11.12.2021 Beijing Barbarians- Origin Reserve 3:2

Thomas Marechal Cup

Zuschauer: 10

Xin Ya Middle School: Beijing

Mehr als zwei Monate waren seit meinem letzten Besuch eines Fußballspiels vergangen. Nun befand ich mich circa 7.500 Kilometer Luftlinie weiter östlich und wollte endlich mal wieder ein Spiel sehen. Schon zuvor hatte es einige zarte Annäherungsversuche gegeben. Aus meinem Quarantänezimmer im 23. Stock hatte ich einen recht guten Blick auf einen Kunstrasenplatz, der circa 100 Meter von mir entfernt lag. Als ich abends wieder einmal sehnsuchtsvoll nach draußen schaute und mich fragte wie eigentlich meine eigene Stimme klingt, knipste plötzlich jemand das Flutlicht an. Leider stellte sich schnell heraus, dass nur ein Training und kein Spiel angesetzt war. Später, während meines Gesundheitsmonitorings in Shanghai, versuchten wir ein Drittligaspiel in einem Vorort zu besuchen. Nur leider fanden am vermeintlichen Spielort gerade Bundesjugendspiele statt.

In der Folge gab es wenig Hoffnung auf Besserung. Die chinesische Regierung verfolgt eine strikte „No-Covid Policy“. Neben extrem harten Einreisebeschränkungen (nehmt mich beim Wort!), wird selbst der inländische Reiseverkehr stark unterbunden und Massenveranstaltungen finden nur in einem sehr eingeschränkten Rahmen statt. So wurden die Pekinger Teams kurzerhand in das Exil geschickt und mussten zunächst ihre Heimspiele in Wuhan austragen. Viel zu riskant wäre der Reiseverkehr durch die gegnerische Mannschaft gewesen… Im Herbst wurde die Liga dann pausiert, um der chinesischen Nationalmannschaft die Möglichkeit zu geben, sich auf die wichtige WM-Qualifikation in Katar vorzubereiten. Im Dezember sollte die Liga dann in Form einer Playoff-Runde wieder gestartet werden. Nur leider wurden die Spiele allesamt in den Süden des Landes nach Guangzhou verlegt und Zuschauer sind vorerst keine zugelassen.

Niederklassiger Fußball wird sicherlich noch irgendwo gespielt. Aber meine sehr begrenzten Lesefähigkeiten der Schriftzeichen und die fehlende Informationspolitik, machten es nahezu unmöglich ein Spiel zu besuchen. Daher zögerte ich nicht lange, als mir ein Kollege von seiner Hobbytruppe erzählte, die unter dem Namen „Beijing Barbarians“ am Spielbetrieb teilnimmt und am Wochenende ein Pokalspiel gegen die zweite Mannschaft von Origins austrug. Die Liga und der dazugehörige Pokalwettbewerb werden vor allem aus Expatmannschaften gebildet.

Durch die Weihnachtsfeier am Vorabend gezeichnet, hatten wir einen eher langsameren Start in den Tag, sodass wir uns dekadent mit dem Taxi zum Sportplatz vorfahren ließen. Nun schlug das Herz vor Aufregung doch ein bisschen schneller. Gespielt wurde auf dem Kunstrasenplatz einer chinesischen Schule. Um 12:00 sollte angepfiffen werden, aber die vorigen Mannschaften räumten gerade erst das Feld. Das gab uns die Möglichkeit im gegenüberliegenden Laden noch ein koffeinhaltiges Getränk zu erstehen, bevor wir den Platz betraten.

Der Platz bot zugegebenermaßen keine nennenswerten Highlights. Die Spieler meckerten über die Härte des Platzes- ich fand eher die Vielzahl an Linien etwas verwirrend. Davon abgesehen, habe ich in Deutschland aber auch auf ähnlichen Plätzen, Spiele gesehen. Die Sonne schenkte uns den womöglich letzten sonnigen Tag des Jahres und da es windstill war, konnten wir das Spiel sogar stilvoll mit Sonnenbrille und im Pullover genießen. Fußballherz, was möchtest Du mehr? Dazu sorgte das heruntergefallene Laub für etwas Spätherbstatmosphäre.  

Die Beijing Barbarians konnten sich relativ souverän gegen die Reservemannschaft der „Origins“ durchsetzen. Origin ist ein recht großer Sportverein, der sich beispielsweise ebenfalls um die Gründung von chinesischen Fußballvereinen in der Diaspora kümmert. Die Barbarians traten ebenfalls weitestgehend mit der zweiten Garnitur an und trotzdem entwickelte sich kein schlechtes Fußballspiel. Die Barbarians konnten sich recht souverän mit 3:2 durchsetzen und holten damit den ersten Sieg in der Gruppenphase des Pokals, der nach einem zu früh verstorbenen Weggefährten benannt ist.

Wir verquatschten die Spieldauer entspannt zusammen und mit den Auswechselspielern der Barbarians. Kurz nach dem Abpfiff, verabschiedeten wir uns dann und durchquerten mit dem Leihfahrrad einmal die Stadt von Süden nach Norden. Die Entspannung war relativ schnell wieder von dannen und es fühlte sich eher wie ein Fahrradkrieg an. Der Abend ging mit kulturellem Programm und einer Geburtstagsfeier am Abend sehr gut zu Ende. Ein Leben ohne die Angst vor Corona ist schon sehr entspannt!

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