immer mehr Zuschauer in das Innere. Zur 20. Minute war ich dann nicht mehr alleine in der Sonne, sondern war in Hogwarts gelandet. Ein riesiger Mob von uniformierten Studierenden hatte sich um mich herum platziert und sprach mit 120 Dezibel miteinander. Auch der Inhalt der Gespräche war eher befremdlich und so wurde lautstark die „La-Ola-Welle“ gefordert. Dies wäre der einzige Grund für das Erscheinen. Das schien angemessen mit Blick auf die Situation von Academica, die in dieser Saison noch keinen einzigen Erfolg verbuchen konnte. Ich wartete noch bis zur Halbzeit, um gesichtswahrend den Platz verlassen zu können und atmete dann tief durch. Diese Studierendenkultur ist sowieso nichts für mich- aber dieses respektlose Verhalten im Stadion gab mir einfach den Rest. So hatte man wirklich das Gefühl bei einem Länderspiel zu sein und nicht bei einem ehrlichen Ligaspiel.

Die Fanszene von Academica kann einem nur leidtun. Wie soll in so einer Stadt etwas entstehen? Jeden Sommer kommen Zehntausende neue Studierende und verlassen dann aber nach dem Studium auch wieder die Stadt. Außerdem haben diese Leute natürlich die Welt in jungen Jahren bereits absolut verstanden. Die Antwort ist: Hier kann nichts entstehen und das sah man heute auch beim Haufen vom Coimbra. Ein sehr bescheidener Auftritt mit merkwürdiger Liedauswahl. Auch mit Blick auf die Lautstärke ließ sich die Szene von den reichlich Anwesenden Bambinis von Academica übertönen.

Das Spiel war auch reichlich kurios. Hier spielte der Letzte gegen den Vorletzten. Trotzdem sahen die Buchmacher den klaren Vorteil bei Academica. Academica ging auch in Führung und hatte dann eigentlich alles im Griff. Selten dämlich fing man sich dann jedoch den Ausgleich. In der 55. Minute gab es dann einen Platzverweis von Coimbra. Vila Franca konterte einmal eiskalt und erzielte das 1:2. In der Folge gab es absolut kein Aufbäumen und es blieb beim Auswärtserfolg. Ein merkwürdiges Spiel.

Nach dem Spiel wurde es dann kurz ruppig und aus den Mündern der Fanszene und der Harry Potters ertönte „Ihr seid eine Schande“. Die Spieler wären nicht im Unrecht gewesen hätten sie die „Spiegelattacke“ aus Grundschulzeiten verwendet.

Im Laufschritt ging es dann zurück zum Bahnhof, um den letzten Zug nach Lissabon zu erwischen. Ich war wahnsinnig froh, als ich ebenjenes Lissabon wieder erreichte und kurz vor Mitternacht meine Haustür zuzog. Coimbra? Nichts für mich. Das war das erste Spiel, das man sich hätte schenken sollen.

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