30.08.2021 Belenenses- Sacavanense 5:1

Estádio do Restelo: Lissabon

Zuschauer: 550

Campeonato Portugal

Die Länderspielpause drohte langsam den Spielbetrieb in Portugal lahmzulegen. Es gab jedoch noch ein letztes Hurra, denn am Montag spielte Belenenses in der vierthöchsten portugiesischen Spielklasse gegen den Vorortsverein Sacavanense. Ich hatte zuvor meinen freien Tag auf der anderen Flussseite, der Margem Sul verbracht und kehrte damit gegen 19:00 mit dem Schiff nach Lissabon zurück. Da der Anpfiff bereits wieder näher rückte, nahm ich direkt einen Bus, der mich nach Belém brachte. Dieser hielt praktischerweise direkt vor dem Stadion und so konnte ich mir erst einmal mein Ticket sichern. Die Wartezeit am Ticketschalter kann hier ja gerne mal den Anpfiff kosten, sodass ich schon mal erleichtert war, als ich mein Ticket in der Hosentasche erspürte. Ganz ohne Nervenkitzel geht es aber natürlich auch nicht und wenn man schon einmal in Belém ist, dann muss man auch die weltberühmten Pasteis de Belém essen. Durch die fortgeschrittene Uhrzeit hatten sich die Massen bereits verzogen und ich witterte meine Chance auf ein herrliches Törtchen.

Im Laufschritt ging es nach unten zur Bäckerei und ich nahm im Inneren des Lokales Platz. Zwei Törtchen und Tausende Kalorien später, kugelte ich glücklich und zufrieden wieder den Weg zum Stadion nach hinauf. Die Einlasskontrolle war entspannt und so betrat ich circa 10 Minuten vor dem Anpfiff das Stadion. Ich brauchte einige Momente, um mich zu ordnen, denn um mich herum liefen einige Leute mit „Ultras“ Klamotten herum. Dann machte es Klick und ich begriff: Sacavanense hatte eine Szene mitgebracht, die sich in meinem Block befindet. Krass! Damit hatte ich wieder nicht gerechnet und war dementsprechend in den folgenden 90 Minuten einmal mehr geflasht von den Ereignissen auf den Rängen.

Fangen wir jedoch mit dem Heimverein an. „O Belenenses está livre“. So war es im Stadtbild auf zahlreichen Postern zu lesen. Hintergrund ist der schon länger schwelende Konflikt mit der ausgelagerten Profimannschaft des Vereins. Im Jahr 2018 kam es zur Aufspaltung: Der investorengeführte Belenenses Sad spielt nach wie vor in der ersten Spielklasse- hat jedoch kein Stadion zur Verfügung, sondern trägt in der Regel im Nationalstadion die Spiele aus. Zuschauer kommen jedoch nicht wirklich, sodass nun häufiger die Heimpartien im Zentrum Portugals in Leria ausgetragen werden. Das ergibt eine Menge Sinn für einen Stadtteilverein in Lissabon. Aber so sieht wahrscheinlich die Zukunft des Fußballes aus: Dass so ein Projekt auch ohne lokale Verwurzelung funktionieren kann, zeigt die Brausetruppe aus Leipzig.

Der Traditionsverein „Clube de Futebol os Belenenses” spielt nach wie vor im altehrwürdigen Estádio do Restelo. Dort sah ich vor ziemlich genau acht Jahren mein erstes Spiel auf portugiesischem Boden. Belenenses fing im Jahr 2018 in der sechsten Liga neu an. Mittlerweile spielt man wieder in der vierten Liga und es ist eine klare Aufbruchstimmung wahrzunehmen. Das erkennt man an zahlreichen Aktivitäten im Lissaboner Stadtbild und einer vollen Hütte heute im Stadion. Auf der Haupttribüne wurden einige Sitzschalen entfernt und es gibt nun einen schönen Stehplatzblock auf Höhe der Mittellinie. Das gesamte Spiel wurde durchgehend supportet und es gab immer mal wieder einen schönen Raucheinsatz zu bewundern. Ich war schon öfter hier im Stadion und kann mich nicht erinnern von den Heimfans mal einen so guten Auftritt gesehen zu haben.

Die Gäste machten den Abend aber zu einem wirklichen Highlight. Ich saß genau hinter ihnen und hatte somit einen perfekten Blick. Als ignoranter Hopper, hatte ich mich noch nicht so richtig mit Sacavanense beschäftigt und war somit einfach begeistert. Circa 15-20 Leute, die hinter einigen Zaunfahnen das gesamte Spiel durchsangen und durchdrehten. Deswegen habe ich mich damals in den Fußball verliebt. Wegen dieser Verrückten, die auch bei einer 5:1 Niederlage nicht aufhören ihren Verein zu besingen. Genau solch einen Moment bescherten mir die Gäste heute.

Es war wirklich ein magischer Abend, der mich daran glauben ließ, dass in Portugal einiges gehen kann. Das Potenzial ist ohne Frage da und die Geschlossenheit mit Blick auf die Cartao machen einem ebenfalls Hoffnung. Ultras- bleibt stark und holt Euch die Kurven zurück!

Saca ging überraschend in Führung- hatte in der Folge jedoch wenig entgegenzusetzen und verlor mit 5:1. Was soll’s? Der Abend begann mit einem Klischee, nämlich den Pasteis de Belem und endete mit einem Klischee: Die Straßenbahn brachte mich zurück in das Lissaboner Stadtzentrum.

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